Montag, 20. August 2007
Elf Menschen verletzt: Unfall bei "Valkyrie"-Dreh
Nach einem Unfall mit elf Verletzten am Set des Tom-Cruise-Films "Valkyrie" in Berlin haben Zeugen und Geschädigte Vorwürfe gegen die Produktionsgesellschaft erhoben. Die Komparsen hätten die Verantwortlichen bereits bei den Proben Anfang vergangener Woche auf Mängel an dem Lastwagen aufmerksam gemacht, der dann am Sonntagabend verunglückte. Das berichteten mehrere der Film-Statisten.
Mehrmals hätten die Komparsen, die Wehrmachtssoldaten spielten, sich gegenseitig, aber auch die Produktionsleiter gewarnt, dass auf der Ladefläche des Pritschenwagens Teile lose waren, sagte der 36-jährige Statist Alexander Klute. Die Verantwortlichen hätten darauf aber nicht reagiert. Es habe lediglich "kosmetische Reparaturen" gegeben.
In einer Kurve löste sich bei dem defekten Laster dann eine Ladeklappe, 20 Statisten fielen von dem Wagen. Sie erlitten bei dem Sturz vor allem Prellungen und Platzwunden am Kopf, wie die Polizei mitteilte. Cruise selbst war an diesem Abend nicht an den Dreharbeiten beteiligt. Von der Filmproduktion United Artists war zu den Vorwürfen der Komparsen zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.
Auch die Fahrer anderer Wagen hätten die Filmemacher auf Mängel an den Fahrzeugen, darunter defekte Bremsen, hingewiesen, sagte Klute, der eine Beckenprellung erlitt. "Die Produktionsfirma hat mit unserem Leben und unserer Gesundheit gespielt." Die verletzten Komparsen streben nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" eine Sammelklage gegen das Hollywood-Studio an. Klute sagte, über eine Anwältin werde derzeit geprüft, ob die Sammelklage auf Schmerzensgeld nach deutschem oder amerikanischem Recht erfolgen solle.
Die Polizei ermittelt nach dem Unfall wegen fahrlässiger Körperverletzung. Der Lastwagen wurde beschlagnahmt. Da es sich um einen Arbeitsunfall handelt, wurde auch das Landesamt für Arbeitsschutz eingeschaltet. Es gehe unter anderem um die Frage nach dem Status der Beschäftigten und eventuelle Schadenersatzforderungen, hieß es dort.
Die Dreharbeiten waren nach dem Unfall zunächst abgebrochen worden. Am Montag wurden die Arbeiten nach Angaben der Produktionsfirma aber planmäßig wieder aufgenommen. Bis Ende Oktober drehen Cruise und sein Team in Berlin und Brandenburg.
In dem Film von Regisseur Bryan Singer spielt Cruise den Hitler-Attentäter Claus Graf Schenk von Stauffenberg. Der Film um das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 wird zum Teil am historischen Schauplatz im Berliner Regierungsviertel gedreht. Am Sonntagabend wurde am einstigen Reichsluftfahrtministerium in der Wilhelmstraße, dem heutigen Bundesfinanzministerium, gedreht.
Der Film mit Cruise in der Hauptrolle war in die Kritik geraten, weil der Schauspieler Anhänger der umstrittenen Scientology-Organisation ist. Das Filmteam erhielt außerdem keine Drehgenehmigung für den Berliner Bendlerblock, wo Stauffenberg und drei Gleichgesinnte hingerichtet wurden.



