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Freitag, 02. August 2002

Vorboten des Klimawechsels?: Unwetter im Norden

Das Wetter spielt weiterhin verrückt. In Norddeutschland richteten sintflutartige Regenfälle und Windböen von bis zu 80 Stundenkilometern teils schwere Schäden an. Hunderte Keller standen unter Wasser. Polizei und Feuerwehren waren im Dauereinsatz.

Klimawechsel?

Meteorologen führen die extremen Wetterumänderungen auf die globale Erwärmung zurück. „Im Juni und Juli war es in diesem Jahr etwa ein bis zwei Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt“, sagte Hans-Joachim Heinemann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Hamburg in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Deutschland sei in diesem Jahr zum ersten Mal von den Folgen der Klimaerwärmung betroffen. Je heißer die Luft sei, desto heftiger seien auch die anschließenden Gewitter.

Windhosen und Wasserböen in Niedersachsen und Hamburg

Von dem Unwetter besonders betroffen waren in Niedersachsen die Regionen Stade, Cuxhaven und Lüneburg. Über Adendorf im Kreis Lüneburg tobte eine Windhose. "Zwei Autos wurden umgeworfen, Hausdächer abgedeckt und Altpapiercontainer flogen durch die Luft ", sagte ein Polizeisprecher.

In Teilen Hamburgs hat das Gewitter einen Regenmengen-Rekord gebracht. „Das war der stärkste Niederschlag innerhalb einer Stunde in Hamburg seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1906“, sagte der Technische Geschäftsführer der Stadtentwässerung, Reinhard Funke, am Freitag. Im Stadtteil Blankenese seien 65 Liter Wasser je Quadratmeter innerhalb von 45 Minuten gefallen. Das Unwetter hatte den Verkehr in der Hansestadt wegen überfluteter Straßen und umgestürzter Bäume für mehrere Stunden lahm gelegt.

900 Rettungskräfte fuhren insgesamt rund 1.400 wetterbedingte Einsätze. Umgestürzte Bäume legten eine S- und eine U-Bahn-Strecke kurzzeitig lahm. Ebenfalls wegen eines abgeknickten Baumes musste die Autobahn A24 in Hamburg zeitweise gesperrt werden. An der Elbe fegte der Wind einen Wohnwagen um und verletzte eine Frau leicht. In Horneburg, wo vor zwei Wochen ein Deich gebrochen war, standen die Straßen unter Wasser.

Unwetter auch in Schleswig-Holstein

Auch in Schleswig-Holstein kam es zu schweren Schäden. Am stärksten betroffen war der Kreis Pinneberg. Im Süden des Bundeslandes liefen rund 300 Keller voll. Auf der A23 bei Halstenbek wurde der Verkehr durch die Wassermassen behindert. In Kiel schlug ein Blitz in ein Einfamilienhaus ein.

Glück im Osten

Verhältnismäßig glimpflich verlief das Unwetter hingegen in Mecklenburg-Vorpommern. Gewitter und starke Regenfälle hinterließen hier insgesamt eher geringe Schäden. Im Kreis Nordvorpommern geriet ein Haus nach einem Blitzeinschlag in Flammen. Der Dachstuhl brannte komplett aus. Die Bundesstraße 208 bei Roggenstorf im Kreis Nordwestmecklenburg musste wegen Überflutung gesperrt werden. Heftige Niederschläge gab es auch im Süden Brandenburgs.

Weiter unbeständig

Die Aussichten für die kommenden Tage sind weiterhin durchwachsen. Der Regenschirm sollte heute beim Verlassen des Hauses in fast ganz Deutschland nicht fehlen. Von Ostfriesland bis zur Oder sollen sich laut Meteorologen dichte Wolken mit teils ergiebigem Regen halten. In Schleswig-Holstein kann es anfangs noch Gewitter geben. Vom Südwesten her soll sich im Lauf des Tages jedoch zunehmend die Sonne blicken lassen. Die Temperaturen liegen zwischen 19 und 26 Grad.

Mit dem bunten Sonne-Wolken-Mix geht es auch am Wochenende weiter. Zunächst freundlich, dann jedoch zunehmend bewölkt wird es am Samstag. Bei 20 bis 27 Grad ist erneut mit Schauern und Gewittern zu rechnen. Am Sonntag und zu Wochenbeginn bleibt es wechselhaft. Das Quecksilber steigt auf 19 bis 26 Grad.

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