Sonntag, 24. September 2006
Streit in Baden-Württemberg: Verkauf kulturhistorischer Güter
In Baden-Württemberg ist ein heftiger Streit über einen drohenden Ausverkauf von Kulturgütern ausgebrochen. Es geht um den Verkauf von Kunstschätzen im Wert von geschätzten 70 Millionen Euro. Unter anderem stehen wertvolle Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe zur Disposition. Bei einem Festakt zur Gründung des Großherzogtums Baden vor 200 Jahren widersprach Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) am Sonntag in Karlsruhe Befürchtungen, dass kulturhistorisch wertvolle Kulturgüter verscherbelt würden.
Hintergrund ist ein jahrelanger Streit zwischen dem Land und dem badischen Markgrafen-Adelshaus. Dabei geht es um Kunstwerke mit einem Wert von geschätzten 300 Millionen Euro, deren Besitz zwischen Land und Adelsfamilie strittig ist. Die Landesregierung will dem Markgrafenhaus nun Kunstschätze von 70 Millionen Euro zusprechen. Deren Erlös soll in eine Stiftung fließen, um Schloss Salem am Bodensee langfristig zu sichern.
Welche Kunstwerke im einzelnen betroffen sind, steht laut Oettinger noch nicht fest; es gebe noch keine Liste. Zunächst solle eine hochrangig besetzte Projektgruppe in Frage kommende Kulturgüter auf ihre Bedeutung für das Land hin überprüfen. Nach bisherigen Angaben müsste die Landesbibliothek dem Adelshaus etwa 3500 ihrer rund 4200 Handschriften überlassen. Damit würde die Bibliothek ihre überregionale Bedeutung verlieren, warnte kürzliche Direktor Peter Michael Ehrle. "Das ist für uns das Ende als Forschungsbibliothek. Wir sind dann nur noch eine ganz normale Bibliothek."
Durch den Verkauf würde die Sammlung "in alle Winde zerstreut und ganz sicher nicht in Deutschland bleiben", bedauerte Ehrle. Er befürchtet, dass ausländische Museen oder Privatleute die Schriften als Kapitalanlage kaufen könnten. "Die verschwinden bei denen im Tresor und fertig", sagte Ehrle. "Das ist fast so, als wären sie vernichtet."
Oettinger bekräftigte hingegen am Sonntag, "kulturell wertvolles Schriftgut, das in Baden entstanden ist, oder in Baden seinen Inhalt hat, bleibt unverkäuflich". Auch Prinz Bernhard von Baden bezeichnete die Erhaltung und Pflege wertvollen Kulturgutes als "vornehmste Pflicht meiner Familie".
Erst kürzlich hatte die Ankündigung der Stadt Krefeld, zur Sanierung ihres Museums ein wertvolles Bild von Claude Monet verkaufen zu wollen, für Empörung unter Kunstexperten und Kulturpolitikern gesorgt.



