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Freitag, 01. Februar 2008

"Wie in Italien": Warnstreik nervt Berlin

Leere U-Bahnhöfe und Bussteige, hektische Handy- Gespräche in überfüllten S-Bahnen - der Warnstreik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) hat am Freitag viele Hauptstädter kalt erwischt. Nach nur kurzer Vorwarnzeit lag ein Großteil des öffentlichen Verkehrs in Berlin lahm - in diesem Ausmaß hatte das selbst die Lokführergewerkschaft mit ihren S-Bahn-Streiks nicht geschafft. U-Bahnen, Straßenbahnen und fast alle Busse sollen bis Samstagnachmittag in den Depots bleiben.

Auf den Straßen standen die Autos dicht an dicht, mancher holte sein Fahrrad kühler Jahreszeit vorzeitig aus dem Keller, zahllose Hauptstädter kamen zu spät zur Arbeit. Gerade die Menschen aus den Außenbezirken und dem Osten der Hauptstadt waren von dem Streik seit Mitternacht betroffen. Obwohl die nicht betroffene S-Bahn zusätzliche Züge einsetzte, gab es vor allem im Berufsverkehr Staus und Gedränge. Ausgefallene Ampeln sorgten für zusätzlichen Ärger.

Verschlossene Gittertüren auch vor den U-Bahn-Schächten am Alexanderplatz. "Ist zu", ruft ein Mann einer Frau im Pelz zu. "Ach, du heilige Schiete", seufzt diese nur. Ihren ersten Berlinbesuch haben sich auch Elisa und Michele Adami anders vorgestellt. Ratlos blicken sie durch die Gitterstäbe in menschenleere Gänge. "Hier ist es wie zu Hause in Italien", sagt der 35-Jährige bitter.

Der Warnstreik hat dem Paar einen dicken Strich durch das stramme Besuchsprogramm ihres verlängerten Wochenendes gezogen. Die Fahrt im Doppeldeckerbus fällt aus und auch die S-Bahn macht um viele Sehenswürdigkeiten einen Bogen. "Fünf Jahre habe ich in New York gelebt, nie gab es einen U-Bahn-Streik", sagt Adami und macht sich mit seiner Frau zu Fuß auf den Weg.

Die Geduld der Berliner scheint nach den mehrmaligen Streiks der Lokomotivführer arg strapaziert. "Überfallartiger Blitzstreik", schallt es der Gewerkschaft ver.di vom Fahrgastverband entgegen, das Gebot der Verhältnismäßigkeit sei grob verletzt. "Ärgerlich" nennt die landeseigene BVG den Streik und es klingt noch wie eine diplomatische Formulierung. Der Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) wird schon mit dem Wort "Erpressung" zitiert.

Ver.di fordert acht bis zwölf Prozent mehr Geld für die rund 11.500 BVG-Beschäftigten. Der Warnstreik war eigentlich für Samstag angekündigt. Doch nach einer geplatzten Verhandlungsrunde am Donnerstag zog ver.di den Ausstand spontan vor. Ver.di-Landeschefin Susanne Stumpenhusen empörte sich über das Argument der Arbeitgeber, die BVG-Beschäftigten seien überbezahlt. Das habe die Mitarbeiter auf die Palme gebracht. "Wir müssen jetzt ein Signal setzen", hätten viele gefordert. So blieben zwischen Ankündigung und Streikbeginn nur ganze sieben Stunden.

Enttäuschung herrscht auch am Brötchenstand einer U-Bahn, wo die Verkäuferinnen hinter randvollen Auslagen vergeblich auf Kunden warten. "Viele haben ja doch aus Radio oder Zeitung vom Streik erfahren", sagt eine Verkäuferin. Nur wenige Menschen hätten am Morgen noch den gewohnten Gang zur U-Bahn angetreten.

Zufrieden ist dagegen Taxifahrer Shahram Kyani. "Der Andrang ist ganz gut heute", freut er sich über die spontane Kundschaft. Selten müsse er so wenig auf neue Fahrgäste warten. Auch einige Berliner Schüler dürften sich über den Warnstreik gefreut haben: Die Bus- und Bahnausfälle verlängerten bei einigen die Galgenfrist bis zur Zeugnisausgabe.

von Burkhard Fraune und Aliki Nassoufis, dpa

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