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Montag, 12. Juni 2006

Analysten spekulieren: Was will Merck?

Der Darmstädter Pharmakonzern Merck könnte nach Einschätzung von Analysten seine Beteiligung an Schering als Druckmittel für eine strategische Übereinkunft mit Bayer einsetzen. Ohne eine solche Vereinbarung steht manchen Experten zufolge die geplanten Schering-Übernahme durch Bayer vor dem Scheitern.

"Entweder platzt der Deal oder es kommt doch noch zu einer Vereinbarung zwischen Merck und Bayer", erwartet Silke Stegemann von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Die beim Bieten um Schering unterlegene Merck KGaA hat ihre Motive für die massive Aufstockung der Schering-Beteiligung bislang im Dunkeln gelassen.

Den Darmstädtern fehlen wenige Tage vor Ablauf der Bayer-Offerte noch etwas mehr als sechs Prozent der Schering-Anteile, um den größten Zukauf in der Bayer-Firmengeschichte vereiteln zu können: Merck hat seine Schering-Beteiligung inzwischen auf 18,6 Prozent aufgestockt. Bis Mittwoch muss sich Bayer 75 Prozent der Schering-Anteile gesichert haben, damit die Übernahme zu Stande kommt. Die Leverkusener kamen ebenfalls dank massiver Aktienkäufe zuletzt auf 61,52 Prozent. 23,09 Prozent hat Bayer an der Börse gekauft.

Vereinbarung zwischen Merck und Bayer möglich

Martin Possienke vom Brokerhaus Equinet sieht die Motive von Merck weiter im Unklaren. "Das wahrscheinlichste Szenario ist aus unserer Sicht, dass sie auf einem höheren Preis aus sind für ihre Beteiligung, vielleicht in Kombination mit einer Schering-Geschäftseinheit oder mit Produktrechten", schätzt der Experte. In der Übernahmeofferte bietet Bayer bislang 86 Euro je Schering-Aktie. LRP-Analystin Stegemann zufolge könnte Merck auf Vertriebsvereinbarungen aus sein, beispielsweise an einer Kooperation zu seinem Parkinson-Kandidaten Sarizotan, da Schering bei ZNS-Medikamenten viel Expertise besitze. "Auch könnte Merck an bestimmten Märkten oder Patentrechten von Bayer interessiert sein, um so die eigene Position zu stärken", sagt die Expertin. Hier könnten Krebsmittel im Blickpunkt stehen.

Der WestLB zufolge ist das wahrscheinlichste Szenario, dass Bayer nicht die erforderlichen 75 Prozent erreicht. Dafür spreche das Aktienpaket von Merck an Schering, sowie die Annahme, dass die mit Merck verbundenen Banken jeweils knapp fünf Prozent hielten. Die Bank weist darauf hin, dass Bayer dann eine zweite höhere Offerte nur mit Zustimmung der Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin und Schering vorlegen könnte. Nach einer gescheiterten Offerte gibt es hier zu Lande für Unternehmen eine rechtliche Sperrfrist von einem Jahr für eine neue Offerte.

Merck könnte auf strategische Beteiligung aus sein

Ein anderer Experte hält es auch für möglich, dass die Transaktion dennoch klappt und Merck dann eine große Beteiligung an Schering hält -mit erheblichem Einfluss auf die weitere Geschäftsstrategie. "Es könnte sein, dass Merck gerne Teil eines neuen deutschen Pharma-Powerhauses werden möchte", schätzt ein Londoner Analyst. Eine solche Situation wäre nicht ungewöhnlich und hätte beispielsweise ein Vorbild in der Schweiz, wo Novartis ein großes Aktienpaket an seinem Baseler Rivalen Roche hält. Ob Bayer einen so unbequemen Schering-Aktionär an Bord haben wolle, sei jedoch mehr als fraglich, sagen andere Experten.

Frank Siebelt, Reuters

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