Pokert noch: GM-Chef Rick Wagoner.
Donnerstag, 19. Februar 2009
Rette sich wer kann bei GM: Was wird aus Opel und Saab?
Das erste Opfer scheint gefunden: Fast erwartungsgemäß scheinen bei Saab die Lichter auszugehen. Der schwedische Staat weigert sich, noch weiteres Geld für eine Rettung mit ungewissem Ausgang bereitzustellen. Daraufhin berichteten schwedische Medien, dass der Autobauer noch heute Insolvenz anmelden würde. Saab-Sprecher Eric Geers erteilte diesen Gerüchten gegenüber n-tv.de eine Absage. "Eine Insolvenz ist derzeit keine Option", sagt Geers. Höchstens eine Neuorganisation des Konzerns. "Doch dazu ist es zu früh, etwas darüber zu sagen."
Bei der derzeitigen Lage kann wohl niemand die Zukunft von Saab prognostizieren. Umso verständlicher, dass Schwedens Regierung den Geldhahn erst einmal zudreht. Das macht Sinn, so hart die Entscheidung auch ist. Denn auch mit weiteren Milliardenkrediten wäre wohl für die soliden Schweden-Autos keine Zukunft zu schaffen. Zu klein die Modellpalette, zu wenig innovativ die Produkte.
Die Konkurrenz ist seit langem enteilt. Seit dem GM-Einstieg im Jahr 2000 und der vollständigen Machtübernahme 2004 wurde Saab bis zur Unkenntlichkeit zurückgestutzt. Das Unternehmen wird vom europäischen GM-Sitz in Zürich aus geleitet. In Trollhättan in Schweden gibt es lediglich ein "Brand Center", das sich um die verbliebene Markenidentität kümmert. Diese endet aber bereits bei Design und Motormanagement. Gerade mal zwei Modelle gibt es noch mit dem Kopf des schwedischen Adlers darauf. Der 9-3 tritt in der oberen Mittelklassen gegen Mercedes, Audi, BMW und Co. an. Ebenso der 9-5, der sich in der Oberklasse mit ähnlichen Schwergewichten messen muss.
Zaudern und Zögern
Seit der Eingliederung in das General-Motors-Moloch basieren die Autos von Saab auf der Epsilon-II-Plattform. In Schweden wurde vor allem an der Optik getüftelt, die das wichtigste Verkaufsargument war und ist. Saab hat seine Wurzeln im Flugzeugbau. Das sollte man den Modellen auch heute noch ansehen, die mit aerodynamischem Design punkten wollen. Auch die Motoren werden schon lange nicht mehr in Schweden entwickelt. Die Basis der Aggregate kommt von der GM-Tochter Powertrain, in Trollhättan wird nur noch die Software für das Motormanagement hinzugefügt. Selbst die früher markentypische Turboaufladung kommt von der Konzernmutter.
Doch die Unmündigkeit ist auch selbstverschuldet, denn das Management zeichnete sich in den letzten Jahren durch Zögern und Zaudern aus. Ausgerechnet der Erzrivale Volvo hat es Saab in den letzten Jahren vorgemacht. Mit Wagemut wurde da eine Nische nach der anderen besetzt, sodass sie wesentlich breiter aufgestellt sind. Damit würde ein Abschied von Volvo dem Ford-Konzern wesentlich mehr Schmerzen bereiten als ein Verschwinden von Saab bei GM.
GM von Rüsselsheim abhängig
Unabhängig davon, was man in Schweden über die Zukunft denkt, es sieht düster aus. Für Spielereien ist bei GM kein Geld mehr da. Wenn der schwedische Staat jetzt das Einspringen verweigert, dann dürfte eine Abwicklung nur noch eine Frage der Zeit sein. Da stellt sich aus deutscher Sicht die Frage nach dem weiteren Vorgehen in Sachen Opel. Trotz guter Zahlen im letzten Geschäftsjahr und einer erfolgreichen Restrukturierung der Modellpalette, mit dem Insignia als krönendem Abschluss, droht die Marke im Sog des Giganten GM mit in den Abgrund gerissen zu werden.
Opel ist im GM-Konstrukt eigentlich unverzichtbar. Nahezu die gesamte Forschung an den zukunftsorientierten vier- und sechszylindrigen Motoren ist dort angesiedelt. Das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim hat zudem die Plattformen Gamma, Delta und Epsilon entworfen. Darauf basieren nicht nur Opel-Autos, sondern neben Saab auch die Modelle von Chevrolet, Daewoo und sogar Cadillac. General Motors hängt also direkt von Rüsselheim ab.
BMW in der Gerüchteküche
Dennoch ist die Vorfreude, mit der der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers gestern die Rettung der Opel-Standorte verkündete, verfrüht. Im Herbst hat man in Detroit selbst die gewinnbringende Partnerschaft mit Suzuki beendet. Es gibt keine Tabus mehr. So hat sich auch GM-Chef Rick Wagoner explizit sämtliche Optionen offen gehalten. Dazu gehören auch Werksschließungen oder ein Verkauf der Marke Opel mit dem England-Ableger Vauxhall. Allein nur fehlt bisher der Käufer. Selbst von den umtriebigen Chinesen und Indern ist bisher nichts zu hören.
Gerüchte gibt es schon seit langem um ein Interesse bei BMW. Für die Bayern würde es Sinn machen, ihr Portfolio mit günstigen Kleinwagen der etablierten Marke abzurunden. Freilich würde eine solche Fusion nicht ohne einen massiven Stellenabbau abgehen. Von den rund 25.000 Mitarbeitern würde wohl ein hoher zweistelliger Prozentsatz den Job verlieren. Allerdings fehlt BMW durch die Autokrise derzeit jegliches Geld und auch die Abenteuerlust für ein solches Unterfangen.
Europäischer Autokonzern
Wahrscheinlicher ist dagegen das von Betriebsräten favorisierte Modell der Abspaltung. Demnach würde mit Opel und Saab ein europäischer Autobauer entstehen, an dem GM mit 25 Prozent beteiligt bleibt. Über Kooperationsabkommen könnten die Amerikaner weiter auf die wichtigen Plattformen für Kleinwagen zurückgreifen. Weitere 25 Prozent könnten die beteiligten Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen übernehmen. Der Rest soll in Streubesitz übergehen, wobei bei der momentanen Lage an den Finanzmärkten offen ist, wie sich eine solche Auto-Aktie schlagen würde.
Wahrscheinlich will man bei General Motors mit der beredten Schweigsamkeit derzeit die Verhandlungsposition stärken und mehr Geld von den europäischen Regierungen abpressen. Klar ist nur, dass GM derzeit Geld benötigt. Und zwar so schnell wie möglich. Allerdings gibt keine Regierung, weder diesseits noch jenseits des Atlantiks, auch nur einen Cent für den Stellenabbau im eigenen Land. Ein Dilemma für den Detroiter Konzern. Bleibt also nur der Verkauf von Tafelsilber. Und da ist Opel eben die größte Perle im Portfolio.



