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Samstag, 22. März 2008

Teure Scherben: Winzer beklagen Glaspreis

Für Wein und Sekt müssen die Verbraucher in Zukunft wohl mehr bezahlen. Das liegt nicht unbedingt am Inhalt, sondern an der Verpackung: "Die Glaspreise ziehen ständig und unverhältnismäßig an", beklagt sich Hans-Henning Wiegmann vom Verband deutscher Sektkellereien. Beim Weinbauverband Rheingau schätzt man, dass Weinflaschen dieses Jahr bis zu zwanzig Prozent teurer sind als im Vorjahr. Sektverband und Rheingauer Winzer erwarten, dass sie dies an die Kunden weitergeben müssen.

Auf die Frage nach den Ursachen reagiert Daniela Dühr vom Bundesverband Glasindustrie vorsichtig. Die Preispolitik sei Sache der Hersteller. Man könne nur feststellen, dass die Kosten für Energie und Rohstoffe stark gestiegen seien.

Von beidem wird viel gebraucht: Damit aus Quarzsand Glas wird, muss er eingeschmolzen werden - bei fast 1500 Grad Celsius. Mit etwas weniger kommt man aus, wenn man dem Sand Altglas beimischt. Bisher haben die Hersteller damit viel Energie und Geld gespart. Nun geht die Rechnung nicht mehr so gut auf: In letzter Zeit sind auch die Scherben viel teurer geworden.

Noch vor einem Jahr haben die Hersteller das Altglas gemeinsam über die Gesellschaft für Glasrecycling und Abfallvermeidung (GGA) eingekauft. Das Bundeskartellamt hat dies im vergangenen Sommer jedoch verboten. "Die GGA konnte durch ihre zentrale Stellung die Preise in Deutschland deutlich unter dem westeuropäischen Schnitt halten", erklärt Jörg Lacher vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung. Inzwischen zahlen die Glashütten fast gleich viel wie ihre europäischen Konkurrenten.

Die Winzer versuchen derweil, sich so gut wie möglich auf die Situation einzustellen. In Oestrich-Winkel (Rheingau) hortet zum Beispiel die Winzerfamilie Nägler stapelweise Leergut. "Wir haben jedes Eck mit Flaschen voll stehen", sagt Andrea Nägler. Man hat vorgesorgt und die Flaschen für die diesjährige Abfüllung noch im alten Jahr gekauft.

Die Winzer beklagen nicht nur die hohen Preise, sondern seit mehreren Jahren auch Lieferschwierigkeiten. Daniela Dühr vom Bundesverband der Glasindustrie erwartet für dieses Jahr zwar keine nachhaltigen Lieferengpässe. Klar ist aber auch: "Die Glashütten sind voll ausgelastet und produzieren rund um die Uhr bis an ihre Kapazitätsgrenzen", bestätigt Dühr. Im letzten Jahr sei die Glasflaschenproduktion um 4,6 Prozent gestiegen.

Glas ist als Verpackungsmaterial wieder sehr gefragt. Das war laut Bundesverband vor zwei Jahren noch nicht absehbar. Deshalb haben die Unternehmen jetzt erst angefangen, ihre Anlagen auszubauen: "Eine neue Glaswanne kostet zwischen 15 und 35 Mio. Euro", gibt Dühr zu bedenken. Die Produktion könne daher der Nachfrage nur mit Verzögerung folgen.

Noch vor Jahren sah das ganz anders aus. Damals stürzte die PET- Flasche die deutsche Behälterglasindustrie in die Krise. Einige Glashütten mussten schliessen, andere verkleinerten ihre Fertigungsanlagen. Nun kommen sie der erhöhten Nachfrage kaum nach. Darin sieht Klaus Rückrich, Referent beim deutschen Weinbauverband, auch die Ursache für die hohen Preise: "Glas ist im Moment überall knapp und daher teuer".

Der Weinbauverband, der Verband deutscher Sektkellereien und weitere Betroffene seien mit der Glasindustrie im Gespräch. Rückrich hofft, dass sich die Lage bald entspannen wird.

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