13.02.2012 18:52 Uhr Frankfurt 17:52 Uhr London 12:52 Uhr New York 02:52 Uhr Tokio
Suche
Archiv

Mittwoch, 20. Oktober 2004

Die Zonen der Zeit: Wo der Tag beginnt

Die Zeit, wie wir sie heute kennen, ist noch nicht besonders alt. "Objektive Zeit" war bis ins 19. Jahrhundert unbekannt. Im 13. Jahrhundert, als in Europa die ersten mechanischen Räderuhren gebaut wurden, war die Zeit eines Ortes an eine bestimmte Uhr – in der Regel die Kirchturmuhr – gebunden. Diese Uhren waren so ungenau, dass niemand auf die Idee gekommen wäre, einen Minutenzeiger einzubauen.

Eine Reihe von Erfindungen und Entwicklungen machte die Uhren mit der Zeit immer besser: die Uhrfeder (1427), die erste Taschenuhr, das "Nürnberger Ei" (1510), die erste Pendeluhr (1657). Im 19. Jahrhundert gingen die Uhren bereits so genau, dass die meisten Taschenuhren in Deutschland mit einem Sekundenzeiger ausgestattet waren. Trotzdem hatte noch jeder Ort seine eigene Zeit.

Solange Reisen langsam und unüblich waren, spielte es keine Rolle, dass es beispielsweise eine Königsberger Zeit, eine Berliner Zeit, eine Frankfurter Zeit und eine Karlsruher Zeit gab. Problematisch wurde es erst mit dem Bau der Eisenbahn: Nach welcher Zeit sollte der Fahrplan sich richten? Am Bodensee gab es zeitweise bis zu fünf unterschiedliche Eisenbahnzeiten.

24 Zeitzonen für die Welt

Noch bevor Deutschland eine einheitliche Zeit erhielt, wurde das Problem global gelöst. 1884 wurde die Erde auf der Internationalen Meridian Konferenz in Washington in 24 Zeitzonen aufgeteilt. Die Differenz zwischen jeder Zone betrug 60 Minuten, der Greenwich-Längengrad wurde als Nullmeridian festgelegt.

Die Zeitzonen verlaufen naturgemäß nicht exakt entlang der Längengrade, sondern entlang der Staatsgrenzen. Ein paar Jahre nach der Washingtoner Konferenz wurde die Mitteleuropäische Zeit in Deutschland als Reichszeit eingeführt: "Die gesetzliche Zeit in Deutschland ist die mittlere Sonnenzeit des fünfzehnten Längengrades östlich von Greenwich", heißt es in dem Gesetz von 1893.

Für große Länder war es sinnvoll, mehrere Zeitzonen einzuführen. In Russland gibt es heute neun Zeitzonen, in den USA und Kanada fünf.

Die MEZ – eine attraktive Zeit

Nicht selten hat der Verlauf der Zeitzonen politische Gründe. China benutzt trotz der Größe des Landes nur eine Zeit: die von Peking. In Europa ist die MEZ die einflussreichste Zeit. Nach ihr ticken die Uhren von Sevilla bis Danzig – und dass, obwohl Sevilla noch westlich von Greenwich liegt.

Nicht einmal die Datumsgrenze, die entlang des 180. Längengrades verläuft, ist den Staaten heilig. Kurz vor Silvester 1999 entschied der pazifische Inselstaat Kiribati, dass das Land westlich der Datumsgrenze liegt. Die östlichste Insel Kiribatis – die flugs "Millennium Island" getauft wurde – war nun der erste Teil der Erde, auf dem das Jahr 2000 begann. Das Königreich Tonga (Werbespruch: "Where the day begins") war damit ausgebootet.

Hubertus Volmer

Externe Links zur Nachricht

Artikel versenden

Die Zonen der Zeit: Wo der Tag beginnt

Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.