Mittwoch, 10. Januar 2007
Börsenkolumne aus New York: iPhone-Kritik ohne Bremswirkung
Von Lars Halter, New York
Steve Jobs hat sich schon immer besser verkauft als alle andere, und an Selbstbewusstsein mangelt es dem Mann sicher nicht. Er kann es sich aber auch leisten, denn seit fünf Jahren seit der erste iPod das Musik-Business veränderte bringt Apple ein Erfolgprodukt nach dem anderen. Das iPhone ist nur das jüngste in einer starken Produktreihe, und die Wall Street ist Feuer und Flamme.
Obwohl die Aktie von Apple nach der Enthüllung des iPhone um sensationelle 8 Prozent zulegte und ein neues Allzeit-Hoch markierte, schafft das Papier am Mittwoch noch einmal 3 Prozent. Damit ist der Run auf die Aktie ebenso stark wie der Run auf das Wunder-Handy selbst wenn es so gut läuft, wie Steve Jobs hofft.
Denn das ist längst nicht ausgemacht. Die ersten überschwänglichen Resonanzen auf das neue Gerät hatten schließlich auch mit dem Hype zu tun, den Hightech-Freaks (und Analysten) seit Monaten veranstalten. Und mit der kurzweiligen Präsentation durch einen stets gut gelaunten CEO. Der hatte in seiner Keynote manchen Scherz auf den Lippen, verulkte das iPhone zunächst selbst als einen iPod mit Wählscheibe und spielte sogar einen Telefonstreich. Über Google Maps fand Jobs ein nahes Starbucks, wählte es umgehend an und bestellte 4.000 Milchkaffee zum Mitnehmen das Publikum tobte.
Einen Tag nach der Präsentation in San Francisco melden sich nun einige Kritiker zu Wort, die Gadget-Blogs sind voller Fragen. Wie lange hält die Batterie des iPhone durch? Wie attraktiv ist der Tast-Bildschirm, wenn er erst einmal voller Fingerabdrücke ist? Kann das Display brechen oder LED-Flecken ziehen, wie es bei anderen Handys hin und wieder passiert?
Experten fragen sich zudem, ob sich Apple im heiß umkämpften Mobilfunk-Markt durchsetzen kann. Da betritt man nämlich Neuland. Mit dem iPod stellte Apple vor fünf Jahren einen mp3-Spieler vor, als der Markt erst dünn besetzt war. Die Konkurrenz vor allem Microsoft schlief, und Apples Produkt konnte ungehindert wachsen und Kultstatus erlangen.
Auf dem Handy-Markt hat man es hingegen mit Motorola und Nokia zu tun, und auch in Bezug auf den Service-Provider ist das iPhone nicht über jeden Zweifel erhaben. Zwar ist Cingular mit 58 Millionen Kunden der größte Mobilfunk-Anbieter auf dem amerikanischen Markt. Allerdings schneidet die AT&T-Tochter in Qualitätstests US-weit immer wieder schlechter ab als etwa Verizon Wireless, Sprint Nextel oder T-Mobile.
Auch die Preisfrage steht im Raum. Satte 599 Dollar kostet das iPhone in seiner Ausführung mit acht Gigabyte, und auch die kleinere 4GB-Version schlägt mit 499 Dollar zu Buche. Bis in einem Jahr strebt Apple einen Marktanteil von 1 Prozent an, was durchaus realistisch ist schließlich gibt es genug liquide Tech-Fans. Als Massenprodukt dürfte es das Gadget aber schwer haben.

