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Nach außen gibt sich die Black Series freundlich. Unter seiner Haube ist aber eine schwarze Seele versteckt.
Nach außen gibt sich die Black Series freundlich. Unter seiner Haube ist aber eine schwarze Seele versteckt.

AMG schickt Black Series in die Kehre: Die schwarze Seele des SLS

631 PS kitzelt AMG aus dem 6,2-Liter großen V8 heraus.
631 PS kitzelt AMG aus dem 6,2-Liter großen V8 heraus.

Er läuft besser, als sie sich selbst haben träumen lassen: Gute drei Jahre ist der Mercedes SLS nun schon im Handel, liegt beim Absatz auf Nummer 2 hinter Ferrari und kratzt so langsam an der 10.000er Marke. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Damit die Faszination für den Flügeltürer nicht abreißt und ihm die Konkurrenz nicht davon fährt, schieben die schnellen Schwaben ab Juni eine "Black Series" nach: Die kostet mit ihren 249.900 Euro zwar rund 30 Prozent mehr als das Basismodell, hat dafür aber mehr Leistung und weniger Gewicht und wird so zum schärfsten Auto, das AMG je auf die Straße gebracht hat.

Brüllende Superlative

Verantwortlich dafür sind aber nicht allein die 60 Mehr-PS, die  Entwicklungschef Tobias Moers aus dem 6,2 Liter großen Sauger gezaubert hat, und auch nicht nur die 70 Kilo Fastenerfolg, die auf das Konto der Abgasanlage aus Titan, der Bremsen aus Karbon, des Torque Tubes aus Kohlefaser und der Leichtbau-Teile in der Karosse gehen. Das liegt vor allem an der rabenschwarzen Seele des nur noch 1550 Kilo schweren Rennwagens. 

Rabenschwarz wie die Seele des SLS AMG ist auch das Interieur.
Rabenschwarz wie die Seele des SLS AMG ist auch das Interieur.

Wo im normalen SLS noch immer ein Hauch von Gran Turismo mitschwingt, der den schnellen Antritt mit dem großen Auftritt kombiniert, schert sich dieser Mercedes nicht um gute Manieren: Der Motor brüllt lauter und dreht höher als je zuvor, die im normalen SLS bisweilen etwas träge Doppelkupplung prügelt ihre sieben Gänge nun mit der Präzision und dem Tempo von Klitschkos Fäusten ins Getriebe, und die Lenkung arbeitet mit der Präzision eines Herzchirurgen.

So schießt der Flügeltürer bei der ersten Begegnung aus der Boxengasse als gäbe es kein Morgen mehr. 631 statt 571 PS und bis zu 635 Newtonmeter katapultieren den Wagen nun in 3,6 Sekunden auf Tempo 100 und das aufwändige Flügelwerk presst ihn so kräftig auf den Asphalt, dass er selbst in den engsten Schikanen nicht vom Pfad der Tugend abweicht. Anbremsen, einlenken, gasgeben, vom fünften in den zweiten und wieder hoch in den vierten Gang, der Drehzahlmesser mal bei 4000 und dann wieder bei 8000 Touren – das alles wird eins in diesem Auto und ehe man es sich versieht, ist man wieder auf der Start-Ziel-Geraden. Den Blick geradeaus, die Hände fest am Lenkrad und das Pedal tief ans Bodenblech gepresst, lernt man, wie sich ein Pilot beim Start im Kampfjet fühlen muss.

Inspiriert von der Rennserie

Ab 249.900 Euro ist der AMG Black Series zu haben.
Ab 249.900 Euro ist der AMG Black Series zu haben.

Dass AMG den Black Series ausgerechnet auf einer Rennstrecke vorstellt, hat einen guten Grund: "Dieses Auto ist inspiriert von unserem GT3-Modell, das mittlerweile von 60 Kundenteams eingesetzt wird", sagt Källenius. "Näher als mit dem Black Series kann man dem Rennsport nicht kommen, wenn man den Segen der Zulassungsbehörden nicht verspielen will."

Der Black Series ist nicht nur der heißeste SLS mit Straßenzulassung, sondern auch eines der schärfsten Autos in der AMG-Geschichte. Doch weiß auch Källenius, dass er selbst mit dem rabenschwarzen Rennwagen nicht in der obersten Liga der Supersportler mitspielen kann. Denn gegen Autos wie den Lamborghini Aventador, den Nachfolger des Ferrari Enzo oder den neuen McLaren P1 macht auch der potenteste SLS keinen Stich. Doch erstens sind diese Tiefflieger alle zwei Nummern teurer als der Flügeltürer, und zweitens ging es dem AMG-Chef nicht um die üblichen Eckwerte aus dem Autoquartett.

"Wir wollten kein Auto bauen, mit dem man Beschleunigungsrekorde aufstellen kann", erklärt er, "uns ging es um maximale Rundenzeiten". Dafür nehmen die Schwaben selbst Abzüge beim Spitzentempo hin. So erzeugen Flügel und Diffusor so viel Downforce, dass der Black Series bei Vollgas auf der Geraden mit seinen 315 km/h sogar einen Tick langsamer ist als das normale Modell. Doch dafür ist er in Kurven kaum zu toppen.

SLS AMG ist kein Hypercar

Aber bei aller Finesse der Black Series weiß Källenius selbst, dass nach oben noch viel Luft ist. Nur mag er nicht so recht daran glauben, dass man mit Hypercars wie sie aus Maranello, Woking oder Molsheim kommen tatsächlich Geld verdienen kann. Trotzdem hat er für die reichen Raser eine passende Lösung: Er schickt sie zu Pagani nach San Cesario sul Panaro. Denn dort entsteht rund um einen V12-Motor aus Affalterbach genauso ein Supersportwagen, wie ihn sich Scheichs und Oligarchen wünschen: Sehr selten, extrem schnell und exorbitant teuer. Der hat zwar keinen Mercedes-Stern auf der Haube, doch bekennt sich Källenius trotzdem zu diesem Kooperationsprojekt: "Unser Enzo heißt Huayra."

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Quelle: n-tv.de

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