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Die historische Boxengasse der Targa Florio zeigt heute deutliche Spuren des Verfalls.
Die historische Boxengasse der Targa Florio zeigt heute deutliche Spuren des Verfalls.(Foto: Axel F. Busse)

Giulietta-Sondermodell zum Jubiläum: Alfa fordert das Glück heraus

Von Axel F. Busse

So legt man einen klassischen Frühstart hin: Zwar jährt sich der erste Alfa-Sieg bei der Targa Florio erst nächstes Jahr zum 90. Mal, aber das Giulietta-Sondermodell zu diesem Anlass ist jetzt schon zu haben.

Die Giulietta Quadrifoglio Verde wird von einem 1,8-Liter-Turbobenziner mit 235 PS befeuert.
Die Giulietta Quadrifoglio Verde wird von einem 1,8-Liter-Turbobenziner mit 235 PS befeuert.

Eigentlich hatte Vincenzo Florio vor allem eine Werbeaktion für sein Geschäft im Sinn. Die gerade populär werdenden Automobile schienen geeignet, seine sizilianische Heimat und die von ihm vertriebenen süffigen Tropfen bekanntzumachen. So begann er, ein Autorennen quer über die bergige Insel zu organisieren. Dass es einmal das bekannteste Langstreckenrennen Europas werden sollte, konnte er nicht ahnen.

Nachdem das erste Rennen 1906 von der einheimischen, später an Fiat verkauften Marke Italia gewonnen wurde, dauerte es noch 17 Jahre, bis ein Alfa Romeo als Erster die Ziellinie überfuhr. Der Sieg von Ugo Sivocci ist verbunden mit einer Anekdote, die heute Anlass für das Sondermodell ist. Die Giulietta Quadrifoglio Verde erinnert an die Alfa-Tradition, Rennwagen mit einem grünen Kleeblatt zu verzieren.

Die vorschriftsmäßigen Warnwesten sind der einzige Farbtupfer im schwarz dominierten Cockpit.
Die vorschriftsmäßigen Warnwesten sind der einzige Farbtupfer im schwarz dominierten Cockpit.(Foto: Axel F. Busse)

Der furchtlose Rennfahrer Sivocci war der Überlieferung nach extrem abergläubisch, so dass die ihm bei der Tara Florio 1923 zugeloste Startnummer 13 für ihn einer Katastrophe gleichkam. Um das vermeintlich böse Omen zu neutralisieren, ließ er auf die Motorhaube seines Rennwagens ein überdimensionales grünes Kleeblatt auf weißem Grund malen – und gewann. Seit dem tragen alle Alfa-Rennwagen dieses Zeichen als Teil ihrer Wettkampfbemalung. Sivoccis Glück hielt jedoch nicht lange an: Noch 1923 verunglückte er bei Testfahrten in Monza tödlich. Sein Wunsch, den P1-Prototypen ebenfalls mit dem Quadrifoglio Verde zu versehen, war nicht rechtzeitig in die Tat umgesetzt worden.

Nach dem Kleinwagen Mito ist die Giulietta das zweite Serienmodell des aktuellen Alfa-Angebots, das in Kleeblatt-Sonderausführung erhältlich ist. Sein 1,8-Liter-Turbomotor leistet 235 PS, der Vortrieb wird im Bedarfsfall von einer Brembo-Sportbremsanlage im Zaum gehalten. Das Fahrwerk ist 15 Millimeter tiefer gelegt, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen gehören ebenso zur Ausstattung, wie eine Differenzialsperre an der Vorderachse sowie die dreistufige Fahrdynamik-Regelung DNA. Klimaautomatik, CD-Radio, LED-Rückleuchten und Berganfahrhilfe vervollständigen das Komfortpaket.

Bonus für Schnellentschlossene

Die karge Bergwelt Siziliens wollte Vincenzo Florio mit einem Autorennen beleben.
Die karge Bergwelt Siziliens wollte Vincenzo Florio mit einem Autorennen beleben.(Foto: Axel F. Busse)

Wer heute mit der Giulietta den 72 Kilometer langen Kurs im Norden Siziliens abfährt, braucht viel Fantasie, um sich auf der ebenso holperigen wie verwinkelten und unübersichtlichen Piste ein Autorennen vorzustellen. Gefährliche Kuppen und uneinsehbare Senken, eine 180-Grad-Kehre mitten im Ort Collesano, dazu Schlaglöcher im Kraterformat und abgerutschte Fahrbahnteile setzen dem Fahrer selbst dann zu, wenn er mit kaum der Hälfte des im Wettbewerb üblichen Durchschnittstempos unterwegs ist.

Die höchste je in einem Rennen erzielte Durchschnittsgeschwindigkeit wurde ebenfalls mit einem Alfa Romeo erzielt. 33 Minuten und 41 Sekunden brauchte Helmut Marko 1972, was einem Schnitt von 128 km/h entsprach. Momente des Verschnaufens gibt es zwischen den rund 900 Kurven kaum, dafür kann man heute dank der 340 Newtonmeter Drehmoment der Giulietta fast die ganze Strecke im dritten Gang fahren. Der offizielle Durchschnittsverbrauch von 7,6 Liter je 100 Kilometer rückt dann natürlich in weite Ferne. Auf dieser Testfahrt waren es bei der Rückkehr zur historischen Zieldurchfahrt 11,6 Liter.

Mit der feinfühligen elektromechanischen Lenkung ist die Giulietta zuverlässig durch die Kurven zu zirkeln, jedoch werden beim kräftigen Gasgeben Antriebseinflüsse in der Lenkung spürbar. Das allzu flinke Ansteuern der Kurven wird man spätestens dann unterlassen, wenn man gemerkt hat, dass die Sportsitze nicht den Seitenhalt bieten, wie es bei einem derart ausgelegten Fahrzeug der Fall sein sollte. Der Motor ist drehfreudig und spricht spontan an, die Bremsen verzögern knackig und die Wirkung lässt sich durch das Pedal ist gut dosieren.

Um die Nachfrage zu befeuern, hat Alfa ein zeitlich begrenztes Angebot für das Sondermodell angekündigt. Mit einem Preis von weniger als 25.000 Euro ist das in der Golfklasse angesiedelte Auto sehr spitz gerechnet. Der 210 PS starke GTI kostet zum Beispiel mindestens 27.700 Euro – ohne glücksbringendes Kleeblatt.

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Quelle: n-tv.de

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