Auto
Nur wenige Monate nach seiner Markteinführung rollt der Golf jetzt als Allradversion 4Motion auf die Straßen.
Nur wenige Monate nach seiner Markteinführung rollt der Golf jetzt als Allradversion 4Motion auf die Straßen.(Foto: Axel F. Busse)

Aus "syncro" wird 4Motion: Golf geht jetzt auf allen vieren

Von Axel F. Busse

Unbeeindruckt von dem Zoff um die angeblichen oder tatsächlichen Bestellzahlen des neuen Golfs bringt Volkswagen die nächste Variante seines Millionen-Sellers heraus: Die Allradversion "4Motion" wird erstmals mit zwei verschiedenen Motoren angeboten.

Mit dem Allradantrieb mutiert der Golf aber auch zu einem leistungsstarken Zugfahrzeug.
Mit dem Allradantrieb mutiert der Golf aber auch zu einem leistungsstarken Zugfahrzeug.(Foto: Axel F. Busse)

Wie macht man einen VW-Golf zum Hecktriebler? Ganz einfach: Das neue Modell 4Motion mit den Vorderrädern auf eine Eisbank setzen und kräftig Gas geben. Für dauerhaften Betrieb ist dieser Trick allerdings nicht geeignet, denn sobald die Vorderachse wieder Grip hat, übernimmt sie den Antrieb.

Volkswagens Bestseller ist und bleibt ein frontgetriebenes Autos, an diesem Prinzip ändert auch die neueste Variante, der Golf 4Motion, nichts. Aber der Hersteller vertraut darauf, dass in der neuesten Generation mehr Kunden als bisher zu der Allradvariante greifen. Um den Anreiz zu erhöhen, werden jetzt zwei Motorisierungen angeboten. Beides sind Dieselmotoren, da aus Herstellersicht ein Allradgolf zuerst einmal ein europäisches Thema ist und andere wichtige Märkte, wie USA oder China weder auf Fließheck noch auf Selbstzünder stehen.

Zu Hause bei Volkswagen: Das aufgeräumte Cockpit wird nicht durch einen zusätzlichen Allradschalter gestört.
Zu Hause bei Volkswagen: Das aufgeräumte Cockpit wird nicht durch einen zusätzlichen Allradschalter gestört.(Foto: Axel F. Busse)

Würde der Golf nicht inzwischen nach dem sogenannten modularen Querbaukasten (MQB) gefertigt, hätte man womöglich ganz auf eine Allradvariante verzichtet. Die Nachfrage liegt nach offiziellen Angaben bei "unter zehn Prozent" des Volumens, was aus deutscher Perspektive arg geschönt klingt. Im vergangenen Jahr betrug der Anteil der einheimischen Neuzulassungen genau 1,51 Prozent, wobei berücksichtigt werden muss, dass in der Gesamtzahl von 240.702 auch das Modell Jetta mit enthalten ist. In den Ländern des Alpenraumes und in Skandinavien liegen die 4x4-Anteile traditionell höher, so dass man insgesamt von etwa fünf Prozent ausgehen kann.

"Nur so viel Allrad wie nötig"

Auch wenn seit dem ersten Allrad-Golf (der trug noch den Beinamen "syncro") 27 Jahre vergangen sind, hat sich an den grundsätzlichen Antriebsprinzipien nicht viel geändert: Sensoren messen permanent die Traktion an den Vorderrädern und leiten die Daten an ein elektronisches Steuersystem. Wird Schlupf an einem der Vorderräder oder beiden festgestellt, leitet die Elektronik das Antriebsmoment dosiert an die Hinterachse. Eine zentrale Rolle kommt dabei einer Ölpumpe und einer Lamellenkupplung zu, über die der Kraftfluss geregelt wird. Im Extremfall kann die Motorkraft sogar komplett nach hinten verlagert werden. Als Faustregel gilt: "Nur so viel Allrad wie nötig".

Lediglich der dezente Schriftzug "4Motion" weist auf die Allradqualitäten hin.
Lediglich der dezente Schriftzug "4Motion" weist auf die Allradqualitäten hin.

Allerdings wird der Golf dadurch nicht zum Geländewagen. Nicht nur, dass ihm dazu die größere Bodenfreiheit fehlt (die der Golf Country einst hatte), sondern es lässt sich auch keine feste Kraftverteilung (zum Beispiel 50:50) einstellen, so dass zu jeder Zeit alle Räder angetrieben würden. Vorteile in Traktion und Fahrdynamik, auch beim Anhängerbetrieb, sind allerdings unstrittig. Den Golf 4Motion gibt jetzt mit 1,6- und Zweilitermotor.

Antriebskomponenten für zwei zusätzliche Räder bringen natürlich zusätzliches Gewicht ins Auto, weshalb VW darauf hinweist, dass das weiterentwickelte 4Motion-System 1,4 Kilogramm leichter ist als das des Vorgängers. Diese Minderung wurde mit dem Verzicht auf einen Druckspeicher erreicht. Insgesamt schleppt der Allradgolf rund 50 Kilogramm Mehrgewicht gegenüber dem vergleichbaren Zweiradmodell mit sich herum. Dank weiterentwickelter Motortechnik verspricht Volkswagen den Käufern aber einen deutlich geringeren Verbrauch als bei 4Motion der vorangegangenen Golf-Generation.

Fünf Liter sollten möglich sein

Im Mittel sollen es 15 Prozent sein, was bei der Ausgabe mit 150 PS (Vorgänger 140 PS) konkret 4,7 Liter je 100 Kilometer bedeutet, beim 105-PS-Golf 4,5 Liter. Das sind die unter Laborbedingungen gemessenen Prüfstandwerte. Nach der ersten Testfahrt kam der Zweiliter-Golf mit einer Verbrauchsanzeige von 7,2 Litern heim, was vor allem einer forschen Autobahnfahrt von ca. 200 Kilometern Strecke geschuldet sein dürfte.

Außer einem Start-Stopp-System (das naturgemäß vor allem im City-Bereich seinen Nutzen entfaltet) und elektronischen Differenzialsperren an beiden Achsen gehören auch die Vorder- und Hinterachs-Quersperren XDS und eine sogenannte Multi-Kollisionsbremse zur Grundausstattung. Mit der erhöhten Anhängelast von bis zu 1900 Kilogramm (bei 12 Prozent Steigung) sind auch winterliche Bergregionen souverän zu erklimmen. Auf die Vorzüge eines DSG-Doppelkupplungsgetriebes müssen die Käufer des Golf 4Motion jedoch verzichten. Es gibt ihn ausschließlich mit manuellem Sechsganggetriebe.

Als Fünftürer mit 1,6 Liter Hubraum und 105 PS kostet der neue Allradgolf mindestens 22.525 Euro. Der in eine höhere Ausstattungslinie einsortierte Zweiliter-Golf mit 4Motion-Antrieb kostet 27.075 Euro. Das bedeutet einen Aufschlag von 1800 Euro gegenüber dem Listenpreis der konventionell angetriebenen "Gölfe". Offenkundig ist Allradtechnik billiger geworden: Die Kunden des Golf syncro mussten noch 5700 Mark mehr berappen.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen