Auto
Seit vier Jahrzehnten gibt es Modelle der Marke Range Rover. Seitdem hat sich das Design einmal geändert, die Technik wurde häufiger verfeinert.
Seit vier Jahrzehnten gibt es Modelle der Marke Range Rover. Seitdem hat sich das Design einmal geändert, die Technik wurde häufiger verfeinert.

Schlankheitskur vor den Feiertagen: Alu-Diät für den Range Rover

Von Axel F. Busse

"Abspecken" ist gerade nach den Weihnachtsfeiertagen eine oft gehörte Vokabel. Deutlich vor der beliebten Saison für gute Vorsätze hat Range Rover, ein allseits bekanntes Schwergewicht, die Absicht in die Tat umgesetzt. Das neue Modell verlor enorme 420 Kilo.

Der Range Rover sieht aus wie ein Range Rover aussehen muss, wirkt aber in der Neuauflage moderner.
Der Range Rover sieht aus wie ein Range Rover aussehen muss, wirkt aber in der Neuauflage moderner.

Größtes Hindernis für die freundliche Besprechung von neuen Luxus-SUV war stets die schiere Masse der klobigen Geländegänger. Zweieinhalb Tonnen Leergewicht sind die Regel, beim Range-Rover-Spitzenmodell waren ist bisher sogar 2710 Kilogramm. Da kann man bequem zwei Kompaktautos draus machen, auch wenn das Fahrgefühl mit dem Fünfliter-V8 zu Recht als sänftengleich gerühmt wurde.

Ein radikaler Schnitt in den Speck hat jetzt die Wende zu mehr Leichtigkeit gebracht. Das wirksame Diätprogramm heißt "Aluminium", denn daraus besteht jetzt die Karosserie der neuen Modellgeneration. Je nach Motor- und Ausstattungsvariante beträgt der Gewichtsunterschied zum Vorgänger nun bis zu 420 Kilogramm – im Autobau sind das Welten. Zugegeben, 2200 Kilogramm zum Beispiel für den bärenstarken V8-Benziner sind immer noch kein Zeichen von Magersucht, aber für ein fünf Meter langes, fast zwei Meter breites und mehr als 1,80 Meter hohes Fahrzeug mit opulenter Ausstattung doch ein überaus respektables Schlankheitsziel.

Zwischen 258 und 510 PS

Wenn im Januar 2013 die vierte Generation des Range Rovers in Deutschland an den Start geht, werden mindestens 89.100 Euro dafür aufgerufen. Das ist alles andere als preiswert, aber der Hersteller kann auch gute Argumente für seine Behauptung auffahren, das "weltbeste Luxus-SUV" anzubieten. Obwohl eine ganze Menge Masse weggelassen wurde, gibt es weiterhin uneingeschränkte Offroad-Fähigkeiten, modernste Motoren, mehr Leistung und mehr Komfort.

Der Range Rover gilt als Vorreiter aller heutigen SUV.
Der Range Rover gilt als Vorreiter aller heutigen SUV.

Trotz des nahen Modellwechsels griffen dieses Jahr in Deutschland noch mehr Kunden zu als 2011. Schon jetzt ist die Zahl der Neuzulassungen aus dem vergangenen Jahr überschritten. Mit einem Angebot aus zwei Diesel- und einem Benzin-Aggregat startet der Range ins nächste Jahr. Als Basismotorisierung fungiert der bekannte Dreiliter-Diesel, der aus sechs Zylindern 258 PS schöpft und sie mit einem maximalen Drehmoment von 600 Newtonmetern auf das Geläuf bringt. Der 4,4 Liter große Selbstzünder erhielt einen Aufschlag von 26 PS (jetzt 339 PS) und verfügt gar über 700 Newtonmeter Durchzugskraft. Da können selbst die fünf Liter großen V8-Benziner nicht mithalten, die wahlweise mit 375 PS oder 510 PS zu haben sind. Sie stemmen 510 oder 625 Newtonmeter an die Antriebsräder.

Das verhilft natürlich zu sportlichen Fahrleistungen. Diese Schwerathleten rennen in mindestens 7,9 Sekunden auf 100 km/h, der kompressorbeatmete V8-Benziner schafft den Sprint sogar in 5,4 Sekunden. Da hat mancher dynamisch aussehende Zweisitzer Schwierigkeiten, hinterher zu kommen. Als Höchstgeschwindigkeit für den kleinen Diesel sind 208 km/h im Gespräch, die Topversion läuft, wenn der Kunde es will und bezahlen kann, fast 250 km/h.

Auch wenn das Fahrzeug häufiger vor einem Boots- oder Pferdeanhänger angetroffen wird, als auf schroffen Geröllpisten oder schlammigen Waldpassagen, setzen seine Offroad-Qualitäten  nach wie vor Maßstäbe. Wie gewohnt kann der Fahrer zwischen verschiedenen Programmen wählen, mit denen Kraftverteilung und Fahrwerkszustand an Schnee, Sand, Schotter oder anderen Untergrund angepasst werden. Oder aber, er überlässt die Wahl einer Automatik, die in das sogenannte Terrain-Response-System integriert wurde.

Variable Bodenfreiheit

Der Innenraum bietet all das, was von einem noblen Briten dieser Preisklasse erwartet.
Der Innenraum bietet all das, was von einem noblen Briten dieser Preisklasse erwartet.

Keine Kompromisse bei der Geländetauglichkeit lautet der eherne Grundsatz für die Range-Rover-Konstrukteure, die für ihr Fahrwerk Doppelquerlenker vorn und hinten eine Mehrlenkerachse vorsahen.  Die serienmäßige Luftfederung mit adaptiven Dämpfern ist nicht nur für den Niveauausgleich nützlich, sondern auch für trockene Füße, wenn seine Lordschaft die Jagd-Kumpels mal auf der anderen Seite des Baches abholen muss. Bis zu 90 Zentimeter tiefes Wasser durchmisst der Range, stabilen Untergrund vorausgesetzt, ohne dass man Sorge um die Luftzufuhr für den Motor haben müsste. Ebenso braucht man keine Angst um den Unterboden zu haben, denn wenn's mal richtig ruppig wird, erhöht die Luftfederung die ohnehin schon üppig bemessene Bodenfreiheit um bis zu 125 Millimeter.

Dass der neue Range nur schwer vom Vorgängermodell zu unterscheiden ist, darf als Absicht angesehen werden. Schließlich ist der Wagen für jeden, der ihn fährt, ein klares Statement – sowohl was die Komfort-Ansprüche als auch was die Einkommenssituation angeht. Lediglich die Frontscheibe steht ein bisschen flacher, der Aufbau wirkt nicht mehr ganz so wuchtig. Auf die großzügigen Platzverhältnisse hat das keinen Einfluss. Mehr als 2,90 Meter Radstand erlauben es den Fondpassagieren, sich wie in einer Chauffeurs-Limousine zu fühlen – es geht ja auch genauso geräuscharm zu. Ihre Sitzlehnen sind jetzt in der Neigung verstellbar. Dahinter gibt es Platz für 550 Liter Kofferraum oder, wenn die Gattin mit Überseekoffer anrückt, auch für 2030 Liter maximal.

Über schweres Ledermobiliar, ein reichhaltiges Sortiment an Sicherheits- und Assistenzsystemen sowie Klavierlack und Karbon-Dekoration sei hier nur am Rand berichtet. Autotester schwärmen nach ersten Ausfahrten ebenso von der Leichtfüßigkeit der Wuchtbrumme wie von der gelungenen Abstellung der Nick- und Wankbewegungen, die Insassen früherer Generationen zuweilen noch hinnehmen mussten. Die Freundschaft mit dem Tankwart, so verspricht der Hersteller, soll zudem auf eine harte Probe gestellt werden. Bis zu 22 Prozent Verbrauchsreduktion wurden auf den Prüfstand ermittelt, für den TDV8 bedeutet das konkret 8,7 Liter je 100 Kilometer. Für die Praxis heißt das: Zehn Liter im Range Rover sind kein Traum mehr. Da tun die 107.100 Euro, die er kostet, vielleicht nicht mehr so weh.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen