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Wieder etwas reifer präsentiert Honda die Studie des Ferrari-Killers NS-X.
Wieder etwas reifer präsentiert Honda die Studie des Ferrari-Killers NS-X.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Modellfeuerwerk nicht nur für die USA: Asiens Autobauer sind erwacht

Die Krise hatte die asiatische Autoindustrie in den USA nicht zum Schweigen gebracht, aber zur Zurückhaltung gemahnt. Jetzt, wo der US-Markt wieder im Aufwind ist, geben sich auch die Japaner recht munter und sind mit einem Modellfeuerwerk in Detroit angetreten, das nicht nur dem nordamerikanischen Markt vorbehalten bleiben soll.

Detroit spricht deutsch – so lauteten in den letzten Jahren oft die Schlagzeilen von der Motorshow in Motown. Denn nicht nur um die früher mal so stolzen Big Three aus den USA ist es in der Krise still geworden. Auch die Japaner verfielen förmlich in ein Wachkoma und ließen sich in den letzten Jahren immer wieder die Show stehlen. Dabei haben Marken wie Toyota oder Honda in den USA auch heute noch jede für sich mehr Kunden als alle deutschen Hersteller zusammen.

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Daran haben sich die Asiaten jetzt offenbar erinnert. Genau wie die US-Amerikaner haben sie jetzt ihre Schockstarre abgeschüttelt und melden sich zur diesjährigen Motorshow mit einem Modellfeuerwerk zurück: Toyota, Honda, Nissan und ihre noblen Ableger Lexus, Acura und Infiniti – wo man auf der Messe auch hinkommt, sieht man neue Serienmodelle und Studien. Nur die kleineren Marken Mazda oder Subaru haben keine Premieren in petto. Mitsubishi ist in diesem Jahr gar nicht da, und nachdem Suzuki seinen Rückzug vom US-Markt angekündigt hat, ist deren Standfläche ebenfalls frei geworden.

"Urban SUV Concept" von Honda

"Urban SUV Concept" nennt Honda seine Studie, die auch nach Deutschland kommen wird.
"Urban SUV Concept" nennt Honda seine Studie, die auch nach Deutschland kommen wird.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Recht munter präsentiert sich hingegen Honda. Die Japaner locken ihre wichtigsten Kunden nicht nur mit einer sanft überarbeiteten Version des US-amerikanischen Accord, sondern vor allem mit der Aussicht auf einen kleinen Geländewagen, der in Mexiko für die ganze Welt gebaut werden soll: "Urban SUV Concept" heißt der handliche Viertürer, mit dem Honda lieber heute als morgen auch in Europa gegen Opel Mokka & Co antreten will. Lange müssen die Kunden aber wohl nicht auf die Serienfassung warten: Weil der Geländewagen die Plattform sowie die Motoren und den Hybridantrieb des Jazz nutzt, sollte er in etwa zwei Jahren auf dem Markt sein.

Damit ist es aber noch nicht genug. Ganz nebenbei zeigt die vornehme Schwester Acura auch noch den fast serienreifen Nachfolger des wichtigen US-Geländewagens MD-X und beweist mit einer wieder ein Stück reiferen NS-X-Studie, dass Honda es ernst meint mit der Rückkehr auf die Überholspur. Unter dem schnittigen Blech soll es gewaltig krachen. Als Antrieb ist ein V6-Mittelmotor geplant, der die Kraft auf die Hinterräder überträgt, vorne kommen zwei Elektromotoren zum Einsatz. Spätestens 2015, so hört man in Detroit, sei der Ferrari-Killer aus Fernost samt seines innovativen Hybridantriebs mit drei Elektromotoren startklar. Entwickelt wird der neue Supersportwagen in Los Angeles, gebaut später in Raymond im Bundesstaat Ohio.

Ähnlich üppig ist das Programm bei den Schwestermarken Nissan und Infiniti: Fürs bürgerliche Lager zeigt Nissan den Versa Note mit hohem Dach und steilem Heck, der hierzulande auch gut als Golf-Gegner passen würde. Mit der Studie Resonance wird dann schon mal Lust auf den nächsten Murano gemacht. Außerdem steht auf der Messe ein etwas überarbeiteter Leaf, der jetzt in den USA produziert und deshalb rund 20 Prozent billiger wird. "Das macht ihn zum preisgünstigsten Elektroauto auf dem Markt", schwärmen die Marketing-Manager.

Q50 mit Steer-by-Wire-Lenkung

Der Q50 könnte in den USA mit einer Steer-by-Wire-Lenkung auf den Markt kommen.
Der Q50 könnte in den USA mit einer Steer-by-Wire-Lenkung auf den Markt kommen.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Wer sich zu den Besserverdienern zählt, den lotsen die Japaner zum neuen Infiniti Q50, der im Herbst die Nachfolge der G-Serie antritt. Den V6-Benziner kennt man vom Vorgänger und den Hybrid aus der M-Reihe. Aber das Design ist völlig neu, Teile des Fahrwerks auch.  Denn zum ersten Mal baut Infiniti eine sogenannte Steer-by-Wire-Lenkung ein, die keine mechanische Verbindung mehr zwischen Lenkrad und Rädern braucht. Das spart nicht nur Gewicht, sondern öffnet auch die Tür für neue Assistenz- und Fahrdynamik-Systeme, so die Japaner. In Deutschland ist der Weg für eine derartige Innovation allerdings bis dato versperrt. Hier ist mit einer Zulassung der Steer-by-Wire-Lenkung erst zu rechnen, wenn die Hersteller nachgewiesen haben, dass sie mindestens so ausfallsicher ist wie eine konventionelle Lenkung.

Optisch kann der Q50 zumindest auf der Messe allemal gegen einen Dreier BMW oder eine Mercedes C-Klasse bestehen. Doch hat der handliche Luxusliner aus Japan die Bühne nicht für sich alleine. Nur ein paar Meter weiter buhlt Lexus mit der Neuauflage des IS um die gleichen Kunden. Auch hier versprechen die Manager mehr Elan und Emotion, weil das Auto schnittiger gezeichnet und sportlicher abgestimmt ist. Und auch hier gibt es neben dem mehr oder minder bekannten V6-Benziner zum ersten Mal in der Baureihe einen Hybrid-Antrieb, mit dem der Verbrauch auf gute vier Liter sinken soll. Das ist so wenig, dass Lexus die bislang in Europa angebotenen Diesel kurzerhand aus dem Programm schmeißt.

Das Flaggschiff von Kia heißt in den USA Cadenca.
Das Flaggschiff von Kia heißt in den USA Cadenca.(Foto: AP)

Wo Lexus auf Klasse setzt, zielt Mutter Toyota auf die Masse und macht sich in Detroit zum ersten Mal öffentlich Gedanken, wie vielleicht der nächste Corolla aussehen wird. Selbst wenn die Studie Furia kaum ernsthafte Serienchancen hat, so ist die Botschaft klar: Nur weil der Corolla ein preiswertes Stufenheck für ein breites Publikum ist, muss er nicht gleich wieder ein Langweiler werden.

Während die Japaner erst jetzt wieder so langsam Gas geben, haben die Koreaner den Fuß nie auf die Bremse gestellt. Strebsam und schnell haben sie so in den USA einen Marktanteil von zusammen 8,8 Prozent erreicht und liegen damit ebenfalls über der deutschen Import-Flotte. Entsprechend selbstbewusst treten Kia und Hyundai in Detroit auf und untermauern mit stattlichen Limousinen ihre Aufstiegsabsichten. Bei den einen dreht sich die Studie Hyundai HCD-14 im Rampenlicht, aus der wohl bald der nächste Genesis wird. Und die anderen gönnen sich mit dem serienreifen Kia Cadenza schon jetzt ein neues Flaggschiff für den US-Markt, das es sich zum Ziel gesetzt hat, den 5er BMW aus dem Rennen zu kegeln.

"Hochtöner und Posaunen" aus China

Optisch reizvoll, aber in Detroit nur belächelt präsentiert GAC seine Autos.
Optisch reizvoll, aber in Detroit nur belächelt präsentiert GAC seine Autos.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Doch nicht alle Asiaten finden in Detroit Beachtung. Die Chinesen nimmt in den USA noch immer keiner ernst. Zwar hat GAC als einziger Aussteller aus dem Reich der Mitte gleich drei Elektro- oder Hybridautos ins Foyer der Cobo-Hall gestellt, von denen eines sogar eine wirklich schnittige Mittelklasse-Studie ist. Doch statt Bewunderung und Neugier ernten Maos Erben kaum mehr als ein höfliches Lächeln. Aber wie sonst sollte man einer Firma begegnen, die in ihre Autos "Tweeter and Sackbut" ("Hochtöner und Posaune") einbaut – und selbst auf Nachfrage nicht erklären kann, was das jetzt eigentlich sein soll.

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Quelle: n-tv.de

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