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US-Marken punkten in Detroit: Corvette fährt alle an die Wand

Axel F. Busse

Ende vergangenen Jahres hielt sich die US-Autoindustrie auf der Show in Los Angeles bedeckt. In Detroit erwartete man jetzt ein Feuerwerk an Neuheiten. Ganz so kam es nicht, aber mit der Corvette Stingray und dem Preis "North American Car of the Year" bleibt die nationale Hoheit gewahrt.

(Foto: Axel F. Busse)

Aus amerikanischer Sicht ist die Auto-Welt wieder in Ordnung: Die neue Corvette ist da und eine renommierte Auszeichnung auch noch. Wer die North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit nicht durch die patriotisch gefärbte Brille guckt, findet allerdings wenig Anlass zu Enthusiasmus.

Staatsdefizit, Haushaltsklippe, Waffenkontrolle – für die US-amerikanische Seele gibt es zurzeit reichlich Anlass, sich Sorgen zu machen. Die Autoshow in Detroit scheint da ein geeigneter Anlass, diese Themen eine Weile auszublenden und sich mit dem zu beschäftigen, was zum Kern des "American way of Life" gehört: Individuelle Mobilität in Gestalt von lack- und chromblitzenden Karossen.

Corvette toppt alles
Der Cadillac ATS ist "Car of the Year"
Der Cadillac ATS ist "Car of the Year"

Nach dem am Vortag eine Neuauflage der Sportwagenikone Corvette enthüllt worden war, gab es am Montag erneut Grund zum Jubeln: Der Cadillac ATS hatte die begehrte Trophäe "North American Car of the Year" errungen, ein Preis, der von Motorjournalisten aus den USA und Canada vergeben wird. Die Mittelklasselimousine der General-Motors-Luxusmarke verwies unter anderem die 3er-Reihe von BMW auf die Plätze, was nicht weiter verwundert, da auch US-Journalisten mitunter nicht frei von patriotischen Gefühlen sind.

In vielen US-Medien des Montags konnte man die Wogen der Begeisterung unverhohlen gegen das Publikum branden sehen. Die Tageszeitung Detroit Free Press räumte drei Viertel ihrer Titelseite frei, um dem in rot vorgefahrenen Zweisitzer genügend Auslauf zu geben. "The most beautiful car ever made" ("Das schönste jemals gebaute Auto") wird ein Betrachter als Überschrift zitiert, und auch im Fernsehen ist die Berichterstattung weitgehend frei von journalistischer Distanz.

Buick verkauft getarnte Opel
Der Buick Encore sieht dem Opel Mokka verdächtig ähnlich.
Der Buick Encore sieht dem Opel Mokka verdächtig ähnlich.

Corvette ist ein Konzernprodukt von General Motors und der mit Staatsknete vor der Pleite gerettete Konzern zeigte an anderer Stelle, weshalb manche Konzernmarken gut und andere schlechter dastehen im internationalen Wettbewerb. Überzeugend inszeniert wurden am Buick-Stand zwei Fahrzeuge interpretiert, die Besuchern aus Europa durchaus vertraut vorgekommen sein mochten: Der Buick Encore ist eine fast perfekte Kopie des Opel Mokka. Auch die Stufenheck-Variante des Opel Astra, hier als Buick Verano ins Scheinwerferlicht gesetzt, wird wohl zu dem wachsenden Bedürfnis der amerikanischen Kunden nach kleineren und sparsameren Autos gut passen. Buick verkauft überdies in China bereits jetzt die umgelabelte Version des Opel Insignia recht gut.

Immerhin verzichtete GM auf Peinlichkeiten wie in der Ära des Vorstandschefs Rick Wagoner, als bestellte Claquere den damals schon angeschlagenen Chef zum Auftakt einer als Pressekonferenz deklarierten Selbstbeweihräucherungs-Show bejubeln mussten.

Kein Modellfeuerwerk bei Ford
Der Ford Transit Connect zeigt sich groß und offen.
Der Ford Transit Connect zeigt sich groß und offen.(Foto: Axel F. Busse)

Marktführer in den USA war im vergangenen Jahr Ford mit einem Verkaufsanteil von knapp 15 Prozent. Wer daraus schließen mochte, dass in Detroit ein Feuerwerk an Neuerscheinungen abgebrannt wird, sah sich getäuscht. Die Modelle Fusion, Focus oder Kuga, zahlreiche Varianten des Pick-Up-Dauerbrenners F-150 waren zu sehen. Dieser Kleinlaster gehörte auch 2012 mit mehr als 645.000 Einheiten zu den bestverkauften Autos des Kontinents. Die als Modell 2014 deklarierte Fassung des Vielzweck-Vans Transit Connect zeigte große Offen- und Vielseitigkeit – ist aber auch kein wirklicher Kracher.

Die Studie MKC Concept gehört zu den wenigen Überraschungen in Detroit.
Die Studie MKC Concept gehört zu den wenigen Überraschungen in Detroit.

Lediglich die zu Ford gehörende Luxusmarke Lincoln konnte mit ihrer Studie MKC Concept überdurchschnittliches Interesse binden. Aus Sicht des Herstellers ist es das erste Kompakt-Modell überhaupt, was allen einleuchtet, die sich an Straßenkreuzer wie den Lincoln Continental erinnern. Nüchtern betrachtet ist das Fahrzeug mit 4,55 Metern immer noch größer als ein VW Tiguan. Zu der möglichen Motorisierung macht Lincoln noch keine Angaben. Es ist aber davon auszugehen, dass es frühestens 2014 eine Serienversion für den US-Markt geben wird.

Viper im Schatten der Corvette

Der Chevrolet Spark EV ist das Auto für die Steckdose.
Der Chevrolet Spark EV ist das Auto für die Steckdose.

In der Begeisterung um die siebte Auflage der Corvette fast untergegangen ist der Supersportwagen aus dem Hause Chrysler. Die runderneuerte Viper der Marke Dodge sieht nicht weniger verwegen aus, hat 650 PS und presst die Insassen mit einem Lastwagen-verdächtigen Drehmoment von 814 Newtonmetern in die Sitze. Während Corvette und Viper eher die traditionelle Kraftmeierei von sogenannten Muscle-Cars für die Gegenwart konservieren, kann der kleine Chevrolet Spark EV ein gewisses Zukunftspotenzial nicht verleugnen. Allerdings ist er auch keine wirkliche Neuigkeiten, denn der elektrische Kleinwagen erlebte seine Premiere schon auf der Los Angeles Auto Show im vergangenen November.

Mit einem für amerikanische Verhältnisse mutigen Angebot wartet die ebenso wie Chrysler zum Fiat-Konzern gehörende Marke Jeep auf. Die Allrad-Ikone Grand Cherokee, seit Jahrzehnten zum bewährten 4x4-Iventar vorstädtischer Doppelgaragen gehörend, bringt erstmals eine Diesel-Variante in den USA auf den Markt. Als Antrieb dient ein aus Italien stammender V6-Selbstzünder aus dem Hause VM Motori mit 240 PS. Offensiv werden die außergewöhnliche Reichweite und die Effizienz des Fahrzeugs beworben. Das ist verständlich, denn US-Kunden verfügen nur selten über Erfahrungen mit Diesel-Pkw. In Deutschland wurden fast 89 Prozent der Grand Cherokee im vergangenen Jahr mit diesem Dieselmotor bestellt, den jetzt auch die US-Käufer bekommen. Vielleicht wird am Ende sogar noch der Spruch von Alt-Präsident George W. Bush widerlegt, dass Amerika vom "alten Europa" nichts zu lernen habe.

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Quelle: n-tv.de

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