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Der Audi A8 lang: eine Luxusyacht auf vier Rädern.
Der Audi A8 lang: eine Luxusyacht auf vier Rädern.(Foto: Markus Mechnich)

Audi A8 L mit mehr Radstand: Auf die Länge kommt es an

Axel F. Busse

Ingolstadt schafft mit dem Audi A8 lang eine wahre Luxuskarosserie. Der Zwölfzylinder-Motor, das achtstufiges Tiptronic-Getriebe und die Wellness-Lounge haben es in sich.

Die Buchstaben des lateinischen Alphabets sind für die Menschen in China gewöhnlich von untergeordneter Bedeutung. Einzige Ausnahme ist das "L", das vor allem auf die Wohlhabenden im Reich der Mitte eine besondere Faszination ausübt. Erst recht dann, wenn es am Heck eines Autos zu sehen ist.

Die Langversion einer Limousine gehört in China zu den wichtigsten Statussymbolen, das gilt auch, wenn das Fahrzeug nicht zur Luxusklasse gehört. Selbst von dem Mittelklasse-Modell Audi A4 gibt es in China eine Variante mit verlängertem Radstand. Das ultimative Luxusgefährt der Marke ist jedoch der A8 L, die weltweit meisten der 5,27 Meter langen Limousinen werden auch in Zukunft wieder in China verkauft. Am besten gleich mit Zwölfzylinder-Motor. Deren Anteil an der Baureihe betrug in der Vergangenheit um die drei Prozent, angesichts des wachsenden Wohlstands in China hält Audi künftig fünf Prozent für möglich.

Radstand ist jetzt 3,12 Meter

Der Radstand des Audi A8 lang ist fünf Zentimeter länger als bei seinem Vorgänger.
Der Radstand des Audi A8 lang ist fünf Zentimeter länger als bei seinem Vorgänger.(Foto: Markus Mechnich)

Um 130 Millimeter wurde das auch in der Grundversion schon deutlich über fünf Meter messende Fahrzeug verlängert. Der Radstand beträgt jetzt 3,12 Meter, was gegenüber der bisherigen Langversion einen Zuwachs von knapp fünf Zentimetern entspricht. Zieht man die Komfort-Maße der Passagier-Fliegerei zum Vergleich heran, entsprach die bisherige Beinfreiheit im Fond Business Class – jetzt ist es First Class.

Weiter vorn im Audi A8 erscheint eher maritimes Vokabular angebracht, denn auf der Mittelkonsole erinnert der Wählhebel für die Fahrstufe des achtstufigen Tiptronic-Getriebes an den Schubregler einer Luxusyacht. Das gefällt dem Fahrer aus zwei Gründen: Einerseits braucht der Hebel beim Abstellen nicht mehr in Parkposition gebracht zu werden, das macht die Automatik von selbst. Andererseits dient er als Ablage für den Handballen, wenn man auf dem davor liegenden Touchpad mit dem Finger Zahlen oder Buchstaben malt. So werden die Zielwahl der Navigation oder die Nummerneingabe zum Telefonieren vereinfacht, das lästige Drehrad ist passé.

6,3 Liter Hubraum haben ein Vorbild

Dem Flaggschiff der Baureihe ist auch der stärkste Motor vorbehalten. Auf 6,3 Liter Hubraum ist der W12-Motor jetzt aufgebohrt – ein Schelm, der da an den V8 von Mercedes-AMG denkt. Die Gemischaufbereitung erfolgt per Direkteinspritzung, was einen Leistungszuwachs um elf Prozent auf glatte 500 Pferdestärken mit sich bringt. Um den gleichen Wert verringerte sich der Verbrauch nach EU-Norm. Mit 12,4 Litern je 100 Kilometer kann das Dickschiff gefahren werden, und ist aus Herstellersicht damit die "effizienteste Luxuslimousine im Wettbewerb".

Komfortabel und großräumig kommt der Audi A8 lang daher.
Komfortabel und großräumig kommt der Audi A8 lang daher.(Foto: Abdruck fuer Pressezwecke honora)

Das "gefahren werden" ist ohnehin die wahre Bestimmung des A8-Besitzers, denn der Fond lässt sich mittels diverser Zusatzausstattungen zur veritablen Wellness-Lounge umbauen. Für die Kleinigkeit von 14.000 Euro – also etwa zehn Prozent des Grundpreises vom A8L W12 – ist für den hinten rechts sitzenden Entscheider ein Komfortsitz zu haben, inklusive Massagefunktion und elektrisch ausfahrbarer Fußablage in der Lehne des Beifahrersessels, wo auch gleich die Kopfstütze zur besseren Sicht nach vorn abgeklappt wird. Das Bord-Entertainment-System mit 10,2-Zoll-Monitor und separater MMI-Steuerung in der Edelholz-Konsole zwischen den Fondsitzen sorgt für Ablenkung vom profanen Verkehrsgeschehen. Fast überflüssig zu sagen, dass an Bord Internet verfügbar ist und auf dem Display Börsenkurse oder die Zimmertarife von Fünf-Sterne-Hotels abrufbar sind.

Assistenzsystemen bieten volles Programm

Bei den Fahrerassistenz-Systemen bleiben für solvente Kunden keine Wünsche offen: Spurhaltehilfen, adaptive Abstandsregelung und -warnung, Totwinkelüberwachung sowie Navigation über Google-Earth-Karten sind auf Wunsch an Bord. Bei Bedarf können auf dem Monitor auch Inhalte aus einem Reiseführer oder die CD-Cover der Festplatten-Musiksammlung dargestellt werden. Wieso bei derart vielfältigen Ablenkungsmöglichkeiten noch der TV-Empfang während der Fahrt unterbunden ist, leuchtet nicht recht ein. Das Bang&Olufsen-Audio-System mit bis zu 1400 Watt Gesamtleistung und 19 Lautsprechern verspricht Konzertsaal-Atmosphäre.

Da nunmehr in allen Varianten die Luftfederung serienmäßig und die aktive Dämpfung verbaut ist, trägt das Fahren Züge eines orientalischen Märchens. Das Gleiten auf einem fliegenden Teppich muss sich so ähnlich anfühlen, nur eines kann der gewebte Bodenbelag vermutlich besser wegstecken: Kurze, harte Schläge durch Querrillen meldet das Fahrwerk durch Poltergeräusche an der Vorderachse. Zusätzlich zum serienmäßigen Allradantrieb verfügt der V8-Diesel ab Werk noch über das Sportdifferenzial für die Hinterachse, das durch bedarfsgerechte Drehmomentverteilung eine noch agilere Kurvendynamik ermöglicht.

Verbraucht 6,6 Liter auf 100 Kilometern

Er ist zwar lang, aber durchaus spitzig unterwegs.
Er ist zwar lang, aber durchaus spitzig unterwegs.(Foto: Markus Mechnich)

Das Motorenprogramm des A8L umfasst zwei V6, zwei V8 und den W-Zwölfzylinder, wobei die V-Motoren jeweils als Diesel- oder Ottomotoren erhältlich sind. Bei 250 PS beginnt das Leistungsspektrum mit dem V6-TDI, es folgt der Benziner mit 290 PS, der V8-Diesel gibt 350 und der FSI 372 PS. Letzterer überraschte im Fahrtest durch ausgesprochene Spritzigkeit und ließ den Leistungsunterschied von 128 PS gegenüber dem Zwölfzylinder glatt vergessen. Ursache dürften die 170 Kilogramm Mehrgewicht sein, die das Topmodell zusätzlich auf die Waage bringt.

Wie bereits von anderen Herstellern bekannt, ist die Achtgang-Automatik von ZF auch Start-Stopp-tauglich, wobei diese Fähigkeit zur Markteinführung im Oktober zunächst auf den 3,0-TDI beschränkt bleibt. So kommt er auf einen EU-Normverbrauch von 6,6 Liter je 100 Kilometer – für ein Auto im Fünfmeter-Kaliber mehr als beachtlich. Seine 176 Gramm CO-Emission sollen noch unterboten werden, wenn nächstes Jahr der A8-Hybrid auf den Markt kommt. Für ihn sind 144 Gramm vorausgesagt. Wer es druckvoll mag, wird wohl beim 4.2 TDI landen, denn der ist mit gewaltigen 800 Newtonmetern Drehmoment das zugkräftigste Pferd im Stall.

In der Vergangenheit bestellten zwei von fünf A8-Kunden die Langversion. Bei Audi geht man davon aus, dass die ungebrochene Nachfrage aus Fernost das Verhältnis zugunsten der Chauffeurswagen verschieben wird. Es kommt eben doch auf die Länge an. Auch wenn die Grundausstattung reichhaltig ist, werden sich wohl nur die wenigsten mit dem 79.900 Euro teuren 3.0-TSI begnügen. Rechnet man den Anschaffungspreis in Euro je Zylinder um, ist das Topmodell mit 137.000 Euro deutlich günstiger.

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Quelle: n-tv.de

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