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Man braucht die vielen Pferdchen unter Haube des RS 5 nicht, um offen zu fahren, aber es ist nett, zu wissen, dass sie da sind.
Man braucht die vielen Pferdchen unter Haube des RS 5 nicht, um offen zu fahren, aber es ist nett, zu wissen, dass sie da sind.

Oben ohne auch im Winter: Audi RS 5 ist ein echter Brüller

Von Axel F. Busse

Zu den angenehmen Seiten des Autofahrens gehört, sich im Cabrio den Wind um Nase und Ohren wehen zu lassen. Wer handfesten Sturm sucht, für den gibt es das Audi RS 5 Cabriolet. Im Preis von 88.500 Euro ist die Wiederherstellung der zerzausten Haare allerdings noch nicht inbegriffen. Aber wer so viel Geld ausgibt, kann sich bestimmt auch einen Friseur leisten.

Zugegeben, der neue Freiluft-Audi, der im Frühjahr 2013 als RS 5 bei den Händlern stehen soll, bringt ein bisschen mehr als die Minimal-Voraussetzungen für vergnügliches Open-Air-Reisen mit. Weder sind 450 PS dringend notwendig noch die Fähigkeit, in unter fünf Sekunden von Null auf Hundert sprinten zu können. Quelle der Kraft ist ein V8-Saugmotor mit 4,2 Litern Hubraum. Für satten Durchzug sorgen 430 Newtonmeter Drehmoment, für die der Motor allerdings auf mindestens 4000 Umdrehungen gebracht werden muss. Das ist der wesentliche Unterschied zu Turbomotoren: Sie warten bekanntlich schon bei der Hälfte dieser Drehzahl mit vollem Schub auf.

Dafür sind sie im Ansprechverhalten selten so spontan und bissig wie ein Sauger. Da bildet auch der RS 5 keine Ausnahme, denn wie ein Vollblüter auf zarten Schenkeldruck reagiert, nimmt das Gaspedal jede Fußregung sensibel auf und setzt sie willig in Vortrieb um. Gute Dienste leistet dabei das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe. Insbesondere im Sportmodus wählt es die Übersetzung so, dass stets auf Beschleunigungsreserven zurückgegriffen werden kann. Lediglich die Fähigkeit, die Rücknahme des Gashebeldrucks als Entspannungssignal zu werten und in höhere Fahrstufen zu wechseln ist unterentwickelt. Da kann der Fahrer nachhelfen: Ihm stehen die Lenkradpaddeln zum manuellen Eingriff zur Verfügung.

Mehr Tempo für jeden Euro

Im Innenraum dominiert die Farbe schwarz.
Im Innenraum dominiert die Farbe schwarz.

Auch dieser Sportwagen ist von Hause aus bei einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h abgeregelt. Wer auf noch mehr Tempo abfährt, kann sich die Sperre auf 280 km/h hinausschieben lassen. Dafür berechnet Audi einen Aufpreis von 1500 Euro, was sich leicht in 50 Euro pro Stundenkilometer umrechnen lässt. Im Vergleich zu den tatsächlichen Kosten mindestens genauso einträglich dürfte für den Hersteller sein, wenn der Kunde einen Multimedia-Anschluss für iPod, iPhone oder andere externen Schallquellen bestellt. Für Buchse und Kabel werden 300 Euro fällig. Außer solchen Ärgernissen bietet die Preisliste aber auch Anlass zur Heiterkeit: Zur serienmäßigen Ausstattung des Fahrzeugs gehören demnach "Single Frame Grill" und "Abgasanlage".

Sie zu erwähnen ist durchaus sinnvoll, denn sie ist ein Quell stetiger Freude, wenn es in kurvige Bergregionen geht. Dort, wo ständige Last-, Tempo- und Gangwechsel bei den Insassen für Kurzweil sorgen, zieht sie durch Schnurren, Zischen, Grummeln, Bollern, Röhren oder Brüllen alle Register thermo-akustischer Zustandsberichte. Unnötig, aber höchst wirkungsvoll künstlich eingesteuerte Gasstöße beim Herunterschalten schaffen ein Fahrerlebnis, dass die Typenbezeichnung "RS" unweigerlich mit Rennsport übersetzen lässt.

Trotz seiner sportlichen Ausrichtung bietet das Sport-Cabriolet eine komfortable Abstimmung.
Trotz seiner sportlichen Ausrichtung bietet das Sport-Cabriolet eine komfortable Abstimmung.

Dass sich das zweitschnellste Cabrio aus Audi-Produktion durch rasante Kurvenfolgen so entspannt und neutral bewegen lässt, liegt unter anderem an dem serienmäßigen Sportfahrwerk, das im Falle der Testwagen noch mit dem so genannten Dynamik-Ride-System ausgerüstet war. In diesen Dämpfern sorgen elektrisch aktivierbare Metallbeigaben für eine Verhärtung im Millisekundenbereich. Außerdem steuern das Kronenrad-Differenzial und auf Wunsch die radselektive Momentverteilung den Allradantrieb so, dass die vorbildliche Fahrstabilität nicht in Gefahr gerät. Das Auto reagiert neutral und ausgewogen. Eine Tendenz zum Übersteuern wird im Keim erstickt, da die Regelungselektronik bis zu 70 Prozent der Leistung auf die Vorderachse schicken kann.

Lederpolster bleiben ganz "cool"

Einen Geräuschkomfort wie bei einem geschlossenen Auto schreibt Audi seinem so genannten Akustikverdeck zu. Die mehrlagige Stoffhaube absorbiert wirklich gut Wind- und Abrollgeräusche, zum Glück aber kaum Ansaug-, Verbrennungs- und Abgasschall, so dass der kräftige V8-Sound auch gut mit aufgezogener Mütze zu genießen ist. Der Kofferraum vergrößert sich übrigens durch Schließen des Verdecks nur unwesentlich. Mit 380 Litern ist das Gepäckfach so groß wie beim VW Golf, 320 bleiben davon, wenn die Sonne herein gelassen wird. Öffnen und Schließen des Verdecks sind während der Fahrt bis zu einem Tempo von 50 km/h möglich.

Das RS 5 Cabriolet rollt gut ausgestattet zu den Kunden: Da gehört das Akustikverdeck ebenso zur Serie wie Xenon-Plus-Scheinwerfer, das Multifunktionslenkrad, eine Ski-oder Snowboardtasche, 19-Zoll-Aluschmiederäder und ein Aufheizschutz für die Lederpolsterung. Die Farbpigmente der gegerbten Rinderhaut enthalten eine Substanz, die den Infrarot-Anteil des Sonnenlichts reflektiert. Steht das Fahrzeug offen in der Sonne, kann die Temperatur der Sitzpolster so um rund 20 Grad niedriger gehalten werden, als dies ohne Aufheizschutz der Fall wäre, verspricht Audi. Eine Klimaautomatik gehört zum Lieferumfang, ebenso wie das Windschott, für das andere Hersteller immer wieder gern einen Sonder-Obolus erheben. Wie die Testfahrt bei Außentemperaturen zwischen 5 und 12 Grad belegte, muss das Offenfahren keineswegs auf die Sommermonate beschränkt bleiben. Scheiben und Schott halten Zugluft so fern, dass die Heizung eine ordentliche Wirkung entfalten kann und zur Not gibt es gegen Aufpreis ja auch noch den Nackenfön.

Verantwortlich für die RS-Regie ist bei Audi die Quattro-GmbH. Deren Geschäftsführer Franciscus van Meel ist überzeugt, "die Menschen streben nach immer mehr Exklusivität". Vor allem die, die das nötige Kleingeld dazu haben, und deren Bedürfnisse will die Quattro-GmbH in noch stärkerem Maße bedienen. Schon scheint ein Ergebnis von 15.000 verkauften RS-Modellen in Reichweite. Auf jeden Fall soll die Auswahl erhöht werden. Der RS 6 Avant ist enthüllt, er hat 560 PS. Als sehr wahrscheinlich gilt auch ein RS 7 und dass ein Q5 mit dem RS-Buchstabenemblem geadelt wird, gilt als so gut wie sicher.

Quelle: n-tv.de

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