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So stellt sich BMW den Innenraum seiner Fahrzeuge für die Zukunft vor.
So stellt sich BMW den Innenraum seiner Fahrzeuge für die Zukunft vor.(Foto: hop)

CES 2017 - nur ein Fingerzeig: BMW fährt künftig mit Holo-Deck

Von Holger Preiss, Las Vegas

Bei Bediensystemen im Auto hatte BMW schon immer ein feines Händchen - I-Drive-Controller, Gestensteuerung oder Head-up-Display. Jetzt zünden die Bayern in Las Vegas eine neue Stufe. Doch klingt die neue Technologie sehr nach Science-Fiction. Oder?

Wie ein BMW sieht die Studie nicht mehr aus.
Wie ein BMW sieht die Studie nicht mehr aus.(Foto: hop)

Wo könnte ein Hersteller seine Innovationen für die Zukunft besser präsentieren als auf der CES in Las Vegas, der momentan größten Elektronikshow für Verbraucher in der Welt? Und was passt für einen Autohersteller besser, als sich dem zuzuwenden, was nicht zuletzt dank des Elektropioniers Tesla in aller Munde ist: das autonome Fahren? Aber allein damit zieht man hier keinen mehr hinter dem Ofen vor. Auch dann nicht, wenn auf Veranstaltungen wie dieser mit Blick auf die Sicherheit aller Beteiligten immer wieder darauf verwiesen wird, dass es sich gerade beim autonomen Fahren um ein sehr komplexes Gebilde handelt, das nicht von heute auf morgen erbaut werden kann.

Insofern wundert es nicht, dass BMW daran erinnert, dass Innovationen wie zum Beispiel die Gestensteuerung, die 2015 auf der CES vorgestellt wurden, bereits heute im 5er und 7er zu finden sind. Ähnlich verhält es sich mit dem Konzept von Connect und der Open Mobility Cloude. Die hat BMW erstmals im vergangenen Jahr in Las Vegas vorgestellt. Bereits zwei Monate später erfolgte die Markteinführung in den USA. Seit August 2016 ist BMW Connected auch in Europa und seit dem vierten Quartal 2016 in China verfügbar.

Der nächste Schritt der Gestensteuerung

Das Lenkrad ist eigentlich nur noch Schein, denn der BMW fährt überwiegend autonom.
Das Lenkrad ist eigentlich nur noch Schein, denn der BMW fährt überwiegend autonom.(Foto: hop)

Ob es mit den neuesten Ideen genauso schnell geht, wollte und konnte BMW auf der CES natürlich noch nicht verraten. In dem von den Bayern im US-Bundesstaat Nevada präsentierten Showcar ist nämlich ein holographisches Bediensystem integriert. Der Fahrer steuert also im wahrsten Sinne des Wortes seinen Wagen durch gezieltes Gestikulieren. Man muss sich das vielleicht so vorstellen wie die Recherche von Tom Cruise in "Minority Report", wo er durch wildes Wedeln der Arme immer neue Informationen auf eine Glaswand projiziert. Allerdings trug der Filmheld seinerzeit einen Handschuh, um die Bilder zu aktivieren. Im BMW der Zukunft bedarf es eines solchen Utensils nicht.

Das sogenannte Holo-Active-Touch-System projiziert die Informationen von Bordcomputer, Navi und Co. mittels mehrerer Spiegel in die Luft neben dem Lenkrad und oberhalb der Mittelkonsole – ähnlich wie bei einem Head-up-Display, allerdings ohne die Glasfläche als Leinwand nutzen zu müssen. Die Informationen schweben also förmlich in der Luft - wie die Holo-Briefe in den Star-Wars-Filmen. Grob gesagt projiziert ein Head-up-Display eine vollfarbige Bedienoberfläche, also die Schalter und Regler, neben das Lenkrad. Eine Kamera beobachtet die Finger des Fahrers, sodass der mit einer kleinen Fingergeste das Radio lauter stellen oder Services aus dem Connected Drive-Angebot auswählen kann. Wenn alles geklappt hat, dann gibt ihm der sogenannte Holo Active Touch eine haptische Rückmeldung.

Cortana und Amazon an Bord

Eine Fingerbewegung reicht zur Steuerung aus.
Eine Fingerbewegung reicht zur Steuerung aus.(Foto: hop)

Ob diese doch sehr komplexe Holo-Technik tatsächlich so schnell in Serie geht wie die oben genannten Beispiele, darf allerdings angezweifelt werden. Was die Studie aber durchaus deutlich macht, ist der Umstand, wie automatisiert fahrende Autos der Zukunft aussehen könnten. Und um den Eindruck noch zu verstärken, haben die Bayern in ihr Inside-Future-Konzept noch viel mehr integriert. Aus dem Fahrzeug heraus bekommen Fahrgäste etwa zusätzliche Informationen zu der befahrenen Strecke. Der Fingerzeig auf ein Gebäude reicht aus, um das System dahingehend zu aktivieren, Informationen in unterschiedlichster Form zu präsentieren: entweder auf die Endgeräte der Reisenden oder auch über die Lautsprecher, die übrigens in die Kopfstützen integriert sind.

Bei derartigen Innovationen wirkt der Umstand, dass der persönliche sprachgesteuerte, digitale Assistent im Fahrzeug auf Termine hinweist, einfach unspektakulär. Wichtig ist vielleicht an dieser Stelle, dass der Helfer mit Blick auf diesen Punkt Cortana heißt und von Microsoft kommt. BMW - und das war auch ein wichtiger Hinweis bei der Präsentation in Las Vegas - hat sich für seine Zukunftsprojekte mit dem Software-Riesen zusammengeschlossen und ist, was den Erfolg der Zusammenarbeit betrifft, sehr zuversichtlich.

Eine weitere Kooperation gibt es mit Amazon. In den Zukunftsfahrzeugen von BMW ist nämlich die Integration von Amazon Prime Now möglich. Serien-Fans können sich dann also auch während der Fahrt zur Arbeit bequem im BMW-Gestühl lümmeln und sich "Game of Thrones" reinziehen. Der Service En-Route-Delivery wird jedenfalls auch auf der CES vorgestellt. Das passiert natürlich unter Beachtung aller Sicherheitsbelange beim Fahren. BMW Connected weiß nämlich aufgrund der zu fahrenden Route, wann das Fahrzeug in den automatisierten Fahrzustand übergehen wird und der Fahrer Zeit hat, sich Videos anzusehen. In diesem Modus passt sich das Fahrzeug an die aktuelle Situation der Insassen an. Sobald die Mitfahrer auf den Rücksitzen ein Video starten, werden die Innenbeleuchtung gedimmt und die Sonnenschutz-Rollos geschlossen. Wie im Kino eben. Willkommen, schöne neue Autowelt!

Quelle: n-tv.de

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