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Klare Linien und kein "Schnickschnack" zeichnen die Studie des Opel GT aus.
Klare Linien und kein "Schnickschnack" zeichnen die Studie des Opel GT aus.(Foto: Holger Preiss)

"Der braucht keinen Schnickschnack": Der neue Opel GT – mit Ehrfurcht erschaffen

Opel ist im Aufwind. Das liegt nicht nur an einem neuen Astra, sondern hat auch etwas mit dem frischen Design zu tun. Im Augenblick ist der stilistische Sinneswandel nirgendwo besser zu erkennen als an der Studie zum Opel GT. n-tv.de sprach mit Design-Chef Friedhelm Engler.

n-tv.de: Bei der Gestaltung des Opel GT hatten Sie die Hauptverantwortung?

Friedhelm Engler verantwortet als Director GME Advanced Design die gestalterische Zukunft bei Opel.
Friedhelm Engler verantwortet als Director GME Advanced Design die gestalterische Zukunft bei Opel.(Foto: Holger Preiss)

Friedhelm Engler: Ja, alles was die gestalterische Zukunft von Opel betrifft, geht vorher über meinen Tisch.

Wenn Sie von der Zukunft sprechen, heißt das, dass wir im Opel GT das künftige Gesicht der Marke sehen?

Ich denke, dass das, was wir hier sehen, eine konsequente Weiterentwicklung der Monza-Formsprache ist. Davon wird sich sehr viel in den kommenden Modellen niederschlagen.

Der Monza kam, wurde bejubelt und kurz darauf begraben. Jetzt kommt er wieder, in Form des GT?

So würde ich das nicht formulieren. Ich denke, der Monza ist eine Weiterführung der Formsprache. Ganz klare Linien, die gut proportioniert sind. Hinzu kommen simple und klare Flächen ohne viele Sicken. Eben ein sauber durchgestaltetes Fahrzeug mit ganz wenig Schnickschnack. Und das bringt der GT noch viel besser zum Ausdruck als der Monza.

Aber ist diese Formsprache mit langer Motorhaube und zurückgesetztem Greenhouse auch etwas für einen künftigen Opel Insignia?

Im Innenraum gibt es nur noch einen Knopf. Und zwar den, mit dem der Opel GT gestartet wird.
Im Innenraum gibt es nur noch einen Knopf. Und zwar den, mit dem der Opel GT gestartet wird.(Foto: Holger Preiss)

Was den Charme einer zurückgesetzten A-Säule ausmacht, ist natürlich das Gefühl von Heckantrieb und das bringt echte Oberklassegefühle mit sich. Gerade im Sportwagensegment sieht man im Augenblick vor allem Konzepte, die die Idee des Front-Mittelmotors präferieren und die sehen sich schon alle recht ähnlich. Das hat seinen Charme, weil es klassisch ist und dabei sehr modern aussehen kann. Insofern könnte das natürlich auch mit kleineren Abstrichen in einen neuen Opel Insignia einfließen.

In der Studie des GT steckt viel vom Ur-GT, einer echten Ikone. Wie nimmt man eine solche Bürde als Designer an?

Mit sehr viel Ehrfurcht! Man muss sagen, dass der Ur-GT ende der 60er, Anfang der 70er Jahre wirklich eine Ikone war. Das Designteam ist auch befreundet mit Gerhard Schnell, der damals den Ur-GT entworfen hat. Wir waren sehr glücklich, dass er sich die Zeit genommen und uns bei der Entwicklung des neuen GT begleitet hat. Was dabei rausgekommen ist, ist die Umsetzung eines Lebensgefühls, nicht die pure Wiederbelebung eines speziellen Autos. Das pure Retrodesign abzukupfern ist extrem gefährlich. In der Regel funktioniert das ein Mal, dann wird es schnell langweilig.

Wie lange haben Sie an dem GT gearbeitet?

Hochgesetzte Endrohre und markante Lichtgrafik bestimmen das Heck des Opel GT.
Hochgesetzte Endrohre und markante Lichtgrafik bestimmen das Heck des Opel GT.(Foto: Holger Preiss)

Die Idee kam uns 2014 bei einer Feier zum 50. Geburtstag des Ur-GT. Die Leute, die uns damals im Designstudio besuchten, zeigten sich so begeistert, dass wir eine solche Kraft in dem Modell mutmaßten, dass wir beschlossen, einen neuen, zeitgenössischen GT zu entwerfen.

Konzepte sind ja immer etwas overdosed. Das, was wir hier als Opel GT sehen, wird sich so wohl kaum auf der Straße wiederfinden, oder?

Warum nicht? Die Seitenscheiben zum Beispiel sind komplett in die Fahrzeugflanken integriert. Das hat den Vorteil, dass wir vom Exterieur-Design nicht mehr diese extrem hochgesetzte Schachtleiste benötigen, um ein sportliches Gefühl zu erzeugen. Hinzu kommt, dass durch die aufgesetzten Folien auf den Scheiben in der Außenansicht die komplette Fenstergrafik verschwindet. Ob ich das bei einem Serienmodell genauso schließe wie beim Showcar, ist natürlich offen. Der Vorteil einer nicht zu öffnenden Scheibe besteht aber darin, dass ich im Innenraum acht bis zehn Zentimeter Schulterfreiheit gewinne. Hier im Showcar ist sie nur minimal vom Insignia entfernt.

Aber all das verlieren Sie in der Serie - oder wollen Sie den GT allen Ernstes ohne versenkbare Seitenscheiben verkaufen?

Die Front duckt sich tief auf die Straße.
Die Front duckt sich tief auf die Straße.(Foto: Holger Preiss)

(lacht) Warum nicht? Aber das lasse ich an dieser Stelle mal im Raum stehen.

Auch beim Lichtdesign will Opel sich noch deutlicher von den Mitbewerbern unterscheiden. Ist auch hier schon etwas beim GT zu entdecken?

Ja. Was wir hier in der Studie zeigen, ist die konsequente Weiterentwicklung des Matrix-Lichts, das wir schon aus dem Astra kennen. Während es dort sechs Elemente sind, haben wir beim GT eine viel größere Menge, die die Möglichkeiten der Ausleuchtung noch vielfältiger macht und dann auch entsprechend markanter wirkt.

Der GT muss als Sportwagen extrem leicht sein. Inwieweit wird das Gewicht vom Design mitbestimmt?

Der allererste Schritt ist: Wenn ich ein Auto leicht kriegen will, mache ich es kleiner. Wenn ich eine geile Proportion habe, dann brauche ich auch kein Sechsmeter-Schiff. Betrachtet man den GT, dann sieht er deutlich größer aus, als er in Wirklichkeit ist. Wir reden hier über ein Auto, das 3 Zentimeter schmaler als der Adam ist und 15 Zentimeter kürzer als ein Corsa. Also Leichtbau ist in erster Linie Größe. Größe, die ich als Designer in den Außenmaßen gerne abgebe, aber im Innenraum nicht verlieren möchte.

Der GT bleibt also eine Fahrmaschine, die den Piloten nicht elektronisch beschränken wird?

Prinzipiell gehört der GT nicht zu der Kategorie Fahrzeug, die man nicht selber fahren möchte. Dennoch wird auch hier mit modernen Mitteln gearbeitet. Die Idee ist aber nicht, ich lerne vom Fahrzeug, sondern der Wagen lernt von mir. Fahrweise, Vorlieben und die Strecke werden in Zukunft zum Beispiel das Fahrwerk-Setting bestimmen. Das Auto kennt meine Termine, bietet mir Strecken an, lässt aber natürlich den Raum für persönliche Wünsche individuell einfließen.

Sie verzichten im GT fast komplett auf Knöpfe. Gehört das auch zu diesem Konzept?

Natürlich. Die Funktionsweise ist ähnlich wie bei Ihrem Smartphone. Sie passen es nach Ihren Wünschen an und freuen sich über die Vielzahl an Möglichkeiten. Im GT gibt es in der Mittelkonsole noch einen Knopf, der den Fingerabdruck liest und den Wagen dann startet. Das Prinzip ist: Das Fahrzeug erkennt mich und arbeitet dann mit den Parametern, die es mir zuordnet. Intuitiv, ohne Knöpfe, einfach über die Stimme und entsprechende Spracheingaben.

Wir haben jetzt viel spekuliert, was Vision ist und was in die Serie kommen könnte. Wann ist denn jetzt mit einem Opel GT zu rechnen?

Das würde ich auch gerne wissen. Im Augenblick ist in diesem Punkt noch keine finale Entscheidung gefallen.

Mit Friedhelm Engler sprach Holger Preiss

Quelle: n-tv.de

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