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Mit 1088 PS ist das Rimac Concept noch nicht der PS-Spitzenreiter, legt aber bereits ordentlich vor.
Mit 1088 PS ist das Rimac Concept noch nicht der PS-Spitzenreiter, legt aber bereits ordentlich vor.(Foto: Holger Preiss)

Kampf der Giganten: Die über 1000 PS-Boliden in Genf

Von Holger Preiss, Genf

Inzwischen sind 1000 PS keine Größe mehr. So suggerieren es jedenfalls die Sportwagenhersteller in Genf. Und dabei generiert der Großteil der Boliden seine Kraft sogar aus Akkumulatoren. Aber wirklich auf der Straße wird in Kürze nur einer rollen - und der macht es auf althergebrachte Weise.

Mit 2080 PS schlägt der Arash AF10 von der Leistung alles, was in Genf ausgestellt ist.
Mit 2080 PS schlägt der Arash AF10 von der Leistung alles, was in Genf ausgestellt ist.(Foto: Holger Preiss)

Der Genfer Autosalon lebt nicht nur von den vielen alltagstauglichen Neuheiten, sondern auch von seinen Super-Boliden. Und davon gibt es in diesem Jahr gleich vier. Der wohl potenteste im Quartett ist der Arash AF10. Das von Arash Farbout im Jahr 1999 gegründete Unternehmen mit Sitz in Sawston in der englischen Grafschaft Cambridgesire verspricht nämlich für sein Supercar nicht weniger als 2080 PS.

Das Herz des Briten bildet ein 6,2 Liter V8 Benziner mit Kompressoraufladung, der bereits satte 900 PS zur Verfügung stellt und auch in der Corvette Z06 seine Arbeit verrichtet. In diesem Zustand ist der Wagen bereits verfügbar und kostet 460.000 Pfund. Soweit nichts Besonderes. Um bei der Leistung aber auf die sagenhafte Zahl von 2080 PS zu kommen, sollen vier Elektromotoren, die ihre Energie aus einer Lithium-Ionen-Batterie mit einer Leistung von 32 kWh schöpfen, jedes einzelne Rad zusätzlich antreiben, was zu weiteren 1180 PS führt und den Preis auf 1,1 Millionen Pfund oder 1,4 Millionen Euro ansteigen lässt.

Noch nicht ganz fertig

Die Krux: Noch hat es Arash nicht geschafft, die vier zusätzlichen Antriebsaggregate an den Achsen zu verbauen. "Man arbeitet daran", so der Hersteller in Genf. Wenn das gelingt, dürfte der AF10 aber tatsächlich für den Moment zum absoluten Überflieger werden. Denn unter dem Karbonkleid findet sich ein Chassis, das ebenfalls von einem Karbonrahmen getragen wird. So gebaut, wiegt der Wagen lediglich 900 Kilogramm. Kommen die Elektromotoren und der Akku hinzu, steigt das Gewicht auf 1300 Kilogramm.

Die Technik entspricht letztlich einem Plug-in-Hybrid, der durch Rekuperation aus der Bewegung heraus die Batterie immer wieder aufladen kann. Geschaltet wird über ein manuelles Sechsganggetriebe oder über eine ebensoviele Stufen durchlaufende Automatik. Für die Beschleunigung auf Landstraßentempo werden im Moment knapp 3,0 Sekunden angenommen und eine Endgeschwindigkeit jenseits der 320 km/h dürfte keine Utopie sein.

Mit Turbine 1044 PS und 2000 Kilometer Reichweite

(Foto: Holger Preiss)

Utopisch hört sich aber das Konzept des zweiten Supercars an, des Techrules Turbinenladers. Das in Peking ansässige chinesische Unternehmen hat sich auf die Fahne geschrieben, die Elektromobilität ganz weit nach vorne zu bringen und verspricht über ein patentiertes System eine Reichweite von mindestens 2000 Kilometern. Das Turbinen-Lade-System für Elektrofahrzeuge (TREV - Turbine-Recharging Electric Vehicle) soll eine Spitzenleistung von 1044 PS zur Verfügung stellen.

Das TREV soll über ein Range-Extender-System verfügen, das Strom über eine Mikroturbine erzeugt, die wiederum das Akkupack lädt. Der Antrieb der Räder erfolgt wie beim Arash AF10 über E-Motoren. Ein neu entwickeltes Batteriemanagement soll eine höhere Ladeeffizienz möglich machen. Dank des TREV-Rage-Extenders werden weniger Batteriezellen benötigt, wodurch Gewicht und Platz gespart werden, verspricht Techrules.

Ganz ohne Benzin geht's nicht

Das Prinzip der enormen Reichweite und Leistungsentfaltung erklärt der Chef-Technologe Matthew Jin wie folgt: "Mikroturbinen sind bei Range-Extender-Anwendungen erheblich effizienter als Hubkolbenmotoren, da deutlich weniger Energie durch Reibungsverluste verloren geht, das heißt, die chemische Energie des Kraftstoffs wird einfach besser genutzt."

In Daten liest sich das so: Für den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h benötigt der Techrules lediglich 2,5 Sekunden. Bei Tempo 350 wird abgeregelt und mit einem Benzinverbrauch von lediglich 0,18 Litern auf 100 Kilometer ist der E-Bolide mit Turbine unschlagbar. Wie viel von der Idee in der Realität übrig bleibt, ist abzuwarten. Von der Nennleistung gehört der Techrules aber mit 1044 PS zu den echten Rennern in Genf.

Rimac bringt es auf 1088 PS

Bei mehr als 300 km/h ist die Frittentheke am Heck ein Muss.
Bei mehr als 300 km/h ist die Frittentheke am Heck ein Muss.(Foto: Holger Preiss)

Ebenfalls in diese Phalanx und ebenfalls mit Elektroantrieb reiht sich das Rimac Concept ein. Auch hier lassen die Eckdaten die Ohren klingeln: 1088 PS, 1600 Newtonmeter Drehmoment, von 0 auf 100 km/h in 2,6 Sekunden. Auf Tempo 200 soll es in nur 6,2 Sekunden gehen und nach 14,2 Sekunden ist die Tachonadel an der 300 vorbei gehuscht. Der Top-Speed soll bei elektronisch abgeriegelten 355 km/h liegen.

Die Vorserie hatte der kroatische Konstrukteur Mate Rimac bereits 2011 mit seinem Concept One auf der IAA vorgestellt. Auch beim Rimac wird jedes einzelne Rad von einem flüssig gekühlten, Elektromotor angetrieben. Für die Kraftentfaltung sorgen insgesamt 8450 Batteriezellen, die in der Summe 82 kWh leisten. Bei der Reichweite gibt man sich etwas bescheidener als Techrules mit 2000 Kilometern, aber immerhin sollen noch 600 Kilometer möglich sein.

Chiron schafft reale 1500 PS mit W16

Mit seinem W16 gibt sich der Bugatti Chiron grundehrlich.
Mit seinem W16 gibt sich der Bugatti Chiron grundehrlich.(Foto: Holger Preiss)

Bei so viel brachialer Elektrogewalt tut es richtig gut einen alten Bekannten wiederzutreffen, den Bugatti nämlich. Der heißt jetzt nicht mehr Veyron, sondern Chiron und kommt in neuem Kleid, bleibt aber, um seine 1500 PS zu entwickeln, ganz alten Konzepten treu. Hier sorgt nämlich ein Achtliter W16 Benzinmotor für geradezu gigantische Leistungen. Bereits bei 2000 Umdrehungen krachen 1600 Newtonmeter auf die Kurbelwelle und entwickeln bereits an dieser Stelle eine Leistung von 450 PS. Bei 4000 Umdrehungen stehen 900 Pferde in den Startlöchern, und wenn der Drehzahlmesser die 6700 passiert, sind 1500 Gäule bereit, den Bugatti im wahrsten Sinne des Wortes auf 420 km/h fliegen zu lassen.

In der Regel reicht diese Kraft aus, um den gesamten Antriebsstrang eines Autos in seine Einzelteile zu zerlegen und die Reifen kurzerhand in Rauch aufgehen zu lassen. Um also den Chiron optimal nach vorne katapultieren zu können, sind viele elektronische Helferlein notwendig – und wohl auch polizeiliche Streckensperrungen sinnvoll. Denn lediglich etwas über 2,0 Sekunden vergehen, dann hat der Bugatti die 100-km/h-Marke passiert. Kein Serienauto der Welt hat diesen Wert bislang geschafft. Nach 6,0 Sekunden fällt Tempo 200, nach rund 14 ist die 300-km/h-Marke durchbrochen. Die reinen Zahlen sind also nicht viel anders als die der oben erwähnten Boliden. Mit einem Unterschied: Der Bugatti Chiron kann es tatsächlich. Zugegeben nicht besonders umweltfreundlich, aber er kann es.

Allerdings nur für ein sehr betuchtes Publikum. Der Preis für den Chiron liegt bei 2,4 Millionen Euro, wobei die Steuer hier noch nicht eingerechnet ist. Doch selbst, wer über so viel Kaufkraft verfügt, muss noch lange nicht den Zuschlag erhalten. Zunächst sind 250.000 Euro für eine "Kaufabsichtserklärung" zu zahlen, wie Bugatti-Chef Wolfgang Dürheimer die Anzahlung auf den Chiron nennt. Das Sümmchen dient aber lediglich dazu, auf eine Liste zu kommen. Rund 160 Männer und keine Frau sollen die Viertelmillion bereits überwiesen haben. Im Herbst beginnt die Auslieferung der ersten Fahrzeuge.

Quelle: n-tv.de

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