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Der Dreitürer wird in einer limitierten Auflage von 500 Exemplaren angeboten.
Der Dreitürer wird in einer limitierten Auflage von 500 Exemplaren angeboten.(Foto: n-tv.de/Busse)

Start frei für den schärfsten Opel Corsa: Differenzierung per Differenzial

Axel F. Busse

Mit der "Nürburgring Edition" des Modells Corsa OPC macht Opel jetzt die Nische in der Nische auf. Das sportlichste Sondermodell bekommt 18 PS mehr und soll für 500 Kunden den Wunsch nach gehobener Exklusivität erfüllen.

Für die Unterscheidung vom Gewöhnlichen ist der Preis ein gutes Mittel. Das weiß auch Opel und veranschlagt für die "Nürburgring Edition" seines Corsas 27.650 Euro. 4000 Euro Extrakosten sind somit für das limitierte Vergnügen zu veranschlagen. Gemessen allein an den zusätzlichen Pferdestärken, ist der kleine Opel in Sachen Exklusivität schon gut in Richtung Porsche-Niveau unterwegs. Bei der schwäbischen Sportwagenschmiede kostet der Sprung vom "normalen" 911er zum Modell Carrera S rund 325 Euro je PS. Beim Corsa ist das Nordschleifen-Logo an der Außenseite und an den Kopfstützen schon für 222 Euro je Pferdestärke zu haben.

Die 18-Zoll-Leichtmetallfelgen beherbergen vorn Hochleistungsbremsen von Brembo.
Die 18-Zoll-Leichtmetallfelgen beherbergen vorn Hochleistungsbremsen von Brembo.(Foto: n-tv.de/Busse)

Aber die Motorleistung allein mache es nicht, versichern unisono die Marketing-Strategen, das Auto fährt auch viel besser. Das stimmt tatsächlich. Nur hat leider nicht jeder Kunde Gelegenheit, das in der sicheren Umgebung zum Beispiel eines Handling-Parcours oder einer Rennstrecke auszuprobieren. Dort jedenfalls gibt das mit dem großen Namen der berühmtesten deutschen Rennstrecke geadelte kleine Auto eine überzeugende Figur ab.

60.000 Kunden wollten "OPC"

Dank 210-Turbo-PS fehlt es dem OPC-Nischenmodell nicht an Temperament.
Dank 210-Turbo-PS fehlt es dem OPC-Nischenmodell nicht an Temperament.(Foto: n-tv.de/Busse)

Das Buchstabenkürzel OPC steht für "Opel Performance Center", das als Entwicklungszentrale für die sportlichen Varianten des Modellprogramms 1999 den ersten Astra mit damals 160 PS herausbrachte. OPC-Modelle wurden in der Zwischenzeit außerdem für die Baureihen Meriva, Insignia, Vectra und Zafira kreiert. Gleichwohl blieb die eilige Buchstaben-Suppe Minderheitenkost. In Europa fanden sich dafür bisher rund 60.000 Kunden. Aber auch bei anderen Herstellern machen die sportlichen Ableger selten mehr als zwei oder drei Prozent des Gesamtvolumens aus.

Nicht so die absoluten Rennsemmeln. Kleine Karosse, große Leistung und viel Rennsport-Gedöns in der Optik – so lautet das Erfolgsrezept. Gemeinsam mit den kompakten SUV sind dies die einzigen Fahrzeuggattungen, die in den vergangenen Jahren stetige Zuwächse erzielen konnten. Naheliegend also, dem Appetithappen Corsa OPC noch ein Sahnehäubchen für die echten PS-Feinschmecker aufzusetzen. Traditionell sind für Opel außer Deutschland (rund ein Drittel), noch Großbritannien und die Schweiz gute Abnehmerländer für OPC-Modelle.

Das mechanische Sperrdifferenzial fördert Traktion in Kurven und das Lenkverhalten.
Das mechanische Sperrdifferenzial fördert Traktion in Kurven und das Lenkverhalten.(Foto: n-tv.de/Busse)

Außer der gesteigerten Motorleistung gibt es beim neuesten Corsa noch ein paar technische Leckerli: Das Drehmoment wurde um 20 Newtonmeter höher gelegt, das Fahrwerk um 20 Millimeter tiefer. Außerdem stammt es von Bilstein, dem renommierten Hersteller von Sport-Stoßdämpfern. Ein ebenso wohlklingender Name ist Brembo, Zulieferer der bissigen Hochleistungsbremsen, die in den geschmiedeten Leichtmetallfelgen der Vorderräder ihren vortriebsvernichtenden Dienst leisten. Technischer Clou und die eigentliche Ursache, warum die "Nürburgring Edition" so zuverlässig und zielstrebig aus der Kurve heraus beschleunigt, auch unter Last so präzise und spurhaltig einlenkt, ist das mechanische Lamellen-Sperrdifferenzial an der angetriebenen Vorderachse.

Weder sind Antriebseinflüsse in der Lenkung nennenswert, noch eine Neigung zum Untersteuern erkennbar – der Corsa vom "Ring" macht auch nach der zehnten schnellen Runde noch Spaß. Dass die Fahrleistungen im Einklang mit dem Fahrverhalten stehen, versteht sich von selbst. Nur 6,8 Sekunden von Null auf hundert, 230 km/h Spitze, damit kann man schon manchen Mittelklässler alt aussehen lassen. Den Prüfstand-Verbrauchswert von kombinierten 7,6 Litern Super je 100 Kilometer sollte man nicht allzu wörtlich nehmen. Wer die Vokabeln "Spaß" und "Leistung" ins Erleben übersetzen will, sollte besser das Doppelte veranschlagen.

Zusatzgewicht wird neutralisiert

Die 4000 Euro Mehrpreis sichern eine exklusive Ausstattung und schieres Fahrvergnügen.
Die 4000 Euro Mehrpreis sichern eine exklusive Ausstattung und schieres Fahrvergnügen.(Foto: n-tv.de/Busse)

Anders als andere Kleinwagen mit sportlichen Ambitionen leidet der dieser Corsa jedoch nicht an Magersucht. Durch Felgen und Bremsen werden zwar einige Kilo ein gespart, durch das zusätzliche Differenzial werden sie jedoch neutralisiert. So kommen der Zwerg-Athlet und sein Fahrer auf ein Kampfgewicht von knapp mehr als 1,3 Tonnen. Ein Opel Admiral aus dem Jahr 1964 wog da nur unwesentlich mehr. Aber der hatte auch kein ESP, keine Airbags und keine elektrischen Fensterheber.

Die rennsportbegeisterten Briten sind mit dem Begriff Nürburgring durchaus vertraut. Sie bekommen den schärfsten Corsa allerdings unter ihrem Heimatlabel "Vauxhall" angeboten. Dass der Namenszusatz gleichzeitig in "Brands Hatch" oder "Silverstone Edition" geändert wird, ist nicht zu erwarten.

Quelle: n-tv.de

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