Der neue VW TouaregDrei Motoren müssen reichen
Dem neuen VW Touareg fehlt es weder an Souveränität noch an Überzeugungskraft. Im Gegenteil: Der Hybrid verringert seinen Verbrauch um 25 Prozent.
Wenn man vertraulich mit deutschen Automobil-Ingenieuren spricht, kann man ihre Zweifel nicht überhören. "Ich verstehe diese ganze Hybrid-Hysterie überhaupt nicht", sagt einer, der sich auskennt mit der Technik, "umweltmäßig gesehen kann der Hybrid nichts, was unser Diesel nicht auch könnte".
Aber, das zeigt auch der gerade vorgestellte VW Touareg, ohne Hybrid im Programm geht es nicht mehr. BMW hat ihn schon im X6, der nächste Porsche Cayenne wird ihn bekommen und auch ein neuer Audi Q7 wird ihn brauchen. Schuld sind die Amerikaner. Diesel mögen sie nicht, Hybrid klingt modern und sauber, diese Autos wollen viele haben. Auch wenn künftig nur geschätzte fünf Prozent der Touareg-Produktion mit dem kombinierten Elektro-Verbrennungsantrieb geordert werden, ein Hybrid ist ein "Muss" geworden, wenn ein Hersteller als zukunftsorientiert gelten will.
Der erste Touareg kam 2002 auf den deutschen Markt, seitdem sind weltweit mehr als 500.000 Stück abgesetzt worden. Im Jahr 2009 wurden in Deutschland 4800 Neuzulassungen registriert, da waren eher kleine Autos gefragt. Gegenüber 2008 bedeutet das einen Rückgang von fast 50 Prozent, aber auch die Wettbewerber von BMW (X5) oder Mercedes (ML) mussten Federn lassen. Mit dem Trick, endlich auch einen Dieselmotor ins Angebot zu nehmen, konnte der Porsche Cayenne seinen Absatz von 2008 fast stabil halten.
Künftig ohne V8- und W12-Benziner
Nicht ohne Stolz weisen die VW-Verantwortlichen darauf hin, dass es gelungen sei, den neuen Touareg rund 200 Kilogramm leichter zu machen, als der Vorgänger es war. Der Hybrid mag dabei so modern und umweltfreundlich sein wie er will, aber das 380 PS starke Doppelherz ist auch das schwerste Modell der Baureihe. Mit 2315 Kilogramm Leergewicht bringt es sogar noch 18 Kilogramm mehr auf die Waage als die Ausführung mit dem V8-Dieselmotor. Drittes Aggregat im Angebot ist der V6-Diesel "Blue Motion" (240 PS). Der bisherige V10-Diesel wird durch den 340 PS starken V8 ersetzt. Das allgemeine Abrüsten hat die V8- und W12-Benziner die Existenz gekostet. Sie wurden ersatzlos gestrichen, obwohl aus dem Mittleren Osten und China immer noch geringe Stückzahlen bestellt wurden.
Dank der effizienten Motoren kann sich VW nun damit brüsten, quer durch die Baureihe den Verbrauch um 25 Prozent verringert zu haben. Die Verwendung eines so genannten Parallelhybrids verleiht dem Kombiantrieb eine besondere Eigenschaft: Elektro- und V6-Verbrennungsmotor können komplett entkoppelt werden, was das vortriebsmindernde Motorschleppmoment ausschaltet und ein verbrauchs- und abgasfreies "Segeln" bis 160 km/h ermöglicht. Bis 50 km/h kann der Touareg elektrisch fahren, aber nur maximal zwei Kilometer, dann muss der Verbrenner wieder die Batterie laden. Alle Modelle verwenden ein achtstufiges Automatikgetriebe aus ZF-Produktion, das in ähnlicher Form auch im Audi A8 und in verschiedenen BMW-Modellen zum Einsatz kommt.
Mit knapp 4,90 Metern wuchs die Außenlänge vier Zentimeter, ebenfalls legte der Radstand zu, so dass im Innenraum endlich auch für die Fondpassagiere ein klassen- und preisgemäßes Raumgefühl aufkommt. Etwas weniger Fahrzeughöhe (minus zwei Zentimeter) lassen den neuen Touareg gestreckter und weniger wuchtig aussehen als den Vorgänger. Außer der neu gestalteten Frontpartie, deren über den Nebelscheinwerfern liegenden Lufteinlässe ein wenig an die erste Generation des Porsche Cayenne erinnern, wurde auch die Grafik der Seitenfenster verändert. Die beiden Auspuff-Endrohre in Trapezform sind die optischen Akzente der Heckpartie.
Fernlicht automatisch blendfrei
Mustergültig in Gestaltung und Qualitätsanmutung stellt sich der Innenraum dar. Klare stylistische Gliederungen, angenehme Verkleidungs-Oberflächen, geschmackvolle Holzeinlagen, bequeme und seitenstabile Sitze. Die Rückbank kann um bis zu 16 Zentimeter nach vorn oder hinten verschoben und dreifach geteilt werden, so dass der Kofferraum ohne Umlegen der hinteren Sitze zwischen 580 bis 660 Liter fasst. Um ein weiteres, für das Basismodell mit 1880 Euro zu Buche schlagendes Extra ist das Angebot der Assistenzsysteme ergänzt worden. Der so genannte "Dynamic Light Assist" sorgt kameragesteuert für ein weit reichendes Fernlicht, das automatisch die Blendung entgegen kommender Verkehrsteilnehmer verhindert.
Statt das Fernlicht in Abblendlicht zu verwandeln, wie es manuell oder mit bisherigen Lichtassistenten möglich ist, werden im Touareg-Scheinwerfer kleine Blechblenden vor die Lichtquelle geschoben. So werden im Lichtkegel vor dem Fahrzeug kleine abgedunkelte Bereiche geschaffen, die den Gegenverkehr schonen. Die automatische Abstandkontrolle wurde ebenfalls weiter entwickelt und kann jetzt auch bis in einen Stopp-and-Go-Modus hinein den Abstand zum Vordermann regeln. Eine Petitesse zwar, aber nicht recht nachvollziehbar ist das Fehlen einen USB-Anschlusses für die ebenfalls neue Dynaudio-Bordanlage. Statt der universellen Verbindungsmöglichkeit für externe Klangquellen, die selbst bei vielen Importmodellen zum Standard gehört, setzt VW auf eine Multimediabuchse mit Adapterkabel, was für 170 Euro Aufpreis bestellt werden muss.
Keinem der drei Modelle fehlte es bei den Testfahrten an Souveränität und Überzeugungskraft. Der Hybrid verwöhnt durch gehörschonende Klangentwicklung, nur beim kräftigen Hochdrehen des Kompressor-V6 legt er seine Zurückhaltung vorübergehend ab. Dass das Fahrzeug in der Praxis den auf dem Rollenprüfstand ermittelten 8,2 Liter je 100 Kilometer nahe kommt, muss bezweifelt werden. Zu groß ist das Bedürfnis der Fahrer nach agilem Auftritt, denn präzise Lenkung und sauber abgestimmtes Fahrwerk verlangen nach dynamischer Gangart. Zweistellige Verbrauchswerte dürften da schon eher die Regel sein.
Einstiegsdiesel wird zum Sympathieträger
Der V8-Diesel beeindruckte durch stolze 800 Newtonmeter Drehmoment, die er bei mutigem Gasfuß auch kompromisslos zum Einsatz bringt. Auf kurvenreichen Landstraßen bewegt man die Wuchtbrumme mit der erfreulichsten Wirkung, wenn man den Getriebemodus auf "S" und das Fahrwerk auf sportliche Härte einstellt. Die in diesem Fall fällige Vergnügungssteuer von etwa einem Liter Diesel zusätzlich (Normverbrauch 9,1 Liter) ist gemessen am Fahrspaß ein hinnehmbarer Aufwand.
In der Summe seiner Eigenschaften aus Wirtschaftlichkeit, Komfort und Fahrvergnügen ist der V6-TDI wahrscheinlich die beste Wahl. 240 PS erscheinen im Vergleich zu den Schwestermodellen schmalbrüstig, erweisen sich in der Praxis aber als absolut ausreichend. Das geringere Gewicht spielt dabei sicher eine Rolle, aber auch die 550 Newtonmeter Drehmoment, die fast auf dem Niveau des Hybridantriebs liegen. 7,4 Liter Normverbrauch und nur zwei Gramm mehr CO2 als der Hybrid machen ihn zum Sympathieträger. Eingedenk der Tatsache, dass höchstens jeder Zwanzigste Touareg einmal in die Verlegenheit kommt, seine umfassenden Geländeeigenschaften einzusetzen, hat VW neuerdings auch ein abgespecktes 4x4-Paket im Angebot. Wer ohne zwei Differenzialsperren und Geländeuntersetzung nicht auskommen kann, bestellt sich die komplette Offroad-Ausrüstung für 1900 Euro einfach dazu.