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Seit dem 10. November 2012 steht der Golf bei den Händlern.
Seit dem 10. November 2012 steht der Golf bei den Händlern.(Foto: picture alliance / dpa)

Analyse zum Absatz des Golf "unseriös": Dudenhöffer und VW zoffen sich

Der Golf ist seit 37 Jahren ein Bestseller. So verwundert es nicht, dass auch die Nummer sieben an diese Erfolge anknüpfen soll. Doch dessen Zulassungen laufen laut einer Untersuchung des CAR-Instituts nicht so an wie erhofft. Volkswagen bezeichnet die Studie als "unseriös".

Der Streit zwischen dem Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer und Volkswagen um den Start des Golf 7 schwelt weiter. In einer Analyse schreibt der Chef des CAR-Instituts an der Uni Duisburg-Essen, während der beiden ersten Verkaufsmonate im November und Dezember hätten die deutschen Neuzulassungen der Fließheck-Variante mit insgesamt 16.537 Stück auf einem 17-Jahres-Tief gelegen. Zudem setze VW wieder auf Prämien für seine Händler, um den Absatz des neuen Golf zusätzlich anzukurbeln.

Vergleich entbehrt "jeder Grundlage"

Der Konzern wies diese Darstellung scharf zurück. Zwar beruft sich Dudenhöffer auf offizielle Daten des Kraftfahrtbundesamtes. Dennoch mache er "unseriöse Vergleiche", wenn er die Anlaufphase eines Modells einer Phase der Marktreife und weit größerer Produktionsmengen in anderen Jahren gegenüberstelle: "Das entbehrt jeder Grundlage", argumentiert VW.

Volkswagen liefert den Golf 7 in Deutschland seit dem 10. November aus. Daher sei es allein schon irreführend, Daten aus lediglich zwei Dritteln des Monats in den Vergleich einzufügen, kritisierten die Wolfsburger. Überdies sei in den meisten Bezugszeiträumen die gesamte Palette mit Golf Plus, Golf Variant und weiteren Versionen auf dem Markt gewesen. Von der jüngsten Auflage gebe es nur die Basisversion.

Aus Dudenhöffers Sicht ist die Methode unproblematisch. Schließlich ziehe er für seinen Vergleich ohnehin nur Fließheck-Modelle für die Statistik heran. Das, so der Chef des CAR-Instituts, reiche als Vergleichsmaßstab aus. Darüber hinaus zeigten die reinen Neuzulassungen bei Privat- und Firmenkunden, dass VW zahlreiche Autos als Werks-, Miet- oder Händler-Fahrzeuge anmelde. Auf dieser Basis habe sich der Golf zuletzt sogar schlechter entwickelt als der BMW 1er oder die Mercedes-A-Klasse.

Angesichts der großen Nachfrage plant VW Sonderschichten für die Produktion des Golf VII.
Angesichts der großen Nachfrage plant VW Sonderschichten für die Produktion des Golf VII.(Foto: Abdruck fuer Pressezwecke honora)

Das neue Einstiegsmodell von Daimler startete schon im September, das Kraftfahrtbundesamt weist hier für jenen Monat nur etwas mehr als 2600 Neuzulassungen aus. Die von Dudenhöffer genannten Daten für den November und Dezember berücksichtigten daher nicht, dass das Modell zu diesem Zeitpunkt länger am Markt war als der Golf 7, hieß es bei VW.

Auch der n-tv.de Autoexperte Helmut Becker vom Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation steht der Analyse skeptisch gegenüber: "Seit zehn Jahren stagniert der Automarkt in Deutschland. Der Absatz liegt in der Summe hier nur noch bei circa drei Millionen Fahrzeugen pro Jahr, ist also mit Hochphasen, die es beispielsweise nach der Wende gab, gar nicht mehr zu vergleichen. Dementsprechend niedriger sind jetzt, in einer Phasen der Stagnation, die Produktionszahlen. Aber auch die müssten prozentual mit der Marktentwicklung verglichen werden."

Hinzu komme, so Becker, dass es bei Analysen eines international agierenden Unternehmens nicht gehe, ein einzelnes Land herauszupicken und daran die Absatzentwicklung eines Fahrzeuges festzumachen. Um seriöse Vergleichszahlen zu erhalten, so Becker, muss dem Golf ein volles Jahr gegeben werden.  

Sonderschichten wegen großer Nachfrage 

Aufgrund der europaweit guten Nachfrage mit über 100.000 Bestellungen für den neuen Golf plant Volkswagen im Stammwerk Wolfsburg unterdessen Sonderschichten. Vorgesehen sind drei Samstag-Frühschichten im ersten Quartal dieses Jahres mit einem Zusatzvolumen von rund 2000 Fahrzeugen für den europäischen Markt.

Der Auto-Professor hatte sich mit den Niedersachsen Ende 2012 einen Schlagabtausch um die Motive der VW-Preispolitik angesichts lahmender Verkäufe in Westeuropa geliefert. Dudenhöffer warf dem Konzern vor, den Kampf um Kunden gezielt anzufachen. Vor Weihnachten habe sich die Lage dann aber entschärft. Volkswagen hielt dagegen: Der Forscher habe Einzelfälle übertrieben und verallgemeinert.

Nach Angaben von VW wurden in den Werken Wolfsburg und Zwickau im Jahr 2012 erneut mehr als 800.000 Golf ausgeliefert. Kein anderes Auto Europas ist erfolgreicher und beliebter, so die Wolfsburger. Seit nunmehr neun Jahren führt der Golf ununterbrochen die Liste der meistverkauften Autos in Europa an; in Deutschland ist der Golf sogar seit 37 Jahren Marktführer.

Quelle: n-tv.de

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