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Das Mercedes E-Klasse Coupé sieht nicht nur schnittig aus, sondern ist mit der richtigen Motorisierung auch ein echter Spaßmacher.
Das Mercedes E-Klasse Coupé sieht nicht nur schnittig aus, sondern ist mit der richtigen Motorisierung auch ein echter Spaßmacher.(Foto: Walter Tillmann)

Weniger ist manchmal mehr: E-Klasse Coupé - ohne Sicken beflügelt?

Von Holger Preiss

Das Mercedes E-Klasse Coupé ist der vorletzte Neuzugang unter dem runderneuerten E. Die sickenfreie Optik von Gorden Wagener ist auch ein Fahrversprechen. Ob das neue Coupé es halten kann, durfte n-tv.de bereits erfahren.

Der E 400 ist mit seinem V6 ein echtes Kraftpaket, hat an manchen Stellen aber einfach zu viel.
Der E 400 ist mit seinem V6 ein echtes Kraftpaket, hat an manchen Stellen aber einfach zu viel.(Foto: Walter Tillmann)

Es ist keine zwei Monate her, dass Mercedes-Designchef Gorden Wagener das "Ende der Sicken" ausgerufen hat. Was der Mann meint, ist wohl am ehesten zu sehen, wenn man sich das neue E-Klasse Coupé ansieht. Bereits hier sind die Falze im Blech verschwunden und nur über die Wölbungen wird eine entsprechende Spannung erzeugt. Lediglich eine von unten ansteigende Balance-Linie strukturiert Seitenwand und Tür.

Doch viel wichtiger ist, dass Wagener ein reinrassiges Coupé mit seinen typischsten Merkmalen gezeichnet hat: muskulöses Heck, flaches Greenhouse, rahmenlose Seitenscheiben, hohe Bordkante, Verzicht auf B-Säule, lange Motorhaube mit Powerdomes und ein sehr tief positionierter Sportgrill. Das alles ist in der Summe auch ein Fahrversprechen.

Die Erfüllung des Fahrversprechens

Die definitive Einlösung desselben ist natürlich der E 400 4Matic. Mit seinem 3.0 Liter V6 ist er abseits eines AMG die konsequenteste Befeuerung des Sport-Coupés. Über vier Fahrstufen, die von Eco, über Comfort bis hin zu Sport und Sport Plus reichen, lässt sich das Temperament befeuern oder zügeln. Wer das Plus ertastet und das Gaspedal ungestüm ins Blech bügelt, darf mit einer sportlich festen Dämpfereinstellung und einer entsprechend ruppigen Reaktion des Stuttgarters rechnen. Unter fauchenden V6-Klängen werden 480 Newtonmeter mobilisiert und sehr druckvoll auf die Achsen geschaufelt. Ein Kavalierstart bleibt aus, dafür kickt der Kopf beim Vortrieb der 1,8 Tonnen kurz an die Kopfstütze des ausgezeichnet ausgeformten Sportsitzes. Die folgenden 5,3 Sekunden, die es braucht, bis Tempo 100 erreicht ist, nutzt der Fahrer, um das Haupt in die Ausgangsposition zurückzuführen. Wie bei potenten Mercedes-Modellen endet der Vortrieb auch für das E 400 Coupé bei abgeregelten 250 km/h.

Kürzer als beim Mercedes E-Klasse Coupé kann ein Überhang nicht sein.
Kürzer als beim Mercedes E-Klasse Coupé kann ein Überhang nicht sein.(Foto: Walter Tillmann)

Wie alle E-Klasse Coupés ist auch der E 400 mit Blick auf die Limousine 15 Millimeter Richtung Boden bewegt worden. Hinzu kommt eine Spurverbreiterung im Vergleich zum Vorgänger um fast sieben Zentimeter an Vorder- und Hinterachse, was den Wagen insgesamt sehr satt auf der Straße liegen lässt. Zum Vorteil gereicht dem Sportfahrer hier auch die sehr direkt abgestimmte Lenkung, die vor allem Kurvenfahrten zum Spaßprogramm erhebt. Allerdings bleibt zu beachten, dass der E 400 schon ein Schwergewicht ist, das in den Kurven ein drängendes Verlangen entwickelt. Das lässt sich auch mit Hilfe der elektronischen Helfer leicht dirigieren, sollte aber in den Fokus der Erwartungen eingebunden werden, wenn man den E 400 in die Kehre zwingt.

Die Empfehlung ist der E 300

Wer derartige sportliche Amplituden bei nicht weniger Spaß etwas kleiner halten will, der sollte unbedingt dem E 300 eine Chance geben. Den befeuert zwar "nur" ein Vierzylinder, aber der hat es mit 245 PS in sich. Nicht so brachial wie der V6 verteilt die Neungang-Automatik hier die 370 Newtonmeter an die Hinterachse und schiebt den 200 Kilogramm leichteren Sportler gefühlt wesentlich flotter ums Eck. Lediglich 0,9 Sekunden mehr werden benötigt, um aus dem Stand auf Landstraßentempo zu kommen. Wie beim E 400 ist der Beschleunigung bei 250 km/h die elektronische Grenze gesetzt worden. Noch etwas spricht für den E 300: der Verbrauch. Während der Sechsender - zugegebenermaßen mit nicht gerade leichtem Gasfuß - über 150 Kilometer auf 12,4 Liter kam, begnügte sich der kleine Coupé-Bruder mit 10,2 Litern. Sanft bewegt ließ er sich sogar zu einem Sparverbrauch von 7,6 Litern überreden. Hier können also nicht nur beim Einstiegspreis von 54.740 Euro ganze 10.000 Euro gespart werden, sondern auch beim künftigen Abspulen der Kilometer.

333 PS leistet der Dreiliter V6 im E 400.
333 PS leistet der Dreiliter V6 im E 400.

Verbrauchstechnisch die vernünftigste Variante ist natürlich der Effizienzmeister im Motorenportfolio der 220 d, den es bereits ab 50.575 Euro gibt. Wobei einschränkend angemerkt werden muss, dass das Triebwerk zwar im E-Klasse T-Modell in Gänze überzeugte, die Begeisterung im Coupé sich hingegen in Grenzen hielt. Spätestens wenn man die oben genannten Benziner unter dem Fuß hatte, fühlt sich der Vierzylinder-Diesel nicht wirklich spritzig an. Da helfen auch die 400 Newtonmeter maximales Drehmoment nicht. Im Comfort-Modus reagiert der 220 d eher zögerlich auf spontane Gaspedalbewegungen. Im Modus Sport und Sport Plus wird es zwar zackiger, aber für ein so schnittiges Coupé wie die E-Klasse nicht wirklich dynamisch. Das ist aber ein sehr subjektiver Eindruck, denn die Werte sprechen eine andere Sprache: 7,4 Sekunden braucht es bis Tempo 100, in der Spitze sind 242 km/h möglich. Das ist alles andere als schnarchig, wirkt aber nach der Fahrt in einem E 400 und E 300 recht verhalten.

Hinzu kommt, dass der Diesel in den Kurven recht leicht wirkte, es mit 1,7 Tonnen aber eigentlich nicht ist, sondern sogar 100 Kilogramm mehr auf die Waage bringt als der E 300. Diese Leichtigkeit kann aber auch dem Umstand geschuldet sein, dass der Diesel erstmals mit 4Matic, also mit Allrad unterwegs war. Was ihn natürlich für Viel- und Ganzjahresfahrer attraktiv macht, denn der Verbrauch lag bei 8,2 Litern im Schnitt. Das hört sich jetzt viel an, sollte mit Blick auf die Fahrweise aber durchaus in Richtung 6,8 Liter bewegt werden können. Abseits der Motorisierung ist für Fahrer mit sportlichen Ambitionen auch die Wahl der Sitze entscheidend. Die Komfortpolster machen ihrem Namen alle Ehre, sind aber für die schnelle Runde nicht ganz so gut geeignet. Hier sollten die Sportpolster oder gar die AMG-Sitze ins Auge gefasst werden.

Alltagstauglich mit Assistenten

Die zwei Einzelsitze im Fond des E-Klasse Coupés nehmen auch zwei Erwachsene auf.
Die zwei Einzelsitze im Fond des E-Klasse Coupés nehmen auch zwei Erwachsene auf.(Foto: Walter Tillmann)

Was unabhängig von der Motorisierung allen E-Klasse Coupés gemein ist, ist der Stauraum von 425 Litern und zwei Einzelsitze im Fond, die hier auch zwei Erwachsene aufnehmen, ohne dass die sich mit den Knien die Ohren zuhalten müssen oder sich die Kniescheiben an den Rückenlehnen der Vordersitze reiben. Auch der Kopf hat, wenn man die 1,87 Meter nicht überragt, trotz des stark abfallenden Dachs Platz. Ob man dort mehr als zwei Stunden verbringen möchte, muss jeder für sich herausfinden. Möglich ist es auf jeden Fall.

Größtes Entspannungspotenzial genießt, wie in den anderen E-Klasse-Modellen, der Fahrer. Der kann sich serienmäßig auf den aktiven Brems-Assistenten verlassen, der nicht nur querende Autos, sondern auch Fußgänger erkennt und im Ernstfall bis zum Stillstand abbremst. Ebenfalls serienmäßig sind der Aufmerksamkeits- und Seitenwind-Assistent. Optional gibt es den Abstands-Piloten mit aktivem Lenkeingriff, der den Wagen bis zu einer Geschwindigkeit von 210 km/h auf Kurs hält und ebenfalls selbständig bremst, Gas gibt und den Abstand zum Vordermann überwacht. Wer den Blinker setzt, kann die Elektronik auch veranlassen, selbständig ein Überholmanöver einzuleiten.

Zwischen Spaß und Genießen. Dem Fahrer stehen im E-Klasse Coupé alle Optionen offen.
Zwischen Spaß und Genießen. Dem Fahrer stehen im E-Klasse Coupé alle Optionen offen.(Foto: Walter Tillmann)

Bis Tempo 130 funktioniert das System sogar bei nicht eindeutigen Spurmarkierungen, zum Beispiel bei Baustellen. In solchen Situationen hängt sich die Elektronik an den Vordermann, behält aber auch Fahrzeuge hinter und neben sich in den Sensoren. Inzwischen Alltag ist in den neusten Mercedes-Modellen die selbständige Fahrt im Stau. Inzwischen ist der Frontradar auch beheizt, was die Verfügbarkeit auch bei Minusgraden garantiert. Stressvermeidend und neu ist der zuschaltbare Geschwindigkeitslimit-Pilot. Der erkennt Geschwindigkeitsbeschränkungen über die Frontkamera und regelt die Fahrt entsprechend ein und verhindert so teure Schnappschüsse der Polizei.

Die intelligentesten Wischer im Automobilbau?

In der Summe sind das wohl die sinnvollsten Investitionen, die man in das E-Klasse Coupé packen kann, obgleich sie nicht billig sind. Ob es nottut, sein Auto über das Smartphone in die Parklücke zu jonglieren ist wohl von den persönlichen Gegebenheiten abhängig. Unstrittig ist hingegen das neue Scheibenreinigungssystem mit dem bezeichnenden Namen Magic Vision Control. Statt des sonst zum Teil unkontrollierten Wasserschusses auf die Frontscheibe wird es hier zusammen mit dem Reinigungsmittel über Sprühöffnungen im Wischerblatt verteilt. Dabei liegen die Austrittsöffnungen außen enger nebeneinander als innen, weil die zu reinigende Fläche an den Außenseiten größer ist.

Bei der Wasserzufuhr passt sich das System den äußeren Bedingungen an. Das heißt, im Sommer wird weniger Wasser freigegeben als im Winter, wenn Streusalzränder die Sicht verwehren. Hinzu kommt, dass die Wischblätter im E-Klasse Coupé komplett beheizt werden. Der Wischwasserbehälter wird im Übrigen mit der Kühlwasserabwärme beheizt. In der Summe ist das E-Klasse Coupé kein billiges, aber in sich geschlossenes und sehr gelungenes Auto, das je nach persönlicher Ausrichtung keine Wünsche offen lassen dürfte. Grundvoraussetzung ist natürlich immer ein entsprechend gut gefülltes Konto.

Quelle: n-tv.de

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