Auto
Noch ist sich Sergant Daniel Gomez nicht sicher, ob er den Interceptor von Ford oder den i3 besser finden soll. Oder eigentlich doch?
Noch ist sich Sergant Daniel Gomez nicht sicher, ob er den Interceptor von Ford oder den i3 besser finden soll. Oder eigentlich doch?

Elektroautos im Polizeieinsatz: Ein Interceptor unter Strom?

In Los Angeles ist das Elektroauto längst gesellschaftsfähig. Jetzt will auch die Polizei in der Metropole umsteigen. Doch bevor allerdings auch die Streifenwagen unter Strom stehen, wird es wohl noch etwas dauern.

Um die Wege von A nach B zu erledigen ist ein Elektroauto auch für Polizisten des LAPD tragbar.
Um die Wege von A nach B zu erledigen ist ein Elektroauto auch für Polizisten des LAPD tragbar.

4000 Autos, 400 Motorräder, viele hundert Transporter vom Kleinbus bis zum Panzerwagen, eine Handvoll Flugzeuge und zwei Dutzend Hubschrauber – als Flottenchef beim Police Department von Los Angeles ist Vartan Yegiyan Herr über einen imposanten Fuhrpark. Doch in diesen Tagen steht Yegiyan vor einer Neuanschaffung, die ihm reichlich Kopfzerbrechen bereitet. Denn sein Bürgermeister Eric Garcetti will Los Angeles zum Vorbild für grüne Mobilität machen in einer Stadt, in der die Stars alle Tesla fahren, in der ein BMW i3 mittlerweile alltäglich ist und man mehr Toyota Prius sieht als bei uns VW Golf, will er auch den städtischen Fuhrpark lieber heute als morgen auf Elektro-Autos umstellen.

"Und das LAPD soll mit guten Beispiel voran gehen", sagt Yegiyan. Die Stadt will bis nächstes Jahr bei 50 Prozent ihrer Neuanschaffungen auf E-Mobile umstellen. Bis 2025 plant sie mit einer Quote von 80 Prozent und kommt so mittelfristig auf 2000 Akku-Autos. Das LAPD will bereits in diesem Sommer die ersten 100 elektrischen Polizeifahrzeuge in den Dienst stellen, sagt Yegiyan: "Damit hätten wir in Los Angeles und wahrscheinlich im ganzen Land die größte Flotte an Elektrofahrzeugen bei einer städtischen Behörde."

Vor dem Einsatz kommt der Test

Würde man beim Elektroauto die Sirene und das Warnlicht einschalten käme man nicht mehr weit.
Würde man beim Elektroauto die Sirene und das Warnlicht einschalten käme man nicht mehr weit.

Die Entscheidung macht sich der Mann, der sonst in viel größeren Stückzahlen denkt, allerdings nicht leicht. "Die Steuerzahler erwarten von uns, dass wir ihre Dollars mit Bedacht ausgeben", weiß Yegiyan. Zwar hofft er mittelfristig auf niedrigere Betriebskosten und geringere Ausgaben für Verschleißreparaturen. Doch damit er künftig klarer sieht, hat er vor ein paar Wochen erst einmal Testwagen von allen Elektrofahrzeugen am Markt bestellt. Er will wissen, wie sich die Autos im Alltag schlagen, wie groß die Reichweite in einem so ungewöhnlichen Einsatzgebiet mit den steilen Hügeln hinter Hollywood, dem Dauerstau auf den Interstates und der oft drückenden Hitze im Stadtkessel tatsächlich ist und ob die Stromer wirklich die sechs Jahre oder 100.000 Meilen durchhalten, die der Manager von seiner Flotte fordert. Neben einem Nissan Leaf und einem Tesla Modell S trägt deshalb jetzt auch ein BMW i3 das Livree des LAPD, hat eine schwarz-weiße Folierung mit dem großen Dienstwappen "To Protect And To Serve" auf der Tür und zumindest für Fototermine auch den Lichterkranz auf dem Dach.

Sonderlich oft hat Daniel Gomez die gleißend helle Lichtorgel allerdings noch nicht angeschaltet. Der Sergeant ist Yegiyans Technikchef und einer seiner wichtigsten Testfahrer. Und natürlich schwärmt er bei der gemeinsamen Ausfahrt im i3 pflichtschuldig vom ruhigen Ritt durch den Moloch der Großstadt, von der fast schon entschleunigenden Wirkung des Elektroantriebs und davon, wie oft ihm die Passanten plötzlich ein freundliches Lachen zuwerfen. Doch nutzt er den Exoten aus Good Old Germany bislang nur für den internen Verkehr zwischen den über 100 Dienststellen der vielleicht berühmtesten Polizeibehörde im Land, für Promotiontouren oder für zivile Erledigungen. Und natürlich – dann aber ohne die auffällige Folierung – für verdeckte Ermittlungen. Wenn er offiziell auf Streife geht oder es sonstwie brenzlig wird, bleiben die Akku-Autos in der riesigen Polizeigarage in der Main Street, einen Steinwurf vom Rathaus entfernt.

Ein Interceptor wird der i3 nicht

E-Autos sind für das LAPD mehr als ein grünes Mäntelchen.
E-Autos sind für das LAPD mehr als ein grünes Mäntelchen.

Dann vertraut Gomez lieber seinem Ford Explorer, der für den Polizeieinsatz zum Interceptor, zum Abfangjäger wird. Schließlich hat der Werkstattmeister in jeden dieser vielen hundert Streifenwagen in Los Angeles noch einmal für rund 50.000 Dollar Technik gesteckt, die den Cops ihren Job leichter macht und schon vielen Kollegen das Leben gerettet hat. Gomez wächst förmlich um ein paar Zentimeter und die Brust mit den vielen Medaillen wird noch ein bisschen breiter, wenn er von dieser Ausstattung erzählt, als müsste er James Bond seinen neuen Dienstwagen schmackhaft machen:

Er schwärmt von elektronischen Finessen wie Kennzeichenscannern, Onboard-Kameras, WLAN-Waben, dem Kommunikationscenter und dem Jammer zur Störung der Funkfrequenzen. Er prahlt mit schusssicheren Türen, Waffenhalterungen und einer abwaschbaren Rückbank, in deren Lehne es eigens Vertiefungen für die auf dem Rücken gefesselten Arme der Verdächtigen gibt. Und er strahlt wie ein kleines Kind, wenn er von den Suchscheinwerfern und von der markerschütternden Sirene erzählt, die man selbst in der Rushhour noch vier Straßenzüge weiter hören kann.

All das in einem Elektroauto? Das kann sich Gomez noch nicht so recht vorstellen. Schon mit dem Platz wird das in einem i3 schwierig, vom Gewicht ganz zu schweigen. Und spätestens, wenn die Cops die ganzen Zusatzverbraucher anschalten, geht auch der stärkste Akku in die Knie. Selbst mit dem Tesla würde er dann wahrscheinlich nicht mehr weit kommen und für den BMW i3 wäre wahrscheinlich schon kurz hinter der Ausfahrt aus dem riesigen Parkhaus Schluss.

Glauben an die Zukunft

Natürlich hemmt das den schnellen Siegeszug der Stromer im Streifendienst. Doch für Männer wie Yegiyan und Gomez sind die elektrischen Polizeiautos trotzdem mehr als ein grünes Mäntelchen, mit dem sich der Bürgermeister schmücken möchte. Sondern sie glauben beide fest an die Zukunft des Elektroautos und rüsten deshalb kräftig auf. Nicht nur am Stützpunkt in der Main-Street wollen sie ein ganzes Parkdeck mit hundert Ladesäulen ausrüsten. Überall in den 22 Garagen des LAPD sollen die Stromer demnächst tanken können, damit sie im gesamten Operationsgebiet von 480 Quadratmeilen mobil blieben. "Niemand sollte darauf hoffen, dass er uns entkommt, nur weil die Akkus unserer Autos leer sind", warnt Gomez die Ganoven.

Was das LAPD nicht alleine stemmen kann, dass wird, so ist Yegiyan überzeugt, der Fortschritt richten: "Die Technik entwickelt sich so schnell weiter, dass wir auf die ersten elektrischen Einsatzfahrzeuge ohne Einschränkungen sicher nicht mehr lange warten müssen", ist der Fuhrparkleiter überzeugt. Etwas anderes bleibt ihm aber auch gar nicht übrig. Denn nicht nur der Bürgermeister macht Druck, sondern auch der Gouverneur von Kalifornien hat eine strenge Marschrichtung vorgegeben: "Ab 2050 sollen in Kalifornien keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden", sagt Yegiyan: "Wenn wir das erst meinen, dann müssen wir langsam mit dem Umstieg anfangen. Denn die drei Jahrzehnte sind schneller rum, als wir glauben."

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen