Auto

Proberunde mit dem Volkswagen Up!Ein Kleiner will nach oben

17.10.2011, 10:18 Uhr
imagevon Mathias Lillge
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Der neue Kleinstwagen von VW solll den Kleinwagenmarkt vor allem in Deutschland und in Italien aufmischen. (Foto: n-tv.de/Mathias Lillge)

Im Hause Volkswagen sind die Messer gewetzt: Der Autokonzern will sich vom Kuchen des Kleinstwagenmarktes ein ordentliches Stückchen abschneiden. Und wohin dann damit? Natürlich dorthin, wo VW sich selber schon länger sieht – nach oben. Ganz "Up!" eben.

So richtig geschmeidig will die Bezeichnung des neuen Modells nicht über die Zunge gehen. "Up!" wie? Spekulationen, es handele sich um einen buchstabenmäßig reduzierten Lupo, werden von den Wolfsburger Autobauern entschieden dementiert. Vielmehr verbirgt sich hinter "Up!" laut Werksaussage die aus Sicht der Wolfsburger erfolgreiche Realisierung einer Design-Studie aus dem Jahre 2007. Und mit dem Ausrufezeichen, so die Marketingstrategen, soll klargemacht werden, dass der Kunde auch bei diesem Volkswagen kompromisslose Qualität erwarten darf. Trotzdem: Nach all den eingängigen Typenbezeichnungen der Vergangenheit ist die neue Sprachschöpfung eher gewöhnungsbedürftig! Und das mit Ausrufezeichen.

Mit einer Fahrzeuglänge von 3,54 Metern und einem Einstiegspreis von 9850 Euro stellt sich die Frage, für wen die Wolfsburger diesen Winzling konzipiert haben? Nach der Vertriebsplanung zielt man mit dem "Up!" vorwiegend auf die Portemonnaies markenbewusster junger Menschen bis 35 und auf die der Endfünfziger. Für beide Gruppen soll das Thema "Mobilität in der Stadt" zu einem vergleichsweise günstigen Preis angeboten werden. Stellt sich noch die Frage, welche zeitgemäßen Standards des Automobilbaus in einer vernünftigen und marktfähigen Relation zum Gesamtpreis überhaupt in den "Up!" integriert werden können?

Bremst im Notfall selbst

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Markante Schnauze: Die Frontpartie fügt sich im Design in die Linie der großen VW-Familie ein. (Foto: n-tv.de/Mathias Lillge)

Der Blick in die Preisliste verrät es: Zum Einstiegspreis erhält man mit der Ausführung "Take up" ein eher spartanisch ausgestattetes Auto. Zwar mit ABS, ESP, Schlupfregelung sowie Front und Schulter-/Thorax-Airbags. Aber ohne sonstiges schmückendes Beiwerk. Und mit der Dreizylinderbasismotorisierung (60 PS) lässt sich das Auto nur mit viel Zurückhaltung auf der Straße annähernd in den Bereich des angegebenen Spritverbrauchs von 4,2 Litern bewegen.

Wer also mehr will, muss tiefer in die Tasche greifen. Mit der Ausstattungslinie "Move up" geht es dann um 650 Euro über die 10.000er Schallmauer – und mit Zentralverriegelung, elektrischen Fensterhebern oder der geteilten Rücksitzbank ziehen teilweise gängige Standards ein. Erst ab 12.450 Euro erhält man mit der Linie "High up" ein wirklich schnuckeliges Gefährt. Alu-Felgen, Klimaanlage, Radio-System, Designelemente, elektrisch beheiz- und verstellbare Außenspiegel im Innenraum schaffen ein für die avisierten Zielgruppen interessantes Gesamtpaket.

Nimmt man noch ein wenig mehr Geld in die Hand, gewinnt der neue "Up!" in Sachen Sicherheit und Komfort. Für 590 Euro gibt es das "Drive pack plus". Neben Tempomat, elektronischer Einparkhilfe und einer Multifunktionsanzeige gibt es mit dem City-Notbrems-Assistenten ein ordentliches Stück Sicherheit dazu. Ein in die Frontscheibe integriertes Laser-Modul scannt das Auto-Vorfeld. Bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h leitet das System im Falle einer anzunehmenden Kollision mit festen oder beweglichen Hindernissen eine Vollbremsung ein. Dies kann insbesondere in Städten abgelenkten Fahrern - oder eiligen Fußgängern - mehr Sicherheit geben.

Assistenzsysteme wie ein Großer

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Der "Up!" in der Heckansicht: Die Kofferklappe ist bis auf den Spoiler komplett verglast. (Foto: n-tv.de/Mathias Lillge)

Mit "Maps & more" lässt sich der "Up!" – sofern er bereits das Radiosystem an Bord hat – ab 355 Euro auch in Sachen Navigation und Unterhaltung aufwerten. Basis ist ein aus dem Hause Navigon übernommenes mobiles Navigationssystem, dass zusätzlich in weiteren Bereichen mit der Bordelektronik vernetzt wurde. So können beispielsweise auch Informationen wir Gang-Wahl oder aktueller Verbrauch angezeigt werden. Kleines Manko: Die Bedienfelder auf den Touchpad-Display sind nichts für die Fingerkuppen ausgewachsener Männerhände.

Seine Stärken spielt der neue "Up!" tatsächlich am besten in der Stadt aus. Sofern man den Motor mit 75 PS fährt – und nicht mit den im Display angezeigten Schalthinweisen den Verbrauchswert laut Prospekt erreichen will. Dann geht es spritzig und wendig zur Sache – auch wenn höhere Drehzahlen akustisch ungeniert in den Innenraum dringen. Aber wenn Mittel- oder Oberklässler noch immer nach einem Parkplatz suchen, sitzt die Besatzung eines "Up!" dank der kurzen Fahrzeuglänge und der elektronischen Einparkhilfe längst entspannt bei einem Capuccino. Den "Up!" gibt es auch mit einem 68 PS starken Erdgasmotor. Mit diesem soll es gelingen, eine Kohlendioxid-Emission von lediglich 79 g/km zu erzeugen. Eine ordentliche Hausnummer.

Familienzuwachs längst geplant

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Ganz so viel Platz, wie das Weitwinkelobjektiv vermittelt, gibt es für die Passagiere nicht. (Foto: n-tv.de/Mathias Lillge)

Die Lenkung ist präzise und direkt und vermittelt einen guten Kontakt zur Straße. Das Fahrwerk ist straff – jedoch auch komfortabel genug, um bei schlechteren Straßen Unebenheiten wegbügeln zu können. Natürlich hat man bei dem doch relativ kurzen Radstand bei unebener Straße eine leichte Hibbeligkeit. Die Bremsen greifen gut und sind ordentlich dosierbar. Stärkeren Druck setzen sie deutlich spürbar in mehr Bremswirkung um.

Trotz der kurzen Überhänge und 2,42 Metern Platz zwischen den Achsen darf man in Sachen Sitzkomfort in der zweiten Reihe keine Wunder erwarten. Aber – insofern nicht zwei Passagiere jenseits 1,90 Meter Körperhöhe hintereinander sitzen, darf das Platzangebot für zwei Personen im Fond durchaus als ausreichend bezeichnet werden. Der Kofferraum lässt sich von 251 Litern bis hin zu 951 Litern bei voll umgeklappten Rücksitzen erweitern. Die Ladekante wird subjektiv als relativ hoch empfunden, was insbesondere älteren Kunden missfallen dürfte.

Volkswagen plant, die Modellvielfalt des "Up!" in den nächsten Jahren noch kräftig hochzufahren. Neben einem Fünf-Türer zwinkern auch ein reines Elektromodell, ein Buggy, eine Cross-Version, ein GT sowie mit dem "Azurro" ein cabrio-ähnliches Spaßmobil bereits aus den Planungsschubladen der Wolfsburger heraus.