Starten statt WartenElektroantrieb nachrüsten

Die großen Hersteller tun sich schwer mit der Elektrifizierung des Automobils. Zwar hat nahezu jeder Autobauer mittlerweile Studien gezeigt, aber zu kaufen gibt es so gut wie keine E-Mobile. Da sind kleine Firmen schneller und pfiffiger.
Alle Welt wartet auf das Elektroauto. Doch während sich die großen Fahrzeughersteller
noch in Ankündigungen üben, machen zahlreiche kleinere Firmen Nägel mit Köpfen.
Nach dem Motto "starten statt warten" rüsten sie kurzerhand konventionelle
Fahrzeuge um. "Streng genommen machen die Autohersteller bislang auch nichts
anderes, als den Benziner gegen einen Elektromotor zu tauschen und eine Batterie
einzubauen", stellt Uwe Koenzen vom Umrüster Classic eCars fest.
Oldies unter Strom
Genervt von den Ölflecken in seiner Garage und begeistert vom Elektroauto Chevrolet
EV1 hat er mit seinem Kompagnon Jens Broedersdorff bereits vor mehr als zehn Jahren
einen Porsche 912 umgebaut. Danach setzte er auf Kundenwunsch auch alte Käfer und
VW-Busse unter Strom. Jetzt wollen beide das Geschäft ausbauen und in die Kleinserienproduktion
von Elektroklassiker-Umbauten einsteigen. Dafür planen sie strombetriebene Versionen
von Fiat 500, Citroën DS und der ersten Generation des VW Busses.
Koenzen und Broedersdorff wollen restaurierte Oldtimer aus einem modularen Antriebsbaukasten
mit Komponenten aus dem Werkzeugmaschinenbau und der Industrie bestücken. Geplant
sind vier Leistungsstufen mit 30, 60, 90 oder 120 kW. Damit lassen sich Höchstgeschwindigkeiten
von bis zu 200 km/h erreichen. Auch bei den Batterien sehe Classic eCars eine Stufenlösung
vor, erklärt Koenzen: "Wir werden Lithium-Zellen für 50, 100, 150, 200 und
300 Kilometer Reichweite anbieten." Je nach Leistung und Kapazität soll der
Preis für die reine Umrüstung bei 17.500 bis 45.000 Euro liegen.
Umbauten für Smart und Fiat 500
Wer heute schon elektrisch fahren will, muss aber nicht zwingend auf einen Klassiker
wechseln. In Hamburg verkauft der Fiat-Händler Karabag leichte Nutzfahrzeuge wie
Ducato oder Doblo. Außerdem bietet er für knapp 50.000 Euro einen Fiat 500 mit Akku-Antrieb
an. Den Kleinwagen lässt er in Italien bei der Firma Micro-Vett umrüsten.
In Bochum hat sich die Firma BEA-tricks dem Umbau des Smart verschrieben.
"Der Bausatz kostet rund 18.000 Euro", sagt Pressesprecher Thomas Borowski.
Dafür gibt es einen Motor mit 25 kW/34 PS, der für 115 km/h reicht. Strom zieht
er aus einem Akkublock mit 2160 Lithium-Ionen-Zellen. Diese Batterie ermöglicht
laut Borowski eine Reichweite zwischen 50 und 200 Kilometern. Sie ist in fünf bis
sechs Stunden geladen, mit einem optionalen Schnellladegerät in ein bis zwei Stunden.
Älter ist besser
Wer durchs Internet stöbert, stößt dort auch auf die Firma Lorey, die ihre Umrüstungen
unabhängig vom Fahrzeugtyp anbietet. "Im Prinzip ist die Umrüstung bei jedem
Auto möglich, aber nicht immer sinnvoll", sagt Marco Lorey. "Am besten
eignen sich Fahrzeuge im Alter von mindestens zehn Jahren, da dort die Elektronik
nicht so viele Probleme macht." Deshalb empfiehlt er vor allem Kleinwagen wie
den Renault Twingo, Mini, Citroen 2CV und VW Lupo. Lorey lässt seinen Kunden die
Wahl zwischen Bleiakkus, Lithium-Polymer- oder Lithium-Eisen-Zellen, die Reichweiten
von 30 bis 120 Kilometer ermöglichen.
Die Preise der Firma Lorey für einen Komplettumbau beginnen bei etwa 8500 Euro
mit Bleisystem. Die reinen Materialkosten für das Antriebssystem ohne Akkus betragen
4500 bis 5700 Euro. Mehrere Tausend Euro können Kunden sparen, die ihren Wagen in
Eigenregie vorbereiten, erläutert der Junior Chef.
Umbauanleitung im Internet
Wer keinen passenden Anbieter für den Umbau findet, dem empfiehlt Rüdiger Hussy
aus Münchsteinach den Griff in die Werkzeugkiste. "Mit etwas Geschick und Geduld
kann man seinen alten Benziner durchaus selbst umrüsten", sagt der Bayer. In
seinem Internetblog hat er detailliert die Entstehung seines Polo Zero dokumentiert.
Ein Jahr hat er daran geschraubt. "Inklusive Basisfahrzeug, Zubehör, Ladestation
und dem nötigen Werkzeug hat mich die Aktion rund 7500 Euro gekostet", berichtet
Hussy. Sein Elektro-Polo schafft etwas mehr als Tempo 100 und hat in zwölf Bleibatterien
Energie für rund 60 Kilometer an Bord.
Elektroumbauten erfordern in der Regel Pioniergeist, Abenteuerlust und die Bereitschaft,
Einschränkungen im Alltag hinzunehmen. Dass es auch anders gehen kann, zeigen die
Amerikaner. Sie haben mit dem Tesla Roadster den ersten serienmäßigen Elektro-Sportler
am Start. Außerdem bietet die Firma EvPorsche aus West Palm Beach in Florida für
Preise zwischen 42.000 und mehr als 100.000 Dollar Sportwagen und Luxuslimousinen
als E-Versionen an - vom Porsche Boxster bis zum Lamborghini Murcielago oder dem
Rolls-Royce Phantom. Firmenchef Paul Liddle: "Man muss kein hässliches Auto
fahren, nur weil man grün sein will."