Navigation im AutoEnde der Orientierungslosigkeit

Innerhalb von zehn Jahren hat sich das Navigationssystem im Auto unverzichtbar gemacht. Nach festeingebauten und portablen Geräten geht der Trend nun zu Handys mit Pfadfinderfunktion.
Zerknitterte Faltkarten auf dem Beifahrersitz und dicke Atlanten auf den Knien
gehören der Vergangenheit an. Anfang des Jahrtausends hat das Navigationsgerät im
Auto einen beispiellosen Siegeszug angetreten. Innerhalb weniger Jahre war fast
jeder deutsche Autofahrer im Besitz eines elektronischen Pfadfinders. Zu verdanken
ist das dem US-Militär.
Im Jahr 2000 nämlich fiel der Startschuss für die zivile Nutzung des GPS-Systems,
das vorher rein militärischen Zwecken vorbehalten war. Die Autoindustrie hatte nur
darauf gewartet. Denn mit der satellitengestützte Ortung war endlich eine preiswerte
und praktische Möglichkeit vorhanden, den aktuellen Ort und die kürzeste Strecke
zum Ziel zu bestimmen.
Vierstellige Preise
Navigationssysteme gab es auch schon vorher – allerdings waren sie teuer, umständlich
und unpraktisch. Bereits 1981 bot Honda den sogenannten Electro Gyrocator an, der
zwar nicht den Standort des Fahrzeugs erkennen, aber mit Hilfe eines Wegstrecken-
und Drehrichtungssensors die ungefähre Fahrtrichtung bestimmen konnte. Wer seinen
Startpunkt kannte und eine Karte zur Hand hatte, konnte so mit etwas Glück seine
aktuelle Position ermitteln. Durchgesetzt hat sich der Gyrocator ebenso wenig wie
Konkurrenzsysteme, die das Erdmagnetfeld nutzten oder die Verknüpfung von Kompass
und Raddrehzahlsensoren.
Ein GPS-Sensor ist im Vergleich dazu deutlich unkomplizierter und billiger. Nach
kurzer Zeit waren für viele Modelle Navis zum Festeinbau zu bekommen – zu teils
vierstelligen Preisen. Fahrer teurer Businesslimousinen investieren das gerne, gibt
es doch einen schicken Bildschirm für die Mittelkonsole dazu, mit dem auch Radio
und Klimaanlage bedient werden können. Auch schreckt sie das Kabelgewirr mobiler
Navis. Fahrer kleinerer Autos waren da schon immer weniger empfindlich und wählen
vor allem die portablen Geräte. Allein in Westeuropa werden jedes Jahr fast 20 Millionen
Geräte verkauft. Nicht nur an Autofahrer – auch Radler und Wanderer nutzen die Lotsen.
Smartphones als neuer Trend
Mittlerweile gibt es aber einen neuen Trend: Navigation über Handy. Die meisten
Smartphones verfügen über ihre eigenen GPS-Sensoren und können mit Hilfe von Software
kostengünstig zu mobilen Routenfindern aufgerüstet werden. Für den komfortablen
Gebrauch im Auto sind die Bildschirme aber zu klein, weshalb die Geräte künftig
in die Bordelektronik der Fahrzeuge integriert werden sollen. Dann kann die Navigationsfunktion
des Handys über das Bediensystem des Wagens gesteuert werden. Und auch Telefonieren,
Internet-Surfen und E-Mail-Schreiben wird einfacher und preiswerter.
Für die Faltkarten-Hersteller sieht es also schlecht aus. Die Verkäufe von Atlanten
werden aber wohl ihr Niveau halten. Denn der kluge Autofahrer hat immer ein Exemplar
im Fahrzeug, falls das Navi mal ausfällt oder eine wirklich komplizierte Route geplant
werden muss.