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Die Kawasaki Z650 ist leichter und schlanker als die ER-6n.
Die Kawasaki Z650 ist leichter und schlanker als die ER-6n.(Foto: Kawasaki)
Sonntag, 06. August 2017

Neue Kawasaki Z650: "Erna" wird erwachsen

Mit der Z650 lässt Kawasaki seinen Bestseller ER-6n neu aufleben. Das Grundkonzept des Einsteigerbikes wird beibehalten, die Stärken gepflegt und auch die eine oder andere Schwäche ausgemerzt.

So sieht eine Traumkarriere aus: Elf Jahre lang zählte die Kawasaki ER-6n ununterbrochen zu den fünf meistverkauften Motorrädern in Deutschland und war nicht selten auf dem zweiten Rang vorzufinden – ein echter Bestseller. Ihre Stärken waren sicherlich ihre Ausgewogenheit und neben dem Design der günstige Preis unter 7000 Euro.

Der Motor hat ein wenig an Leistung eingebüßt, ist aber noch immer bissig genug.
Der Motor hat ein wenig an Leistung eingebüßt, ist aber noch immer bissig genug.(Foto: Kawasaki)

Über die Jahre wurde die ER-6n, von Fans gerne auch Erna geheißen, nur behutsam weiterentwickelt, für das laufende Jahr und die zu überspringende Euro-6-Hürde nahm man sich das Einsteigermotorrad aber kräftig zur Brust – und baute eigentlich ein neues Bike. So mutierte der Brückenrahmen zu einem Gitterrohrrahmen und somit zu einem Konzept, bei dem der Motor zu einem tragenden Element wird. Und schon hier sparten die Ingenieure satte zehn Kilogramm an Gewicht ein. Insgesamt speckte die Z650 sage und schreibe 20 Kilogramm ab, wozu auch leichtere Räder, die Schwinge und leichtere Motorteile ihren Part beisteuerten, so dass die kleine Z nun vollgetankt 187 Kilo auf die Waage bringt.

Und das merkt man beim Fahren durchaus. So verschlankt, wirft sich die Z650 begierig in die Kurven, fährt sich handlicher, fühlt sich einfach lebendiger an. Ihren Teil dazu bei trägt die nun aktivere Sitzposition und der leicht steiler stehende Lenkkopf. Kurven lassen sich nun präziser anpeilen, beschwingter durchfahren. Und obwohl die Fußrasten ein wenig nach unten wanderten, reicht die Schräglagenfreiheit auf jeden Fall für das ganz tiefe Eintauchen.

Präzise Stopper

Die Z650 ist ab 6700 Euro zu haben.
Die Z650 ist ab 6700 Euro zu haben.(Foto: Kawasaki)

Hinaus geht es mit kräftigem Schwung, denn obwohl der Motor mit nunmehr 68 PS 4 PS gegenüber dem Vorgänger eingebüßt hat, liefert er genug Biss für die schnelle Gerade. Das mag auch ein Verdienst des recht kurz gestuften Getriebes sein, das sich prima durchsteppen lässt, bevor wieder die nächste Kurve angebremst wird. Und hier hat die Kawa sicher die einschneidenste Modernisierung erfahren: Musste man die Stopper der ER-6n noch recht nachhaltig zur Entschleunigung auffordern, so gelingt das nun mit viel weniger Handkraft und mehr Präzision. Zusätzlich spendiert Kawasaki Bremsscheiben im Wave-Design vorne und hinten, die auch optisch was hermachen.

Das Fahrwerk bewältigt diese Herausforderungen recht gut, die nicht einstellbare Gabel federt ein wenig weicher als zuvor. Das Hinterrad wird nun von einem umgelenkten Federbein geführt, das seine Arbeit ordentlich erledigt, und das sich in der Federvorspannung einstellen lässt. Um das zu bewerkstelligen, erfordert es aber ein wenig Fummelei, da es sehr verdeckt angebracht ist und man den Einstellring nur schlecht erreicht.

Beifahrer müssen hart im Nehmen sein

Man überlegt es sich also zweimal, bevor man die Vorspannung anpasst, etwa wenn die Sozia gerne ein wenig durch grüne Landschaften geschaukelt werden möchte. Im Gegensatz zur ER-6n muss die Beifahrerin ein ganzes Stück härter im Nehmen sein, denn das Sitzbrötchen ist eindeutig zu klein ausgefallen für entspannte Touren zu zweit; auch die hinteren Fußrasten liegen zu hoch – frau fühlt sich da schon fast wie auf einem Supersportler.

Für den Fahrer hingegen ist alles paletti. Er sitzt komfortabel, muss sich nicht zu weit nach vorne beugen. Die Fußrasten liegen weit vorne, so dass größere Piloten den Knieschluss zum Tank nicht ganz hinkriegen, aber das beeinträchtigt das Vergnügen nicht weiter. Die Armaturen bieten viele Informationen, wozu auch eine Ganganzeige oder die Reichweitenangabe gehören. Der Verbrauch lag trotz einiger flotterer Touren bei nur 4,2 Liter auf 100 Kilometer.

Was positiv auffiel, war das Finish der Z650. Obwohl doch ein mit spitzem Stift kalkuliertes Einsteigerbike, wirkt es nirgendwo billig. Das zeigt schon der Blick auf den Schwingendrehpunkt, der sehr wertig gemacht wirkt. Ein Indiz dafür sind auch die einstellbaren Hebel für Bremse und Kupplung.

Was die Z650 auch weiterhin für einen der ersten Plätze in der Zulassungshitliste prädestiniert, ist ihre Preiswürdigkeit. Für rund 6700 Euro bekommt der Einsteiger, der Wiedereinsteiger oder wer auch immer ein rundum gut ausgestattetes Motorrad mit gutem ABS, guten Bremsen, agilem Fahrwerk und japanischer Zuverlässigkeit. Das sind nur 300 Euro mehr als für die Vorgängerin – und man darf getrost bilanzieren, dass Erna eben ein bisschen erwachsener geworden ist. Nur, dass sie jetzt nicht mehr Erna heißt.

Quelle: n-tv.de

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