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Wer es extrem haben möchte, geht zu Mansory. Geschmackvoll geht anders, aber auffällig ist es allemal.
Wer es extrem haben möchte, geht zu Mansory. Geschmackvoll geht anders, aber auffällig ist es allemal.

Alles nur Geschmackssache: Extrem-Tuning auf dem Genfer Salon

Fahrzeuge vom Kaliber eines Mercedes AMG oder BMW M sind schon echte Waffen und optisch ruppiger als ihre Serienkollegen. Wem diese Kaliber nicht extrovertiert genug sind, kann auf die zahlreichen Nischen-Tuner zurückgreifen, die sich in Genf die Ehre geben.

Der Rover von Klassen dürfte bei größeren Bodenwellen Probleme bekommen.
Der Rover von Klassen dürfte bei größeren Bodenwellen Probleme bekommen.

Kennen Sie Hamann oder Klassen? Wenn nicht, ist das auch kein Problem. Kommt einem aber einmal ein Tuning-Fahrzeug von besagten Firmen unter die Augen, wird man den Anblick so schnell nicht vergessen. Die Individualisierer greifen tief in die Schublade der automobilen Spitzenprodukte und verleihen den eigentlich ja schon mit viel Sorgfalt gestalteten Produkten eine, nun sagen wir, sehr eigenständige Note. Wie heißt es so schön: Die Dosis macht das Gift. Und man hat beim einen oder anderen Veredler den Eindruck, dass mit Überdosen gearbeitet wird. Doch wenn "Auffallen um jeden Preis" das Ziel ist, dann sollte man zu den sündhaft teuren Anschaffungspreisen der Porsche und Co. getrost noch einige weitere zehntausend Euro locker machen.

Bitte keine Bodenwellen

Da wäre etwa der Range Rover in der Klassen-Version im zugegeben schicken Blau. Aber die Bulligkeit der Front muss man schon mögen. Eigentlich sollte man ja meinen, ein Geländegänger sei gefeit vor jeglichen Bodenwellen und geschwindigkeitsbegrenzenden Bumpern. Von wegen, beim Klassen-Range ist Vorsicht angesagt. Geht man zu schnell über die Bodenwelle, ist der vordere Stoßfänger ab. Auch die wuchtigen Schweller sind Geschmackssache. Immerhin hält sich der Tuner beim Auspuff zurück, hier herrscht mit nur zwei verschämt herauslugenden Endrohren vergleichsweise geradezu Bescheidenheit.

Der BMW X4 von Hamann sucht dei Kollegen von der M GmbH zu überfliegen.
Der BMW X4 von Hamann sucht dei Kollegen von der M GmbH zu überfliegen.

Etwas weniger auffallend, aber immer noch weit entfernt von zurückhaltend, agiert die Firma des ehemaligen BMW-Rennfahrers Hamann. Der in Genf gezeigte BMW X4 mit markant-zerklüftetem Stoßfänger dürfte auch nicht gerade das sein, was sich Aerodynamiker wünschen. Mit der auffälligen Auspuffanlage scheinen die Hamänner mit aller Gewalt zu versuchen, die Kollegen der werkseigenen M GmbH zu übertrumpfen. Angenehm fürs Auge ist anders – aber einen bleibenden Eindruck hinterlässt man garantiert.

Fab Design vergreift sich dagegen am Mercedes AMG GT und verpasst dem Athleten überdimensionierte Schweller und einen Flügel – als müsse der Sportler aus Affalterbach nach dem Kickstart tatsächlich abheben und fliegen. Zahlreiche Karbonelemente sorgen ebenfalls für einen eigenständigen Auftritt.

Mansory mit Überdosis

FAB Design verleiht dem Mercedes-AMG GT Flügel.
FAB Design verleiht dem Mercedes-AMG GT Flügel.

Es geht allerdings noch eine Spur härter. Ein Besuch bei Mansory stellt an Geschmacklosigkeit so ziemlich alles in den Schatten, was man auf der Messe erhaschen kann. Rolls-Royce Wraith gefällig? Da müssen sich die Bespoke-Leute des britischen Traditionsunternehmens warm anziehen, um hier mitzuhalten. Die Oberpfälzer Tuner fackeln nicht lange und verpassen dem Edel-Insulaner kurzerhand goldene Felgen sowie eine golden schimmernde Motorhaube nebst unzähligen Anbauteilen – und sei es nur die Verschlimmbesserung der Lufteinlässe. Auch eine Mercedes G-Klasse haben sie sich vorgenommen. So rollt der Allradler mit kitschigen Augenbrauen um die Scheinwerfer, Karbondach plus prägnanten Stoßfängern inklusive eigens gestalteten Tagfahrlichtern vor.

Dagegen sind die Kreationen von Techart und Abt geradezu massenkompatibel. Der fein hergerichtete Cayenne mit dem bezeichnenden Namen Magnum von Techart trägt natürlich dennoch auf. Ob man ein SUV mit derart massivem Heckflügel ausstatten muss, sei dahingestellt, aber um die Blicke der Besucher einzufangen, ist solch Lametta natürlich wirkungsvoll. Dazu kommt der eigenwillig gestaltete Diffusor. Beim kleineren Bruder Macan gesellt sich zu der optischen "Verschönerung" auch noch ein wenig mehr Leistung. Vielleicht braucht der Pseudo-Geländewagen die zusätzlichen 50 PS schlicht, um die Fahrleistungsverluste als Folge der schlechteren Aerodynamik auszugleichen.

Fahrzeuge von TechArt wirken hier geradezu bescheiden.
Fahrzeuge von TechArt wirken hier geradezu bescheiden.

Wem das Audi-Fünfmeter-SUV alias Q7 zu schlicht erscheint, gehe zu Abt. Die verpassen dem Riesen nicht nur wuchtige und zerklüftete Schweller, sondern drücken auch bei der Leistung noch ordentlich was drauf. Sicher ist jedenfalls: Wer viel Geld hat, aber dafür etwas weniger stilsicher ist, findet in Genf viele Möglichkeiten, seine Leidenschaften auszuleben. Und über Geschmack lässt sich ja schließlich nach Herzenslust streiten.

Quelle: n-tv.de

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