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Der Jaguar F-Type feiert auf dem Pariser Autosalon Weltpremiere (29.9 - 14.10).
Der Jaguar F-Type feiert auf dem Pariser Autosalon Weltpremiere (29.9 - 14.10).

Design-Angriff von Jaguar : F-Type tritt in große Fußstapfen

Einst baute Jaguar mit dem E-Type den Sportwagen des Jahrhunderts, doch dann verlieren die Engländer irgendwie den roten Faden. Mit dem neuen F-Type soll er jetzt wieder aufgenommen werden. Bei dem Wiederbelebungsversuch der Ikone zeigt Jaguar-Designchef Ian Callum was noch alles möglich ist.

Ratan Tata liebt den F-Type – und der indische Besitzer von Jaguar und Land-Rover opfert dafür gern schon mal einen ganzen Tag. Mit Jaguar-Chefdesigner Ian Callum zum Beispiel. "Von 8 Uhr morgens bis 18 Uhr waren Tata und ich zusammen, um über den neuen Sportwagen zu reden", erzählt der Schotte. Und Callum meint mit reden Fachgespräche. Fruchtbare.

Der zweisitzige Roadsters ist das wichtigste Modell für das Markenimage Jaguars.
Der zweisitzige Roadsters ist das wichtigste Modell für das Markenimage Jaguars.

Denn im neuen F-Type, den die Marke jetzt auf dem Pariser Autosalon präsentiert hat, steckt neben ganz viel Callum auch ein gutes Stück Designgefühl des Inders, der regelmäßig vorbeischaute. "Dass die Frontscheinwerfer nicht quer stehen, sondern hoch, das war Tatas Idee", berichtet der Designchef freimütig. Callum ist sichtlich froh, in Tata einen Ansprechpartner zu haben, der britischer als viele Briten ist.

Remniszenz an legendären E-Type

Schließlich sei der F-Type das "wichtigste Modell für das Markenimage Jaguars" - und werde die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit lange prägen. Auch wenn "für die Stückzahlen sicherlich der XF unser wichtigstes Modell sein werde. Mit dem Sportwagen will Callum an den Geist der klassischen Jaguar-Ära anschließen. Vor 50 Jahren stand Jaguar ganz klar mit dem E-Type für kompromisslose Sportlichkeit und mit der Mark-Serie für die große Luxuslimousine. "Dieses Image wollten wir jetzt wieder schärfen. Mit einem real sports car."

Mit dem Sportwagen will Callum an den Geist der klassischen Jaguar-Ära anschließen.
Mit dem Sportwagen will Callum an den Geist der klassischen Jaguar-Ära anschließen.

In klassischen Proportionen: Am Heck eine Rückleuchten-Reminiszenz an den E – "kein Retro", was Callum wichtig ist – in der Form die klassische Colaflaschen-Taille. Und von vorn "klar ein Jaguar". Meint zumindest der Designer, der mit dem Aston Martin DB7 für den Ex-Arbeitgeber schon einmal einen Sportwagen schuf. Dessen Haifischmaul sei aber kein Muster für den F. "Eine ganz einzigartige Front zu designen ist viel schwieriger als etwa ein Heck, weil sie da bei Fußgängerschutz oder Crashsicherheit Unmengen Vorschriften beachten müssen", kontert Callum solche Vorwürfe.

Überhaupt: den Geist eines E-Type zitieren, das sei die Aufgabe gewesen: "Technisch, mechanisch" soll er eine Referenz des klassischen Jaguar der 60er Jahre sein – was am Schaltknüppel und den Materialien im Innenraum zu sehen sei. Und diesen Geist will Callum gezielt weiterentwickeln.

911er  als Richtschnur

Von Porsche etwa könne man lernen, wie das geht. Wie die Marke mit ihrer Ikone 911 umgehe sei vorbildlich. Immer wieder eine behutsame Weiterentwicklung, immer wieder eine neue Variante – das mache die Kunden zu treuen Fans; die wissen, was sie allein von ihrer Marke erwarten können. Ein Coupé des F-Type ist bereits in Arbeit – und es werde schnell gehen vom Concept-Car bis zum fertigen Auto.

Jaguar-Chefdesigner Ian Callum.
Jaguar-Chefdesigner Ian Callum.(Foto: Glen Davis)

Apropos Porsche: Wäre für Callum da sogar a là Cayenne ein Ableger des Land-Rover mit Jaguar-Markenzeichen denkbar? Das kann sich der 58-Jährige auf absehbare Zeit nicht vorstellen. "Aber wir nutzen natürlich jetzt schon sehr viele Synergien der Marken – solange der Kunde sie nicht offen sieht". Die Motoren etwa seien ja auch im Landy eigentlich stets Jaguar-Entwicklungen. Und beim Allradantrieb werde man noch mehr das Know-how der Schwestermarke nutzen. "Da wird die Zusammenarbeit noch viel enger werden."

Ratan Tata wird sich dabei auch immer wieder über einen Schuss Britishness freuen können. Für Callum ist das Eleganz, die Eindruck macht – aber nicht protzt. Typisch britisch sei auch die Lösung, die auf den ersten Blick ein wenig exzentrisch daher kommt, aber durchaus sinnvoll sei – wie der ausfahrbare Gang-Wähler im XK. Samteinlagen in mancher Ablage, das sei auch so etwas, was eine Jaguar-Limousine besonders mache.

Raus aus der Nische

Wer so im Geist des Jag schwelgt, den müsste es doch eigentlich auch kitzeln, die andere Marke im Portfolio wieder aus dem Dornröschenschlaf zu wecken? "Ja", seufzt Callum da. Schon seine Eltern hätten immer Daimler gefahren, und auch er sei ein großer Fan der Marke, an der Jaguar nach wie vor die Rechte habe. Doch es gebe ja ein "Gentlemen's agreement" mit Mercedes, den Namen nicht zu nutzen. So ganz kategorisch nimmt es Callum aber damit nicht. Denn er berichtet, dass die Queen betagte Daimler Super V8 der Superluxusmarke durch aktuelle Jaguar XJ ersetzt habe – natürlich mit zahlreichen unüblichen Extras, extralangem Radstand und einem erhöhten Dach für die bekannt ausladenden Hüte der Königin. "Da haben wir schon überlegt, diese beiden Einzelstücke Daimler zu nennen", so Callum. Es sei bei der Überlegung geblieben.

Bilderserie

Denn erst einmal müsse er nun die Möglichkeiten und den Ruhm von Jaguar fertig aufpolieren - und das werde noch eine Weile seine ganze Kraft erfordern. Aber sicher kommt ab und an Ratan Tata vorbei, um ein bisschen mitzuhelfen.

Quelle: n-tv.de

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