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Freitag, 06. Januar 2017

CES 2017 - Faradays zweiter Streich: FF91 - Wunderauto oder Schuss in den Ofen?

Von Holger Preiss, Las Vegas

Ob man es will oder nicht: Neue Elektroautos werden automatisch an Tesla gemessen. Faraday Future hat aber nicht nur den Elektro-Pionier in Visier genommen. Mit dem FF91 greift man nach eigenen Worten alle an. Aber hat das Projekt wirklich Hand und Fuß?

Sollte die Studie des FF91 im Jahr 2018 in Serie gehen, werden viele der aufwendigen Details verschwinden.
Sollte die Studie des FF91 im Jahr 2018 in Serie gehen, werden viele der aufwendigen Details verschwinden.(Foto: picture alliance / Andrej Sokolo)

Es ist schon erstaunlich, kaum kündigt ein Hersteller an, er werde Tesla Konkurrenz machen, brennen nicht nur bei den Medien schier die Sicherungen durch, sondern auch beim Messepublikum auf der CES. Die North Hall, die den Autoherstellern und Zulieferern vorbehalten ist, brennt förmlich, weil dort das kalifornisch-chinesische Unternehmen Faraday Future seinen FF91 vorstellt. Eine Mischung aus SUV und Hatchback.

Lediglich über einen Umlauf wurde den Besuchern am ersten Ausstellungstag ein Blick auf den optisch durchaus gelungenen FF91 gewährt, während sich um das Fahrzeug chinesische Reisegruppen scharten, um Erinnerungsfotos zu machen. Nun wie dem auch sei. Die Informationen, die das Unternehmen mit Blick auf den FF91 gab, machen, obgleich es sich um ein Elektroauto handelt, selbst Petrolheads den Mund wässerig.

E-Auto für Petrolheads

Die Aufmerksamkeit hat der FF91 auf der CES in jedem Fall.
Die Aufmerksamkeit hat der FF91 auf der CES in jedem Fall.(Foto: Holger Preiss)

Da ist die Rede von 783 kW, also etwa 1060 PS und einem gigantischen Drehmoment von 1080 Newtonmetern. Einen Ferrari 488 GTB, ein Tesla Model S P100D oder einen Porsche 911 würde man also beim Ampelstart Staub schlucken lassen. In Zahlen heißt das, dass der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 in lockeren 2,4 Sekunden abgeschlossen ist. Ein enormer Schub für ein 5,25 Meter langes Fahrzeug. Auch die Angaben zur Reichweite lassen aufhorchen: Über 600 Kilometer sollen die Akkus, die eine Kapazität von 130 kWh haben, den FF91 und seine Insassen tragen, bevor sie wieder an die Dose müssen. Damit der Ladevorgang flott vonstatten geht, soll er Supercharging mit 200 kW unterstützen.

Angesichts dieser Werte wundert es nicht, dass das Unternehmen mit vollmundigen Versprechen nicht geizt und mal eben der gesamten Autoindustrie, einschließlich Elektro-Pionier Tesla, den Kampf ansagt. Festgefahrene Strukturen werde Faraday Future durchbrechen und die Zukunft der Mobilität neu definieren. Das heißt, es bleibt nicht dabei, dass man Autos baut, sondern hier wird ein neuer Weg in ein bewegtes Zeitalter beschritten. Der Ehrlichkeit halber muss aber an dieser Stelle erwähnt werden, dass auch andere Hersteller sich nicht auf den mobilen Errungenschaften der letzten 100 Jahre ausruhen, sondern im Gegenteil, ebenfalls ausgetretene Pfade verlassen und Neues probieren.

In Las Vegas nichts Neues

Ein Schnäppchen wird der FF91 nicht. Mit mindestens 90.000 US-Dollar sollten Interessenten rechnen.
Ein Schnäppchen wird der FF91 nicht. Mit mindestens 90.000 US-Dollar sollten Interessenten rechnen.(Foto: Holger Preiss)

Das mag etwas behäbig wirken, muss aber im Kontext der Schnelllebigkeit und der hohen Erwartungen, die an die Unternehmen gestellt werden, ein wenig relativiert werden. Der entscheidende Unterschied zu Faraday Future ist nämlich der, dass alle, die der FF91 von der Straße fegen soll, bereits Autos bauen. Bei dem Messekracher handelt es sich lediglich um ein Showcar. Zugegeben ein sehr attraktives. Aber solche aufreizenden Konzepte haben auch schon andere auf die Bühne gestellt.

Denn blickt man auf die CES 2016 zurück, hatte Faraday Future seinerzeit ebenfalls ein Concept Car, das für einiges Aufsehen sorgte. Damals hieß der Wagen FF Zero 1, ein sehr futuristischer Sportwagen, der gut und gerne auch als Batmobil durchgegangen wäre. Bereits damals tönte Faraday-Future-Chef Nick Sampson: "Apple erfand mit dem iPhone nicht nur das Telefon neu, es veränderte die Art und Weise, wie wir kommunizieren", versuchte er sein Unternehmen mit dem Technologieriesen in eine Reihe zu stellen. Der Brite war früher bei Jaguar, Lotus und Tesla und hat wohl gerade bei seinem letzten Arbeitgeber einiges gelernt. Wie außer dem FF91 die künftigen Mobilitätskonzepte aussehen, ließ Sampson damals wie heute offen.

Reserviert für 5000 Dollar

Dass der FF91 einen Autopiloten hat und ohne den Fahrer einen Parkplatz suchen und einparken kann, sind keine Alleinstellungsmerkmale mehr. Auch dass der Wagen den Standort auf das Smartphone beamt, ist keine Zauberei. Die üblichen Zugaben wie die Fahrererkennung, Memory-Funktion in den Sitzen, riesige Displays im Innenraum oder LED-Scheinwerfer sind ebenfalls keine Beigaben, die es woanders nicht gäbe.

Letztlich scheint es Faraday Future mit seinem Projekt aber so ernst zu meinen, dass sie den FF91 bereits im kommenden Jahr ausliefern wollen. Preise sind noch nicht bekannt, aber frei nach dem Tesla-Prinzip können sich Interessenten bereits jetzt auf ff.com registrieren und gegen eine Kaution von 5000 US-Dollar einen FF91 reservieren lassen. Aber Vorsicht, es wird gemunkelt, dass sich das Unternehmen bereits jetzt finanziell verhoben haben könnte. Wenn das der Fall ist, könne der Vorschuss sich unter Umständen schnell in Luft auflösen.

Quelle: n-tv.de

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