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Der Tiguan GTE basiert auf dem neuen Serien-Tiguan. Allerdings ist die Studie so verplankt, dass nicht jeder begeistert sein dürfte.
Der Tiguan GTE basiert auf dem neuen Serien-Tiguan. Allerdings ist die Studie so verplankt, dass nicht jeder begeistert sein dürfte.(Foto: Holger Preiss)

In Detroit ist fast alles neu: Fährt VW in den USA so aus der Krise?

Von Holger Preiss, Detroit

Nach dem Diesel-Skandal muss VW umdenken. In Detroit präsentieren sich die Wolfsburger und ihre Töchter nun fast emissionsfrei. Ganz neu sind die Ideen eines Tiguan GTE oder eines Audi Q6 h-tron indes nicht, aber ihre Umsetzung scheint unumgänglich.

In den USA startet der Tiguan als Langversion und mit sieben Sitzen im kommenden Jahr.
In den USA startet der Tiguan als Langversion und mit sieben Sitzen im kommenden Jahr.(Foto: Holger Preiss)

Während Volkswagen in den vergangenen Jahren immer mit großem Bombast den Start des Autojahres in Detroit zelebrierte, geht man jetzt eher mit Demut an die Sache heran. Gerade aus Washington zurückgekehrt, hat VW-Chef Müller damit zu tun, sich etlicher Vorwürfe bezüglich des Diesel-Skandals und dessen Aufarbeitung zu erwehren. Am Mittwoch will er der US-Umweltbehörde EPA einen neu entwickelten Stickoxid-Katalysator präsentieren, der das Problem der US-Fahrzeuge lösen soll. Stimmt die Behörde zu, müssten 430.000 US-VW umgerüstet werden, die mit der ersten Generation der Dieselmotoren EA 189 unterwegs sind. Eine finanziell extrem aufwendige Aktion. Aber kein Vergleich zum möglichen Rückkauf der betroffenen Fahrzeuge.

Generell auf den Selbstzünder will und kann VW nicht verzichten. Um aber zu zeigen, dass ein Umdenken stattgefunden hat und dass das "german engineering" immer noch eines der innovativsten ist, zeigt Volkswagen auf der CES in Las Vegas den elektrischen Bulli und trumpft in Detroit mit einem Tiguan GTE Active Concept auf, einem Plug-in-Hybrid mit Allrad. In dem SUV arbeitet ein – wie könnte es im Augenblick anders sein – Turbobenziner mit 150 PS. Dazu kommen zwei Elektromotoren mit 55 PS an der Vorderachse und 115 PS an den Hinterrädern. Allrad wäre hier – solange der Akku reicht – rein elektrisch etwa 30 Kilometer möglich.

Audi Q6 h-tron fährt mit Wasserstoff

Der Audi Q6 h-tron fährt mit Wasserstoff, wobei zwei E-Motoren an Vorder- und Hinterachse für den Vortrieb sorgen.
Der Audi Q6 h-tron fährt mit Wasserstoff, wobei zwei E-Motoren an Vorder- und Hinterachse für den Vortrieb sorgen.(Foto: Holger Preiss)

Inwieweit sich diese Studien für die Zukunft bewähren, bleibt abzuwarten. "Bis 2020", verspricht Müller, "werden 20 zusätzliche Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride das Portfolio von Volkswagen ergänzen." Denn nicht erst wenn der Ölpreis wieder steigt, will VW gegen die sich immer mehr auf alternative Antriebe kaprizierende Konkurrenz gewappnet sein. Und hier ist nicht nur die Rede von Tesla oder den Wasserstoffambitionen von Hyundai, Toyota oder Honda. Auch auf diesem Gebiet will man in Wolfsburg mitspielen und hat diesbezüglich die Konzerntochter Audi mit dem Konzept des Q6 h-tron nach Detroit geschickt. Aber wie der Plug-in-Hybrid mit Allrad ist das nichts, was nicht schon vor dem Bekanntwerden der Diesel-Mogelei im Köcher der Entwickler gewesen wäre.

Audi hatte bereits auf der New York Auto Show im April 2014 den A7 h-tron präsentiert. Seinerzeit war es der inzwischen beurlaubte Entwicklungschef Ulrich Hackenberg, der das Fahrzeug vorstellte. Allerdings werden weder der A7 noch der Q6 in absehbarer Zeit für den Kauf zur Verfügung stehen. Ganz anders sieht es bei den Asiaten aus. Die drei lassen ihre Fahrzeuge nicht nur als zukunftsträchtige Prototypen über die Automessen dieser Welt geistern, sondern bieten sie interessierten Kunden bereits an. Natürlich sind die Preise mit gut ausgestatteten Fahrzeugen im Premiumsegment vergleichbar. Hinzu kommt, dass die Infrastruktur von Wasserstofftankstellen zu wünschen übrig lässt. Nichtsdestotrotz darf auch der Q6 h-tron als Zeichen einer neuen Mobilität gewertet werden, denn wie man es auch dreht und wendet, zeigt die Technikstudie des Q6 h-tron das Potenzial der Brennstoffzelle.

Auch das Cockpit im Q6 h-tron zeigt, wohin die Reise gehen soll.
Auch das Cockpit im Q6 h-tron zeigt, wohin die Reise gehen soll.(Foto: Holger Preiss)

Hier wird eine Brennstoffzelle, die 150 PS leistet, mit einer Batterie kombiniert, die für kurze Zeit zusätzliche 135 PS bereitstellt. Während eines Boost steht also eine Nennleistung von 275 PS zur Verfügung. Ähnlich wie beim Tiguan GTE Concept werkeln beim Q6 h-tron zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse. Damit bleibt Audi auch beim Wasserstoffantrieb seinem quattro-Antrieb treu. In der Praxis bedeutet das, dass das SUV in sportlichen sieben Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigt und eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern hat. Sind die absolviert, lassen sich die Wasserstofftanks in etwa vier Minuten wieder befüllen.

Für den Tiguan GTE und den Audi Q6 h-tron gilt, dass auch hier wie bei anderen Herstellern auf das pilotierte Fahren gesetzt wird. Bereits der Audi A8 soll 2017 mit einem Fahrassistenzsteuergerät (zFAS) ausgerüstet sein, das sämtliche Funktionen des autonomen Fahrens beherrscht. Bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h sollen dann alle Fahraufgaben im Stop-and-go-Verkehr übernommen werden, einschließlich des Ein- und Ausparkens.

(Foto: Holger Preiss)

Und Porsche? Die Zuffenhausener hatten ihren Beitrag zur Elektrifizierung ja bereits auf der IAA im vergangenen Jahr mit der Studie des Mission E vorgestellt. Insofern durfte man sich in Detroit nach alter Manier wieder mit einem echten benzingetriebenen Sportwagen präsentieren, dem überarbeiteten 911Turbo und dem 911 Turbo S. Der aufgefrischte 3,8-Liter-Sechzylinder-Motor kommt im Turbo jetzt auf 540 PS und im Turbo S auf 580 PS. Das sind nur 20 PS mehr als bei den Vorgängern, aber bei den Fahrleistungen dürfte es dennoch zu merken sein. In knapp drei Sekunden schießen die Boliden aus dem Stand auf Landstraßentempo. Das dürfte ab April 2017 nicht nur sportlich ambitionierte Autofahrer in den USA begeistern.

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Quelle: n-tv.de

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