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"Das Handling der Fahrzeuge ist ganz nah an der Realität."
"Das Handling der Fahrzeuge ist ganz nah an der Realität."

Sébastien Loeb EVO : Fahren wie die Rallye-Legende

Von Holger Preiss und Roland Peters

Eine Rallyeauto zu fahren, ist eine Kunst. Wer das bis jetzt nicht glaubt und immer noch denkt, die Formel 1 ist die Königsklasse, der sollte sich das Spiel Sébastien Loeb EVO zu Gemüte führen und in den Spuren des Weltmeisters fahren.

Sébastien Loeb ist der Michael Schumacher des Rallye-Sports. In seiner Karriere wurde der Franzose neunmal Weltmeister in der FIA World Rally Championship (WRC) und das von 2004 bis 2012 ohne Unterbrechungen. Dabei stieg Loeb relativ spät ins Renngeschäft ein. Mit 21 Jahren kaufte er sich einen Renault 5 GT Turbo und fing an bei lokalen Rallyeveranstaltungen zu fahren. Noch im selben Jahr startet Loeb im Peugeot 106 bei der Rallye Jeunes, bei der junge Fahrer gesichtet werden. Zwei Jahre fährt er ins Finale, aber immer bekommen andere den Vorzug. Erst als das Team Ambition Sport Auto von Dominique Heintz und Rémi Mammosser auf ihn aufmerksam wird, kann der Franzose durchstarten. Auf die Frage, ob er nicht recht spät durchstartete, antwortet Loeb: "Es ist nach wie vor sehr schwierig wirklich gute Talente zu finden. Und wenn sich einer um die vorderen Plätze schert, ist es eigentlich egal, wie alt er ist. Dann hat er es einfach drauf."

"In der Formel 1 hast du die große Show"

Die Geschichte von Loeb ist spannend und so hat sich die italienische Spieleschmiede Milestone aufgemacht, sie in ein Rennspiel für XBoxe One, PS4 und PC zu packen. Zudem bekommt das Ganze mit Interviews und chronologischen Rennabfolgen etwas von einer spielbaren Biografie, was Loeb besonders freut: "Es ist schon toll sein Sportlerleben in so einem Spiel verpackt zu sehen. Zumal ich als Junge ähnliche Spiele am Computer spielte. Nur nicht mit einer so tollen Grafik." In den Spielsequenzen wird EVO hingegen zu einer harten Schule für alle, die glauben, die Königsklasse des Motorsports wäre die Formel 1. Natürlich ist die populärer und Loeb weiß auch warum: "Bei der Formel 1 hast du eine große Show, die sich auf zwei Stunden beschränkt. Du siehst in kurzer Folge die Stars vorbeischießen. Bei der Rallye siehst du sie einmal, dann sind sie weg. Aber das Rennen bei uns ist schon sehr anspruchsvoll." Deshalb steigt der Gamer in EVO auch mit dem ersten relevanten Auto Loebs in seine Rennserie ein: mit einem Peugeot 106 im Rallyetrimm.

Witterungs-, Lichtverhältnisse und Fahrbahnbeschaffenheit sind eine Herausforderung für die Spieler.
Witterungs-, Lichtverhältnisse und Fahrbahnbeschaffenheit sind eine Herausforderung für die Spieler.

Selbstredend bekommt der Spieler die Möglichkeit sich und sein Auto zu individualisieren. Rennanzüge, Helme und die Farbe des Autos bis hin zu den Felgen können durch den Gamer frei gewählt werden. Ein Tutorial bietet zwei Übungsparcours, auf denen sich der künftige Rallyemeister für die Rennen in Form bringen kann. Und das tut tatsächlich not, denn wer mit dem Controller versucht die Reifenstapel zu umrunden oder auf der Schotterpiste sein Glück finden möchte, braucht einen sehr feinmotorischen linken Daumen. Das Lenkrad ist hier schnell verrissen und was dann passiert ist klar: Entweder geht es mit Schwung gleich in den Graben oder der Wagen schaukelt sich unnötig auf, um kurze Zeit später seine eigenen Wege zu gehen. Selbst der Meister muss zugeben, dass es für ihn "einfacher ist, ein Auto in der Realität über eine Rallyestrecke zu steuern, als in dem Spiel". Und mit einem Controller hat er es selbst nie versucht. "Ich denke, das Spiel ist in erster Linie für ein Lenkrad ausgelegt", so Loeb.

Das was Loeb an der Console am meisten vermisst, ist, das Fahrzeug in seinen Reaktionen zu spüren. Doch wie dem auch sei: Da kein Mensch Lust hat lange auf dem Testgelände rumzudüsen, hat das Programm einige Hürden eingebaut, die verhindern sollen, dass der Anfänger mit einem von Loebs Renn-Highlights startet. Zum Beispiel mit der Rekordfahrt im Peugeot 208 T16 am Pikes Peak. Der Bolide hatte 2013 ein Leistungsgewicht von 1:1. Das heißt, auf ein Kilo Gewicht kam eine Pferdestärke. Hier trafen die 875 Kilo des Fahrzeuges auf 875 PS, generiert aus einem 3,1 Liter großen V6. Ein solches Auto muss man sich erarbeiten. Genau wie Loeb sich in der Weltrangliste nach oben gekämpft hat, so soll sich auch der Spieler seine Lorbeeren verdienen. Insgesamt stehen über 60 legendäre Rallyefahrzeuge von den 70er-Jahren bis heute zur Verfügung. Darunter Legenden wie der Renault-Alpine A110 1660 aus dem Jahr 1973 oder der Ford RS200 von 1985. "Ich selbst bin diese Autos nie gefahren, aber es ist ein Traum für jeden Rallyefahrer", so Loeb.

Steiniger Weg zu den "Wunderwaffen"

Auch der Citroen DS3 Redbull ist eines der Siegerautos von Loeb.
Auch der Citroen DS3 Redbull ist eines der Siegerautos von Loeb.

Bevor man also in diese Wunderwaffen steigen darf, öffnen sich für den Anfänger lediglich zwei Menüfenster, in denen er sein Können unter Beweis stellen muss. Erst dann kann er mit der sogenannten Loeb-Experience beginnen und die Rennen des Meisters mit den originalen Autos angehen. Die Empfehlung für Einsteiger ist der Rookie-Modus. Hier sind die Einstellungen so gewählt, dass nach einer gewissen Übung auf den Rallyestrecken von Wales, Elsass, Australien, Finnland, Sanremo, Mexiko, Schweden oder Monte Carlo bessere Ergebnisse erzielt werden als Platz 16. Doch egal ob man gewinnt oder nicht, es gibt in jedem Fall Punkte, die für den Aufstieg in der Rangliste unerlässlich sind.

Am Anfang belegt man als Neueinsteiger Rang 401. Um an der Loeb-Experience teilhaben zu dürfen, muss man aber mindestens Platz 352 belegen. Eins ist aber versprochen: Selbst, wer sich noch nie mit dem Rallyesport auseinandergesetzt hat, wird, bis er die 49 Ränge nach oben geklettert ist, begriffen haben, was es bedeutet, wenn der Beifahrer "vor Kuppe +3 Hügel, Sprung" sagt. Seine Meriten kann man sich aber auch auf den Rallye-Cross-Schauplätzen dieser Welt, in L.A., Trois-Rivieres, Loheac, San Luis oder Franciacorta verdienen.

Auch hier wird der Spieler, der sich mit dem Sport nicht auskennt über die Regeln überrascht sein. Hier wird, wie bei einem normalen Rundkursrennen gefahren, aber auf unterschiedlichen Belegen, was das Handling des Autos nicht einfacher macht. Dann gilt es über sechs Runden nicht als Letzter ins Ziel zu kommen, denn der scheidet aus. Auch der rabiate Fahrstiel der virtuellen Gegner dürfte für den ersten Moment erschrecken. Wer will, kann zu den Rallye-Cross-Rennen auch Freunde einladen und im Multiplayer-Modus über eine Onlineverbindung gegeneinander fahren. Während es sich bei den normalen Rallyerennen bezahlt macht den Wettbewerb aus der Fahrerperspektive zu bestreiten, sollte man beim Rallye-Cross den Wagen aus der Draufsicht steuern, um Zusammenstößen mit der Konkurrenz aus dem Weg zu gehen.

Verlieren wir noch ein Wort über die Grafik des Spiels. Böse Zungen behaupten, sie sei im Jahr 2013 stehengeblieben. Mag sein, denn tatsächlich sind die Bewegungen nur mit 30 Bildern pro Sekunde darstellbar. Das legt nahe, dass vor allem bei schnellen Bewegungen ungewollte Verzerrungen stattfinden, die man bei Spielen mit der doppelten Bildrate nicht hat. Das konnte beim Anspielen aber nicht festgestellt werden. Was viel unangenehmer ist, ist der Umstand, dass das Cockpit streckenweise sehr dunkel ist und dass die Rundinstrumente teilweise vom Lenkrad überdeckt werden. Auch bei der Ausleuchtung der Straße verliert man im etwas starken Licht-Schatten-Spiel an einigen Stellen die Übersicht. Insgesamt erfreut die Grafik aber ebenso wie der Ton mit ziemlich realistischen Darstellungen. Egal ob man bei Tag oder Nacht, bei Sonne oder Regen fährt. Das Spiel ist seit heute im Handel.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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