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Der 3erGT wirkt hamonischer und eleganter als das wuchtige 5er-Pendant.
Der 3erGT wirkt hamonischer und eleganter als das wuchtige 5er-Pendant.(Foto: BMW)

So fährt der neue Schrägheck-BMW: Endlich Platz im Dreier

Von Axel F. Busse

Eben noch im Blitzlichtgewitter des Genfer Autosalons, jetzt schon auf der Straße: BMW führt seinen aufgepumpten 3er vor, der als Gran Turismo neue Kunden in die Mittelklasse-Baureihe locken soll.

Ein gut ausgestatteter 335i wiegt mehr als 1700 Kilogramm, doch Abstriche bei den dynamischen Qualitäten muss man nicht machen.
Ein gut ausgestatteter 335i wiegt mehr als 1700 Kilogramm, doch Abstriche bei den dynamischen Qualitäten muss man nicht machen.(Foto: BMW)

Zwei neue Buchstaben am wuchtigen Heck – als das "GT"-Kürzel erstmals am verlängerten Fünfer prangte, waren viele Alt-Kunden irritiert: "Das soll ein BMW sein", fragte sich mancher. Und auch wenn dem Erstling der neuen Karosserieform in Deutschland bisher kein durchschlagender Erfolg beschieden war, haben sich weltweit inzwischen etwa 20 Prozent der 5er-Kunden mit dem Heckklappen-Konzept angefreundet.

Was BMW veranlasst hat, nun auch den volumenstärkeren 3er mit neuem Karosserie-Konzept anzubieten, liegt deshalb nicht in Deutschland begründet. Vielmehr sind es die wichtigen Märkte USA und China, wo Kombis wie der 3er-Touring entweder gar nicht angeboten werden oder nur ein Schattendasein führen. Doch auch dort gibt es Kunden, die mehr Platz suchen, als es eine im klassischen 3-Box-Design gestaltete Limousine bieten kann. Für sie soll der 3er GT die Alternative sein.

Das neue Auto hat gegenüber dem 5er GT einen klaren Vorteil: Es kommt viel dezenter und graziler daher, wirkt fast wie ein klassisches Coupé. Und das, obwohl er rund 20 Zentimeter länger ist als die Touring-Version des aktuellen 3ers. Die stilistische Herausforderung lag folglich darin, ein größeres Auto feinnervig und leichtfüßig erscheinen zu lassen, Eigenschaften, die der 5er GT nur bedingt erfüllt. Nicht nur das Fahrwerk des 3er GT ist höher (+25 mm), auch das Dach wölbt sich stärker nach oben und sorgt für eine Fahrzeughöhe von fast 1,51 Metern (+80 mm gegenüber dem Touring).

Ausgefeilte Aerodynamik

Das höhere Dach und der längere Radstand sorgen für ein enormes Raumgefühl.
Das höhere Dach und der längere Radstand sorgen für ein enormes Raumgefühl.(Foto: Axel F. Busse)

Die BMW-Niere an der Front ist etwas üppiger ausgefallen als bei den Schwestermodellen. Um die gewachsene Fahrzeugssubstanz dennoch schlüpfrig in den Wind zu stellen, bedienten sich die Aerodynamiker eines Tricks. Die in Höhe der Nebelscheinwerfer einströmende Luft wird im rückwärtigen Teil der vorderen Radhäuser durch einen so genannten Air Breather abgleitet, der einen sichelförmigen Auslass kurz vor dem Türausschnitt hat. Dieses neue Bauteil, ohne das der cw-Wert von 0,28 nicht erreichbar wäre, wird vermutlich nach und nach auch in andere Modellreihen Einzug halten, da es zu einer weiteren Verbesserung der Verbrauchswerte genutzt werden kann. Am Heck sorgt ein ausfahrbarer Spoiler für glatten Strömungsabriss und Anpressdruck. Er geht ab 110 km/h selbstständig in Stellung und fährt unter 70 km/h wieder ein.

Als Synthese aus Limousine und Kombi mit einem klaren Funktionalitätsauftrag muss die Neukonstruktion vor allem eines sein: ein BMW. Das bedeutet, keine Abstriche bei Fahrdynamik und Handlingeigenschaften. Eine gute Voraussetzung dafür bieten die bekannten Motoren. Ein neues Triebwerk wird nicht angeboten, sondern es kommen die standardmäßig mit Start-Stopp-System und Energie-Rückgewinnung ausgestatteten Treibsätze zum Einsatz. Das Leistungsspektrum beginnt beim 143 PS starken Vierzylinder-Diesel 318d und endet beim 306 PS leisteten Sechszylinder-Benziner im 335i. Zur Kraftübertragung gibt es jeweils die Wahl zwischen manueller Sechsgangschaltung und automatischem Achtganggetriebe. Letzteres erfordert einen Aufpreis von 2150 Euro, als Sport-Version mit Schaltwippen am Lenkrad 2350 Euro. Zum Sommer will BMW auch für die Allradfreunde etwas anbieten. Das Modell 328i sowie der zusätzliche 325d bekommen als Option den x-Drive dazu.

Die Ladekante ist mit 70 Zentimetern etwas höher als die des 3er Touring.
Die Ladekante ist mit 70 Zentimetern etwas höher als die des 3er Touring.(Foto: BMW)

Eine höhere Karosse wird von Kunden geschätzt, die bequemes Ein- und Aussteigen suchen. Im 3er GT ist man etwa auf dem Sitzniveau eines BMW X1 unterwegs. Wer im Fond Platz nimmt, den erinnert überhaupt nichts an einen 3er BMW: Endlich Platz. Selbst wenn ein 1,90 Meter großer Fahrer die Verstellschiene seiner Polster komplett ausnutzt, schränkt es den dahinter Sitzenden in keiner Weise ein. Das ist vorbildlich. Aus den 110 mm mehr Radstand gegenüber dem 3er Touring sind nach BMW-Messung letztlich 72 mm mehr Beinfreiheit im Fond geworden. Eine Chance zu noch mehr Bequemlichkeit dort bieten die in der Neigung um bis zu 19 Grad variablen Lehnen der Rücksitze, zwischen 15 Positionen kann der Passagier die ihm bequemste aussuchen.

Mit dem Diesel gut bedient

Die für den Nutzwert entscheidenden Daten lauten 520 und 1600. So viele Liter Volumen werden im Gepäckabteil vorgehalten. Wünschenswert wäre sicher eine niedrigere Ladekante als die von 70 Zentimetern, jedoch ließ sich dieses Maß aus Gründen der Karosserie-Steifigkeit nicht weiter absenken. Ein beweglicher Ladeboden und ein Schienensystem zum Fixieren der Ladung sollen eine optimale Anpassung an die Bedürfnisse der Kunden gewährleisten.

Die Probefahrten mit dem 320d sowie den 335i blieben frei von Überraschungen. Mit 184 PS ist der Diesel ausreichend temperamentvoll, schließlich kann er mit 380 Newtonmetern Drehmoment aufwarten, die bereits ab 1750 Umdrehungen verfügbar sind. Der Fahrer hat spürbar "mehr Auto" hinter sich als in der 3er Limousine, der GT fährt sich "wie ein Großer". Der höhere Schwerpunkt macht sich nicht negativ bemerkbar, mit 5,7 Litern Durchschnittsverbrauch war der Wagen nah am EU-Wert. Gleichmäßiges Tempo und ein flaches Streckenprofil haben zum guten Ergebnis beigetragen. Auf der kurvigen Bergstrecke entwickelte der 335i erwartungsgemäß mehr Appetit. Die gemessenen 10,7 Liter lagen ganze drei Volumeneinheiten überm Soll. Dafür ist der große Benziner aber auch das vergnüglichere Auto, das seine üppige Durchzugskraft von 400 Newtonmetern sogar schon bei 1200 Touren abrufen kann. Spontanes Ansprechverhalten sowie eine serienmäßige Lenk-Servotronik wecken im 335i sportliche Ambitionen.

Den konzeptbedingten Aufpreis gegenüber dem Standard-Kombi hat BWM mit 1800 bis 2000 Euro je nach Motorvariante angesetzt. Der Einstieg in den 3er GT klappt ab 36.150 Euro für den 318d und die Spanne reicht bis zum 49.360 Euro teuren 335i. Ihn in einer Variante zu bestellen, die Funktions- und Komfortbedürfnisse ein harmonisches Gleichgewicht bringt, dürfte etwa 55.000 Euro kosten.

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Quelle: n-tv.de

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