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Der Ranger Wildtrak macht auch im Gelände etwas her.
Der Ranger Wildtrak macht auch im Gelände etwas her.(Foto: Holger Preiss)

Ford Ranger Wildtrak: Ein amerikanischer Lifestyle-Bulle

Von Holger Preiss

In den USA gehören Pick-Ups zum Straßenbild wie Fast-Food-Restaurants. Sie sind Volksautos. Hierzulande gelten sie als nüchterne Nutzfahrzeuge und fristen ein Nischendasein. Mit dem Ranger versucht Ford den Spagat zwischen pragmatischem Laster und Freizeitauto, das vor allem Lifestylekunden ansprechen soll.

Mit seinen 5,35 Metern Länge ist der Ranger kein Stadtflitzer.
Mit seinen 5,35 Metern Länge ist der Ranger kein Stadtflitzer.(Foto: Holger Preiss)

Wer sich in einen Ford Ranger Wildtrak schwingt, der darf sich auch hierzulande über ein uramerikanisches Gefühl freuen. Doch während Pick-Ups in den USA ein Symbol für Unabhängigkeit und eine Möglichkeit erschwinglicher Mobilität sind, wie seinerzeit die Planwagen, sind sie in Deutschland eher teure Arbeitstiere oder im besten Fall robuste Lifestyler.

Die Grundidee des Ranger, der gemeinsam mit dem Mazda BT-50 produziert wird, ist der in den USA extrem erfolgreiche Ford F-150. Diesem Vorbild ähnelt der Ranger so sehr, dass sich das amerikanische Mutterhaus entschieden hat, das Fahrzeug nur außerhalb des nordamerikanischen Kontinents zu vertreiben. In Deutschland kann der 5,35 Meter lange amerikanische Bulle in drei Karosserieformen bestellt werden: mit Einzelkabine, Extrakabine und Doppelkabine. Ebenso stehen drei Diesel-Motoren zur Verfügung. Zwei 2,2-Liter-Vierzylinder mit 125 oder 150 PS Leistung und das Top-Aggregat, ein 200 PS starker 3,2-Liter-Fünfzylinder. Alle Modelle verfügen serienmäßig über zuschaltbaren Allradantrieb.

Wie ein junger Bulle

Der Innenraum ist aufgeräumt. Regler und Schalter befinden sich am rechten Fleck.
Der Innenraum ist aufgeräumt. Regler und Schalter befinden sich am rechten Fleck.(Foto: Holger Preiss)

Vom Feeling und Handling eines Geländewagens vermittelt der Ranger aber erst in der Ausstattung Wildtrak etwas, wenn er den klassenstärksten 3,2-Liter-Fünfzylinder unter der Haube trägt. Im Zusammenspiel mit der Sechsgang-Automatik, die etwas ruckelig arbeitet, fräst sich die Wuchtbrumme dann durch fast jedes Gelände. Wie ein junger Bulle gibt der Fünfzylinder seinen Willen zur Kraftentfaltung an die Achsen weiter.

470 Newtonmeter Drehmoment liegen bei 2750 Umdrehungen an. Im Zusammenspiel sorgt das auch für eine enorme Zugkraft. Ganze 3350 Kilogramm können an den Ranger gehängt werden, während auf die Pritsche noch einmal 1000 Kilogramm verladen werden können. Dabei passt die raue Akustik des Triebwerks ausgezeichnet zum robusten Auftritt. Im Gelände stößt der Kraftprotz erst bei der Querung von Flussfurten, die tiefer als 80 Zentimeter sind, und Steigungen jenseits von 100 Prozent an seine Grenzen.

Bis zu drei Tonnen kann der Ranger ziehen und eine weitere Tonne darf auf die Ladefläche.
Bis zu drei Tonnen kann der Ranger ziehen und eine weitere Tonne darf auf die Ladefläche.(Foto: Holger Preiss)

Eines ist der Ranger allerdings nicht: eine Rennmaschine. Spontane Überholmanöver sollte man sich verkneifen und sportliche Autobahnfahrten verbieten nicht nur der zunehmende Spritdurst, - Ford gibt den Durchschnittsverbrauch mit 9,5 Litern an - sondern auch das Crescendo des Motors. Auch als Einkaufshelfer im Großstadtdschungel könnte man schnell Gefahr laufen, den Mut zwischen den umhertanzenden "Blechzwergen" zu verlieren.

Die Angst vor dem Eck

Zwar fühlt sich die Ranger-Besatzung dank massiger Kühlerfront und extra hoher Sitzposition unverwundbar, aber der Pick-Up verlangt mit einer Länge von 5,35 Meter, einem Radstand von 3,22 und einem Wendekreis von beachtlichen 12,7 Metern einiges an Geschick und Nerven. Besonders wenn es ums Eck geht und die freie Parklücke am Discounter lockt. Hier ist die im Wildtrak verbaute Rückfahrkamera eine enorme Hilfe, aber mehr als in anderen Fahrzeugen sollte man den Hinweis beherzigen, das gesamte Umfeld seines steuerlich als LKW klassifizierten Fahrzeuges im Auge zu behalten.

Mit fast 41.000 Euro ist der Ranger Wildtrak kein Schnäppchen.
Mit fast 41.000 Euro ist der Ranger Wildtrak kein Schnäppchen.(Foto: Holger Preiss)

Der Ranger ist eben eher ein Arbeitstier. Dennoch bietet er fünf Passagieren ausreichend Platz. Die können sich in der Ausstattungsvariante Wildtrak in teils mit Leder bespannten Sitzpolstern räkeln und sich von einer Zwei-Zonen-Klimaautomatik temperieren lassen. Platz für Kleinigkeiten in der Kabine gibt es reichlich. Insgesamt warten 23 Stau- und Ablagefächer darauf, befüllt zu werden, und ein Kühlfach schluckt bis zu sechs Getränkedosen. Nur das Abstellen von größeren Flaschen dürfte schwierig werden, da die Fächer in den Türinnenverkleidungen dafür viel zu klein sind. Wer mit viel Gepäck eine Reise macht, der muss es auf der Pritsche verstauen.

Im Großen und Ganzen gibt sich der Innenraum wohnlich. Mit Intarsien in Karbonoptik, versucht Ford die etwas zu harte Plastik der Armatur zu kaschieren. Erfreulich sind der 8-fach elektrisch verstellbare Fahrersitz mit Lendenwirbelstütze und das 5-Zoll-Matrix-Multifunktionsdisplay mit Navi und CD-Radio. Auch in puncto Sicherheit ist der Ranger ein Trendsetter unter den Pick-Ups. Berganfahrassistent, Bergabfahrkontrolle, Anhängelaststabilisierung und ein adaptiver Zuladungsassistent sind neben ESP jetzt im Ranger Standard. Fünf Sterne und die bisher beste Bewertung in der Kategorie Pick-Up beim EuroNCAP-Crashtest belegen die gute passive Sicherheit, die inzwischen mit einem PKW vergleichbar ist.

Nicht nur für die Baustelle

Die Rolle des Preisbrechers für scharf kalkulierende Handwerker übernimmt der Wildtrak nicht. Mit 40.865 Euro ist er kein Schnäppchen. Wer es billig will, der muss auf die nüchtern ausgestattete Einzelkabine mit Hinterradantrieb im Ranger XL zurückgreifen, die lediglich 24.978 Euro kostet. Aber sogar der Ranger im Arbeitsanzug verzichtet nicht auf einen Hauch Luxus, denn im Unterschied zur allerdings bis zu 4000 Euro billigeren Konkurrenz sind Audioanlage, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel und Zentralverriegelung mit Fernbedienung ebenso Standard, wie eine Sicherheitsausstattung mit sieben Airbags.

Ein SUV im klassischen Sinne wird aus dem Ford Ranger dennoch nicht. Allerdings eignet er sich für weit mehr, als für den Einsatz auf einer Baustelle. Wer den Alltag mit einem Hauch Wilder Westen aufladen will, findet im kleinsten Ranger eine erschwingliche Alternative und sei es nur für das Abenteuer Parklücke in der Großstadt.

Quelle: n-tv.de

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