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Nach 36 Jahren hat Volkswagen die erste offene Version des GTI vorgestellt.
Nach 36 Jahren hat Volkswagen die erste offene Version des GTI vorgestellt.(Foto: Axel F. Busse)

Kult-VW für Sonnenanbeter: GTI erstmals "oben ohne"

von Axel F. Busse

Das war ein immens langer Anlauf: 36 Jahre hat es gedauert, bis die GTI-Gemeinde sich endlich über ein Cabrio freuen kann. Seit VW den Urvater aller Rennsemmeln 1976 vorstellte, war noch kein GTI mit einem versenkbaren Dach zu haben.

Die Leichtmetallfelgen im "Denver"-Design gibt es nur fürs GTI-Cabrio.
Die Leichtmetallfelgen im "Denver"-Design gibt es nur fürs GTI-Cabrio.(Foto: Axel F. Busse)

In der 6. Generation endlich hat Volkswagen die Demokratisierung des sportlichen Fahrens auch auf ein Open-Air-Auto ausgedehnt. Wobei der GTI anno 2012 mit Breitensport auch nicht mehr viel zu tun hat: 31.350 Euro werden für die offene Version mit Handschaltung verlangt, mehr als das Vierfache dessen, was der geschlossene GTI in seinem Erscheinungsjahr umgerechnet kostete.

Nicht ganz so krass fallen die Vergleiche anderer Werte aus. Mit 1555 Kilogramm Leergewicht hat das Cabrio von heute das Doppelte des ersten GTIs noch nicht ganz erreicht (820 kg) mit 210 PS wird die Leistung um genau hundert Pferdestärken übertroffen. Dafür verfügt der aktuelle GTI über zwei Liter Hubraum, während der Urahn nur aus 1,6 Litern schöpfen konnte. So oder so – der Vergleich hinkt natürlich. Genau genommen gibt es nur zwei Gemeinsamkeiten der Autos von damals und heute: Den Namen und das karierte Muster der Sitzpolster.

Mehr Bedienlogik erwünscht

Karierte Polster mit "Jacky"-Muster kennzeichnen seit 1976 den GTI.
Karierte Polster mit "Jacky"-Muster kennzeichnen seit 1976 den GTI.(Foto: Axel F. Busse)

Letzteres ist für die Anhänger des GTI-Kults aber unverzichtbar. Rund 1,8 Millionen Exemplare haben die Generationen 1 bis 4 sowie 6 bisher hervorgebracht, Tausende Fans haben gerade wieder am Wörthersee ihre Hingabe zu der einzigartigen Bastler-Basis bewiesen. Und seit das Golf-Cabrio den "Henkel" (in Fachkreis auch Überrollbügel genannt) losgeworden ist, sieht es auch richtig schick aus.

Da der Wagen inzwischen einkommensstärkere Kundenschichten anspricht, kann auf eine elektrische Betätigung des Verdecks nicht verzichtet werden. Nur neun Sekunden vergehen, bis es bündig hinter den Rücksitzen verschwindet, ein Tempo, das Weltklasse ist. Die Bewegung des dafür notwendigen Hebels ist leider nicht von Logik gekennzeichnet. Will man die Stoffhaube zurück klappen, muss man den Hebel nach vorn drücken, zum Schließen mach hinten. Intuitive Bedienung ist das nicht. Dass an den Seiten neben den Rücksitzen auf eine Verschlussklappe für die Spannmechanik des Verdecks verzichtet wurde, ist ebenfalls nicht schön, aber verschmerzbar, weil ansonsten das Styling des Cabrios sehr ausgewogen und harmonisch ist.

Das Verdeck lässt sich bis 30 km/h öffnen und schließen.
Das Verdeck lässt sich bis 30 km/h öffnen und schließen.(Foto: Axel F. Busse)

Sind die Seitenscheiben hochgefahren und das Windschott installiert, ist der Innenraum auch bei höheren Geschwindigkeiten nahezu frei von Zugluft. Musikgenuss oder anregende Unterhaltung sind also auch beim Offenfahren fast jederzeit möglich. Anhalten muss man zum Schließen des Verdecks nicht, ein kurzes Abbremsen auf 30 km/h (im Test waren es sogar ein paar mehr) reicht, um die Haube sicher zu schließen.

Karierte Polster und typischer Grill

Über die karierten Polster hinaus (Alternative wäre Leder) zeigt das neue Auto noch andere Insignien eines "echten" GTIs. Der rot eingefasste Kühlergrill samt Wabenstruktur und GTI-Schriftzug sind obligatorisch, an veränderten Stoßfängern und verchromten Abgasendrohren ist das Modell ebenfalls zu erkennen. Seitenschweller und 17-Zoll-Leichtmetallfelgen unterscheiden zusätzlich vom normalen Cabrio, das als 1,4-TSI-Modell mit 160 PS bisher den Endpunkt der Leistungsskala markierte.

Wer sein GTI-Cabrio mit Handschaltung bestellt, wird sich möglicherweise über eine weiche Kupplung mit einen ungewöhnlich langen Weg wundern, die so gar nichts mit einem sportlich aufgestellten Auto zu tun zu haben scheint. Bei der Abwägung zwischen dynamischem Fahrgefühl und Komfort hat man sich an dieser Stelle klar für den Komfort entschieden. Der muntere Zweiliter-Turbo ist das bekannt kultivierte Triebwerk, dessen 280 Newtonmeter Drehmoment für druckvolle Beschleunigung sorgen. Schon ab 1700 Umdrehungen steht der volle Schub zur Verfügung, wenngleich die Akustik-Experten den Vortrieb noch mit einem herzhafteren Auspuffgeräusch hätten garnieren können.

Leichtgängig und ausgewogen die Lenkung, Antriebseinflüsse sind auch bei kräftigem Tritt aufs Gas nicht wahrnehmbar. Noch zügiger als ein geübter Sportfahrer kann das sechsstufige DSG-Getriebe schalten, das für 1875 Euro Aufpreis zu haben ist. Jedoch fehlt dem Fahrerlebnis mit der Automatik naturgemäß das Gefühl der unmittelbaren Einflussnahme auf das Geschehen, so wie es eine Handschaltung kann. Die Höchstgeschwindigkeit wird beim DSG mit 235 km/h angegeben, der Handschalter soll zwei Stundenkilometer mehr schaffen. Die 7,6 Liter Normverbrauch des Handschalters übertrifft die Variante mit DSG um ein zehntel Liter.

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Quelle: n-tv.de

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