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Im Diesel 760 LMC ist ein digitaler Verkehrsfunkempfänger verbaut.
Im Diesel 760 LMC ist ein digitaler Verkehrsfunkempfänger verbaut.(Foto: Holger Preiss)

Rettet Trucker-Navi DAB?: Garmin wird digital navigieren

Von Holger Preiss

Navigiert wird im Verkehr mit TMC. Das System hat sich bewährt, ist aber eigentlich hoffnungslos veraltet. Zukunftsweisender ist hier schon das digitale Ausspiel der Informationen. Die theoretischen Möglichkeiten gibt es mit DAB seit fast 20 Jahren. Garmin versucht nun ein Stiefkind zu adoptieren und es hoffähig zu machen.

Die Geschichte des digitalen Radioempfangs ist kurz, aber nicht schmerzlos. Bereits in den 1990er Jahren wurde beschlossen, Hörfunkprogramme von dem hoffnungslos überlasteten UKW-Radio-System auf die Kurz-, Lang- und Mittelwelle zu verlegen. Natürlich in besserer Qualität.  Der dafür notwendige technische Standard, Radioprogramme in digitaler Form durch die Luft zu transportieren, ist Digital Audio Broadcasting  (DAB). Längst vor dem digitalen Switch-Over des Fernsehens hätte es die erste "Volldigitalisierung" in Deutschland geben sollen. Doch es kam anders.

Hier eine Darstellung der Übertragungswege von DAB-Signalen.
Hier eine Darstellung der Übertragungswege von DAB-Signalen.

Noch bevor sich DAB ansatzweise etablieren konnte, wurde ihm ein Schlag versetzt. Im Frühjahr 2009 lehnte die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) den Antrag zum Aufbau weiterer Sender und Netze durch die ARD-Anstalten ab. Doch das System steckt wie ein Splitter im Fleisch der Verantwortlichen und so dümpelt es mit dem Vertrag von 2010, ein bundesweites Programmensemble aufzubauen, weiter müde vor sich hin.

Der ARD die alleinige Schuld an der lauen Umsetzung des Projektes zu geben, wäre aber nicht richtig. Auch die Landesmedienanstalten, private Radiosender und Hersteller von Empfangsgeräten haben an dem Lehrstück des Versagens mitgeschrieben. Dabei wird in der Europäischen Union sogar die vollständige Digitalisierung aller Rundfunkmedien angestrebt. Allerdings ist ein "harter" Umstieg erst nach 2025 zu erwarten.

Keine plötzliche Eingebung

Dabei bietet DAB unendliche Möglichkeiten. Zum Beispiel könnte das längst nicht mehr zeitgemäße Verkehrsinformationssystem TMC (zur Anzeige von Stauwarnungen in Navigationssystemen) durch ein neues mit höheren Datenraten ersetzt werden und damit Navis deutlich effizienter machen. Ein Gedanke, der auch Garmin gekommen ist. Die Idee war keine plötzliche Eingebung, sondern basiert vielmehr auf der Erfahrung, die der Weltmarktführer auf dem Gebiet der mobilen Navigation in anderen Ländern sammeln durfte.

Mit dem dezl 760LMT präsentiert Garmin in Deutschland das erste sieben Zoll Navigationsgerät, das auf Grund seiner Größe vorerst primär den Brummis und Wohnmobilen vorbehalten ist, mit integriertem digitalem Verkehrsfunkempfänger. Damit greift das Gerät nicht nur die gewohnten Informationen über das herkömmliche System TMC (Traffic Massage Channel) ab, sondern auch digitale Verkehrsinformationen.

Der Empfang schwankt noch

Zusätzlich im DAB-Gerät: die LKW-Informationen.
Zusätzlich im DAB-Gerät: die LKW-Informationen.

Allerdings wird, wenn das Gerät im November auf dem Markt erscheint, noch die herkömmliche Übertragung von Daten genutzt, denn erst Mitte des kommenden Jahres sind die Übertragungskanäle so geschaltet, dass das DAB-Signal genutzt werden kann. Das funktioniert aber wegen des oben erwähnten verhinderten Ausbaus der Netze nicht überall in Deutschland. "Wir kommen heute auf eine Ausbaustufe von etwa 40 Prozent über Land und bis zu 70 Prozent in den Ballungsgebieten", so Garmin-Produktmanager PND (EMEA) Olaf Meng.

Die Schwankung kommt durch die unterschiedliche Betrachtung zustande, erklärt Meng, je nachdem, ob man die Fläche oder die Bevölkerung zur Grundlage nimmt. Hinzu kommt, dass bei DAB zwischen dem Aufenthalt in Gebäuden oder der freien Natur unterschieden werden muss. Die Herausforderung besteht also in der Signalstärke. Bei digitalen Signalen geht es nicht um stark oder schwach. Hier heißt es vielmehr: da oder nicht da. "Deswegen werden wir beim dezl 760LMT immer alle Informationen vorhalten", so Meng. Das bedeutet, dass bereits bei der Routenberechnung durch das Gerät alle vorhandenen Daten gespeichert werden und somit auch in den sogenannten weißen Löchern zur Verfügung stehen. Hinzu kommt, dass das Gerät in der Lage ist, in Zeiten des digitalen Ausfalls auf das herkömmliche TMC-Signal zuzugreifen. "Auch wenn ich mit dem Gerät in ein Land fahre, dass noch kein DAB unterstützt, werden die Daten auf bekannte Weise übertragen", erläutert Meng.

Die Vorteile können immens sein

In den Gebieten, wo auf DAB zugegriffen werden kann, sind die Vorteile gegenüber einem herkömmlichen Gerät immens. Neben dem Empfang des digitalen Audiosignals können über TPEG (Transport Protocol Experts Group) zusätzlich Informationen zur Parkplatzsituation, Wetter oder allgemeine Verkehrshinweise gesendet werden. Sicher, das gibt es bei herkömmlichen Navis auch. Die benötigen dafür aber einen Internetzugang über eine entsprechende SIM-Karte oder über die Kopplung mit einem Smartphone. In jedem Fall dürften hier Zusatzkosten für die Datenübertragung anfallen. Die gibt es beim dezl 760LMT nicht. Mit dem Kauf des Gerätes hat der Kunde die lebenslange Lizenz für die Nutzung der Verkehrsinformationen mit erworben.

Aber Vorsicht: Wer glaubt, dass er mit dem Kauf des Gerätes sofort auf alle Zusatzinformationen zugreifen kann, der muss enttäuscht werden. Nicht nur, dass es noch einige Zeit mit den digitalen Verkehrsinformationen dauert: Garmin kann jetzt noch nicht sagen, welche Features letztlich im Angebots-Portfolio sein werden. Die werden aber nicht geringer ausfallen als die der herkömmlichen Geräte, verspricht Meng. Doch was kostet das Trucker-Navi?

Garmin verlangt 479 Euro für das dezl 760LMT Eine Stange Geld, aber dafür ist auch einiges enthalten: Kartenmaterial für ganz Europa, die LKW-Attribute für 32 Länder und ein lebenslanges Karten-Update gibt es auch noch. Hinzu kommt der Digitalempfänger für Garmin 3D-Traffic-Live und die Premium Verkehrsinformationen. Außerdem geht ein Teil des Preises als Lizenz an die DAB-Anbieter. Das wiederum sollte dazu führen, dass die Verfügbarkeit weiter zügig ausgebaut wird.

Quelle: n-tv.de

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