Auto
Der Zweitürer basiert auf dem VW Golf.
Der Zweitürer basiert auf dem VW Golf.(Foto: VW)

Sportliche Golf-Alternative: Scirocco gebraucht - lauer Wind?

Benannt nach dem heißen Saharawind ist der Scirocco seit fast 40 Jahren die sportliche Alternative zum VW Golf. Das Coupé setzt sich vor allem durch die keilförmige Karosserie und ein agileres Fahrverhalten von seinem erfolgreichen Schwestermodell ab. Bei der Qualität gibt es aber Unterschiede.

Vor allem in der R-Version ist der Scirocco eine Sportskanone.
Vor allem in der R-Version ist der Scirocco eine Sportskanone.(Foto: VW)

Einen VW Golf sieht man an jeder Straßenecke. Wer es etwas exklusiver mag, aber auf die Tugenden des Bestsellers nicht komplett verzichten will, kann seit 2008 wieder auf den VW Scirocco ausweichen. Auch am Gebrauchtwagenmarkt ist das Coupé mittlerweile in ordentlicher Zahl präsent. Käufer sollten aber auf einige Details achten.

Auch beim Scirocco gilt der alte Coupé-Spruch von weniger Auto für mehr Geld. In Sachen Platzangebot und Kofferraumvolumen ist der dreitürige Viersitzer dem Golf klar unterlegen. Zwei Insassen können im Scirocco aber durchaus glücklich werden, sitzen sie doch vorne auf sehr guten, serienmäßigen Sportsitzen. Hinten finden zwei Passagiere trotz des dynamisch zugeschnittenen Dachs ordentliche Platzverhältnisse vor, aufgrund der kleinen Seitenfenster ist es etwas dunkel. Vor allem, wenn der schwarze Dachhimmel zur Ausstattung gehört. Der Kofferraum fasst 292 Liter, fast 50 Liter weniger als beim Golf, und ist mit seiner sehr hohen Ladekante nur schlecht zu bestücken. Nicht zuletzt verliert der Scirocco gegenüber seinem nächsten Verwandten auch bei der Übersichtlichkeit deutlich. Die kleinen hinteren Scheiben machen die optionalen Einparksensoren für das Heck oder die Rückfahrkamera zur Pflichtausstattung.

Nur mit Frontantrieb

Auch das Cockpit orientiert sich am Golf.
Auch das Cockpit orientiert sich am Golf.(Foto: VW)

Anders als den Golf gibt es den Scirocco nur mit Frontantrieb, selbst die 265 PS starke R-Variante muss ohne Traktionsunterstützung auskommen. Das gut abgestimmte Fahrwerk lässt in dieser Beziehung aber auch keine Sehnsucht aufkommen; der Scirocco zählt zu den agilsten und gleichzeitig gutmütigsten Modellen seiner Klasse. Das Motorenprogramm ist dem sportlichen Anspruch angemessen und umfasst ausschließlich Turbo-Triebwerke mit Leistungswerten ab 122 PS (1.4 TSI) auf Benzinerseite und 140 PS (2.0 TDI) bei den Dieseln. Bereits mit den Einstiegsmotoren ist man ordentlich motorisiert, richtig Spaß macht der Scirocco aber erst mit den stärkeren Ottomotoren, dem 1,4-Liter-Turbo mit 160 PS und dem aus dem Golf GTI bekannten 2,0-Liter-Turbo mit 210 PS. Letzterer ist auch hinsichtlich der Qualität eine gute Wahl, sind die 1,4-Liter-Motoren doch wegen Problemen mit den Steuerketten in Verruf geraten. Wer sich trotzdem für eines der Modelle entscheidet, sollte genau hinschauen. In einigen Fällen hat VW die Motoren bereits auf Kulanz repariert, in anderen Fällen ist Vorsicht geboten. Vergleichsweise unproblematisch sind hingegen die Diesel, wobei die 170 PS starke Top-Version Leistung und Sparsamkeit am besten vereint.

In Sachen Ausstattung hat sich VW beim Scirocco nicht lumpen lassen. Bereits in  der Basisversion sind Klimaanlage, Lederlenkrad und 17-Zoll-Leichtmetallräder an Bord. Ebenso Sportsitze und Sportfahrwerk. Die Optionsliste ist aber immer noch lang; zu den interessantesten Punkten zählt das Doppelkupplungsgetriebe, das für viele Motorversionen zu haben ist. Bei stärkeren Triebwerken kann zudem die (beim Neukauf recht günstige) elektronische Differentialsperre sinnvoll sein. Serienmäßig für Sicherheit sorgen in allen Versionen sechs Airbags.

Es knarzt und klappert ...

Der Scirocco teilt sich zwar das Gros seiner Teile mit dem Golf, wird aber nicht in Wolfsburg, sondern bei einer Konzerntochter in Portugal gebaut - in einem Werk, das nicht unbedingt für einen kompromisslosen Umgang mit der Qualitätssicherung bekannt ist. Das schlägt sich vor allem zu Beginn der Bauzeit in einem klapprigen und knarzigen Innenraum nieder. Ärgerlicher ist aber die Rostanfälligkeit der Heckklappe – Kaufinteressenten sollten hier einen genauen Blick drauf werfen. Auch auf die Gasdruckfedern, die bis 2009 unter schnellem Verschleiß litten. Aufgrund der starken Motoren und der häufig sportlichen Fahrweise der Halter stellt der TÜV beim Scirocco zudem vergleichsweise häufig Mängel an den Achsen fest, vor allem hinten. Bremsanlagen und -scheiben kommen hingegen auch mit härterer Beanspruchung gut zurecht.

Fazit: Coupékauf ist Geschmackssache. Wer Gefallen an dem schnittigen Golf-Derivat findet, kann beim Scirocco ohne größere Bedenken zugreifen. Zumindest, wenn es keine Probleme mit der Steuerkette gibt. Bei einem Raser mit Dauerbleifuß lässt man aber lieber Vorsicht walten – das gilt allerdings fast bei jedem Coupé.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen