Auto

Kaum Kunden, viele FragenGrausames Autojahr 2009

16.12.2008, 11:19 Uhr

Das kommende Jahr wird kein leichtes für die Autobranche. Den Herstellern steht eine schwere Zeit bevor, die Kunden leiden unter der Wirtschaftskrise. Alles dürfte noch ein Spur schlimmer werden.

Ein Ausblick auf ein neues Jahr in der Welt des Automobils beschäftigt sich meist mit den angekündigten neuen Modellen - schicken Sportwagen, edlen Limousinen und allem, was noch so kommt. Doch 2009 dürfte in mancher Hinsicht anders werden: Wurden Autobesitzer und Kaufinteressenten schon 2008 durch die Umweltdiskussion und zuletzt die Krisenthemen verunsichert, sind sich die Experten für 2009 in einem Punkt sicher: Vor allem für Hersteller und Händler wird alles noch eine Spur schlimmer.

2008 war anfangs vor allem das Jahr der Umweltdebatte. Man sprach über Sinn und Unsinn der Umweltzonen. Wenn es um Verbrauchsangaben ging, wurde auf den damit zusammenhängenden CO2-Ausstoß hingewiesen. Diskutiert wurde über den Verbrauch aber auch aus dem Grund, dass die Kraftstoffpreise ungeahnte Höhen erreichten. Das wiederum führte dazu, dass verstärkt über alternative Antriebe nachgedacht wurde - und mit dem Tesla Roadster ein Kleinserien-Sportwagen durch seinen Elektroantrieb positive Schlagzeilen machte.

Kunden meiden Autohändler

Doch all das erschien in den letzten Monaten des Jahres, als wäre es vor langer, langer Zeit geschehen: Die Finanzkrise erschütterte die Menschen, die daraufhin einen weiten Bogen um die Verkaufspaläste der Händler machten und die großen Autohersteller in eine Krise rutschen ließen, die in diesem Umfang wohl kaum jemand erwartet hatte.

Zum Jahreswechsel sieht die Situation daher so aus, dass Ankündigungen neuer Modelle selbst von ausgemachten Auto-Liebhabern eher als Nebensache abgetan werden. Der neue Ferrari California? Schick - aber wer soll so etwas kaufen? Die kommende E-Klasse von Mercedes? Sicher ein gutes Auto mit viel neuer Technik - aber eigentlich tut es die alte Limousine ja auch noch ein paar Jahre. Etwas mehr Kaufinteresse dürften dann schon kleinere Neuheiten wie Ford Ka, Toyota IQ oder Mazda3 hervorrufen.

Auto-Experte: "Es wird grausam"

Experten wie der Automobilforscher Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen fassen das Autojahr 2009 daher auch kurz und knapp zusammen: "Es wird sehr grausam." Vor allem dürfte das die Neuwagenverkäufe betreffen: "Wir gehen davon aus, dass die Verkaufszahlen mit 2,9 Millionen Autos erstmals seit der Wiedervereinigung unter 3,0 Millionen fallen werden. Es gab Zeiten, in denen jährlich 3,8 Millionen Autos verkauft wurden."

"Ein großes Fragezeichen gibt es vor allem bei Opel", sagt Oliver Staudacher, Vice President des Beratungsunternehmens PRTM aus Frankfurt/Main. Dabei geht es laut Dudenhöffer nicht nur um die Krise des Mutterkonzerns General Motors und die damit verbundenen finanziellen Engpässe. Vielmehr gibt es mit der Mittelklasse- Limousine Insignia nur ein neues Modell zwischen alten Produkten.

Angriff aus Indien und China

"Volkswagen und Ford sind ganz gut aufgestellt, Daimler, BMW und Audi dürften auch stabil sein", so Dudenhöffer. Erfolgsmeldungen werden von dort allerdings kaum erwartet - die gibt es woanders: "Dacia hat eine Sonderkonjunktur." Der Experte rechnet damit, dass auch der indische Hersteller Tata in Deutschland Autos anbieten wird - allerdings nicht den als "billigstes Auto der Welt" bekanntgeworden Tata Nano, sondern andere Modelle der Palette. Auch neue chinesische Hersteller dürften mit der Einführung preisgünstiger Modelle in Deutschland von der Krise profitieren wollen.

Bei den Werkstätten und Händlern ist 2009 weiterer Kahlschlag zu erwarten: "Im Jahr 2008 mussten wir rund 1200 Insolvenzen verzeichnen, das ist ein Anstieg um 8 Prozent gegenüber 2007", sagt Helmut Blümer, Sprecher des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Bonn. "Für 2009 ist vor allem im ersten Halbjahr mit einem weiteren Anstieg der Insolvenzen zu rechnen." Denn die Händler verkaufen nicht nur schlecht, sie haben oft den Hof auch voller Neu- und Gebrauchtwagen.

Höhere Strafen für Raser

Doch auch im Autoalltag kommt Neues - unter anderem eine Erhöhung der Bußgelder. "Die Missachtung von Tempolimits wird künftig härter bestraft", sagt Rainer Hillgärtner vom Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart. Innerorts wird eine Tempoüberschreitung ab 21 Stundenkilometer (km/h) künftig 80 statt wie bisher 50 Euro Bußgeld zur Folge haben. Richtig teuer wird es für Raser: Wer außerorts mehr als 50 km/h zu schnell fährt, muss 240 statt bisher 150 Euro zahlen. Bei Drogen oder Alkohol am Steuer werden schon beim ersten Vergehen künftig wohl 500 statt bisher 250 Euro fällig.

Einen Lichtblick gibt es für Radfahrer, die immer wieder durch abbiegenden Lastwagen gefährdet werden: Lkw von mehr als 3,5 Tonnen, die ab dem 1. Januar 2000 zugelassen wurden, müssen laut ACE bis zum April 2009 auf der Beifahrerseite mit einem Rückspiegel ausgestattet werden, der den gefährlichen "toten Winkel" reduziert.

Steuerbefreiung für Neuwagen

Sachverständigenorganisationen wie der TÜV Hessen in Darmstadt weisen auf eine Änderung bei der regelmäßigen Hauptuntersuchung der Fahrzeuge hin: Da bekanntermaßen neuere Modelle mit viel Elektronik ausgerüstet sind, wird für nach dem 1. April 2006 zugelassene Autos nun die Überprüfung elektronischer Bauteile mit eingeschlossen.

Und dann gibt es noch einen Punkt, an dem Umweltdiskussion und Absatzkrise zusammentreffen: Wer bis zum 30. Juni ein neues Auto kauft, muss mindestens ein Jahr keine Kfz-Steuer zahlen - wenn das ausgesuchte Auto die Schadstoffklasse Euro 5 erfüllt, die für neu eingeführte Modelle ab dem 1. September 2009 Pflicht wird. Autofahrer, die schon jetzt ein solches Euro-5-Modell besitzen, sollen eine Steuerentlastung für ein Jahr bekommen.

Quelle: Von Heiko Haupt, dpa