Auto
Heidi und Lili in Lima. Hier soll die Reise in zwei Monaten fortgesetzt werden.
Heidi und Lili in Lima. Hier soll die Reise in zwei Monaten fortgesetzt werden.

Hautkrebs, na und?: Heidi Hetzer "von bösartigem Rost befallen"

Von Holger Preiss

Bei der Diagnose Hautkrebs dürfte den einen oder anderen ein mulmiges Gefühl beschleichen. Nicht so die 78-jährige Heidi Hetzer, die mit einem 86 Jahre alten Oldtimer auf Weltreise ist. Für die Grand Dame des Automobils gilt: "Muss nur mal kurz in die Werkstatt."

Fast zwei Jahre ist Heidi Hetzer jetzt mit ihrem Hudson Great Eight unterwegs, um die Welt auf den Spuren von Clärenore Stinnes zu umrunden. Das ist nicht spektakulär? Doch, die Grand Dame des Automobils ist inzwischen 78 Jahre alt. Ihr Auto, das sie liebevoll Hudo nennt, bringt es auf 86 Jahre und die Route, die sie nimmt, stammt mit kleinen Abweichungen aus dem Jahr 1927. In der Summe ist das also nicht ohne. Abgesehen davon stand die Reise vor dem Start unter keinem guten Stern. Erst musste der Termin verschoben werden, weil der Kopilot kurzfristig abgesprungen ist, dann fanden Hetzer und die neu ausgewählten Mitreisenden nie so recht zueinander, sodass sich die Wege schnell wieder trennten.

Diagnose: Hautkrebs

Immer wieder hat Hudo seine Mucken. Heidi Hetzer würde ihn aber nie im Stich lassen.
Immer wieder hat Hudo seine Mucken. Heidi Hetzer würde ihn aber nie im Stich lassen.(Foto: Liliane Frevel)

Im Augenblick ist Lili, Liliana Frevel, eine in Spanien geborene Künstlerin, an ihrer Seite und die Chemie scheint zu stimmen. Das jedenfalls suggeriert ein Foto vom 15. Januar 2016. Aber egal. Das Problem, was Hetzer im Moment hat, ist viel größer: Bei ihr wurde Hautkrebs diagnostiziert. Nonchalant bügelt sie diesen Umstand in ihrem Blog weg: "Heidi muss nach Deutschland in die Werkstatt. Sie fühlt sich prima, ist aber von bösartigem Rost befallen und benötigt eine Hohlraumsanierung. Der Rost muss weg, bevor er die ganze Karosserie befällt, sonst gibt's keinen neuen TÜV für die Fahrerin."

Allerdings ist Hetzer zuversichtlich, dass sie in zwei Monaten wieder "on Tour" ist. Ihre neue Freundin Lili und Hudo warten solange im Museo de Autos Antiguos Colección Nicolini im peruanischen Lima. Zwei Dinge stellt die weltreisende Autofahrerin dann aber dennoch klar: Zum einen wird die Reise nur "unterbrochen, nicht abgebrochen", zum anderen wird sie zur Behandlung "nicht nach Berlin" kommen. Denn die deutsche Hauptstadt ist Start- und Zielpunkt der Reise. Basta!

Ein neuer Motor muss in Melbourne in "Hudo" gepflanzt werden.
Ein neuer Motor muss in Melbourne in "Hudo" gepflanzt werden.

Der eine oder andere wird sich fragen: Warum tut die Frau sich das mit 78 Jahren an? Denn neben der unangenehmen Diagnose hat Heidi schon einiges auf ihrer Reise durchgemacht, wo manch jüngerer Mensch die Segel gestrichen hätte. Neben einigen Ausfällen von Hudo, der beispielsweise im März 2015 im australischen Melbourne den Geist aufgab und einen komplett neuen Motor benötigte, hatte Hetzer im September in den USA einen unschönen Unfall. Nicht das Hudo verletzt worden wäre. Hetzer selbst war es, die in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Den kleinen Finger eingebüßt

Auf der Suche nach einem Ölleck verfing sich Heidis Lappen im laufenden Motor. Ihre Hand wurde so unglücklich eingequetscht, dass der kleine Finger der rechten Hand so sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass das erste Glied amputiert werden musste. Für die alte Dame kein Problem. Und so fällt der Kommentar in ihrem Blog mit Blick auf ihre Hand gewohnt lax aus: "Heidi kann sich jetzt schon vorstellen, stilvoll den Handschuh wieder als Accessoire in Mode zu bringen."

Nach einer Pause in Deutschland will Hetzer ihre Reise fortsetzen. Die nächsten Etappen sind Südamerika und das südliche Afrika. Eigentlich sollte die Fahrt, die im Mai 2014 begann, in zwei Jahren abgeschlossen sein. Das wird sich nicht realisieren lassen. Aber bereits vor dem Start sagte Hetzer in einem Interview mit n-tv.de: "Mit der Fahrt ist es wie mit allem in Berlin. Ich habe sie verschoben." Und inzwischen ist für die hippe Automobil-Dame, frei nach Konfuzius, der Weg das Ziel. Und das ist erreicht, wenn die geplante Strecke geschafft ist.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen