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Mit dem XL1 präsentiert VW nach elf Jahren Entwicklung ein Hybrid-Auto mit einem Verbrauch von lediglich 0,9 Liter auf 100 Kilometer.
Mit dem XL1 präsentiert VW nach elf Jahren Entwicklung ein Hybrid-Auto mit einem Verbrauch von lediglich 0,9 Liter auf 100 Kilometer.

Mit der Kraft der zwei Herzen: Im Hybrid liegt die Zukunft

Von Holger Preiss

Der Elektroantrieb ist tot. Es lebe der Hybrid. Ohne den geht nämlich in Genf gar nichts. Zwar hat nicht jeder Hersteller ein solches Fahrzeug im Gepäck, aber zusammen mit diversen Studien ist der Antrieb am Lac Léman allgegenwärtig.

Der neue Nissan Leaf soll seinen erfolglosen Vorläufer ablösen.
Der neue Nissan Leaf soll seinen erfolglosen Vorläufer ablösen.

Die Autoindustrie ist wankelmütig. Oder sind es die Käufer? Hat der ökologische Gedanke versagt? Nein. Aber tatsächlich ist es so, dass sich noch vor einem Jahr die Hersteller in Genf mit ihren Elektromobilen in eigens dafür vorgesehenen Hallen gegenseitig zu überbieten suchten. Heute müssen sich die Stromer mit den schärfsten PS-Raketen die Plätze teilen.

Wie kein anderer europäischer Hersteller hat sich der schwächelnde Staatskonzern Renault der Elektromobilität verschrieben. Neben dem zweisitzigen Twizzy, dem Mittelklassemodell Fluence und dem Transporter Kangoo soll in Zukunft der kompakte Zoe die Modellpalette abrunden. Angesichts der mangelnden Reichweite der Elektromobile wird aber auch der Preis von 20.600 Euro keinen Kaufrausch auslösen. Schon gar nicht, wenn die Batterie mit einer monatlichen Miete von 79 Euro zu Buche schlägt. 

Auch bei Renaults japanischem Kooperationspartner Nissan steht ein Elektroauto in Genf. Kein neues, eher ein alter Bekannter. Der im englischen Sunderland produzierte Stromer soll jetzt als "Euro-Leaf" angeboten werden und unter seinem Chassis einen Akku verbergen, der für eine Reichweite von 200 Kilometern sorgt. Über den Preis wird allerdings noch Stillschweigen bewahrt.

Toyota setzt seit Langem auf Hybrid und schickt den Auris Sports Tourer ins Rennen.
Toyota setzt seit Langem auf Hybrid und schickt den Auris Sports Tourer ins Rennen.

Unterdessen haben sich die Stuttgarter von einem für die B-Klasse geplanten Reichweitenverlängerer oder Range Extender verabschiedet. Stattdessen präsentieren sie das Concept B-Electric-Drive. Der 136 PS starke Antrieb soll eine Reichweite von 200 Kilometern und eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h ermöglichen.

Trend geht zum Hybridantrieb

Dennoch ist in Genf ein Trend erkennbar: Neben den energiegeladenen Einzelmodellen setzen die Hersteller zunehmend auf Hybridantriebe. Kaum ein Hersteller verzichtet noch auf die Kraft der zwei Herzen. Und so ist auf dem Nissan-Stand auch die als Studie getarnte neue Murano-Generation zu sehen, die in den kommenden Jahren mit Hybridantrieb auf den Markt rollen wird.

Bei der japanischen Konkurrenz von Toyota gehört der Hybrid längst zum festen Bestandteil des Angebots, das in den kommenden Wochen durch den neuen Auris Sports Tourer abgerundet wird. Der als erster Vollhybrid-Kombi in der Kompaktklasse ausgerufene Wagen erreicht einen CO2-Wert von 85 Gramm und eine Ladekapazität von bis zu 1660 Litern. Auch Toyotas edler Ableger Lexus schließt in Genf die Lücke im Angebot und präsentiert den IS 300h, der einen 2,4-Liter-Vierzylinder mit einem Elektromotor kombiniert und so eine Systemleistung von 181 PS erreicht. Dank dieser Ehe soll der Verbrauch auf 100 Kilometer bei lediglich 4,3 Litern liegen.

Der Audi A3 e-tron fährt mit Traumwerten vor.
Der Audi A3 e-tron fährt mit Traumwerten vor.

Die französischen Vorreiter der Hybridtechnik Citroen und Peugeot präsentieren am Lac Léman eine gemeinsam mit Bosch entwickelte Studie. Bei dem neuen Hybridantrieb, der in Genf in einem C3 verbaut ist, sollenPressluft und Hydraulik kombiniert werden. Klingt unspektakulär, führt aber dazu, dass der Verbrauch auf weniger als drei Liter sinkt und der CO2-Wert bei lediglich 69 Gramm/Kilometer liegen soll.

Die Blau-Weißen aus Bayern bieten mit dem Concept Active Tourer einen ersten Ausblick auf die künftige Entwicklung. Der 4,3 Meter lange Kompakt-Van wird von einem 1,5-Liter-Dreizylinder und einem Elektromotor befeuert. Im reinen Elektromodus soll der als Plug-in-Hybrid ausgerufenen BMW eine Reichweite  von mehr als 30 Kilometern haben. Die kooperative Leistung beider Motoren liegt bei 190 PS und der Verbrauch laut Datenblatt bei lediglich 2,5 Litern auf 100 Kilometer, die CO2-Belastung bei unter 60 Gramm je Kilometer.

VW macht's vor

Mit seiner Serienversion des  XL1, die eher in homöopathischen Dosen verabreicht wird (lediglich 50 Stück werden produziert), hat Volkswagen einen neuen Verbrauchsrekord aufgestellt. Dank seiner Plug-in-Technik gibt sich der stromlinienförmige Zweisitzer mit 0,9 Liter Benzin auf 100 Kilometer zufrieden und kann bis zu  50 Kilometer elektrisch zurücklegen. Näher an der Praxis ist der Jetta Hybrid, der nach seinem Erfolg in den USA nun auch auf den europäischen Markt rollt. Trotz seiner sportlichen Werte (0 bis 100 km/h in 8,6 Sekunden) begnügt sich der 150 PS starke Vierzylinder laut Werksangaben mit 4,1 Liter Benzin auf 100 Kilometern und erreicht einen CO2-Ausstoß von 95 Gramm je Kilometer. Außerdem kann der Jetta Hybrid zwei Kilometer im Elektromodus fahren.

Was die Mutter kann, kann die Tochter schon lange und so setzt auch Audi auf die Plug-in-Technologie und stellt in Genf den Audi A3 Sportback e-tron vor, der eine Systemleistung von 204 PS erreicht und von null auf 100 km/h in 7,6 Sekunden beschleunigt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 222 km/h. Nach der ECE-Norm für Plug-in-Modelle liegt der Verbrauch bei - für ein Serienfahrzeug unglaublichen  - 1,5 Litern, was einem CO2-Ausstoß von 35 Gramm entspricht.

Die Welt spricht also Hybrid. Und solange Akkumulatoren nicht in der Lage sind, die Laufleistung eines Verbrennungsmotors zu erreichen, wird die Kraft der zwei Herzen wohl die Zukunft im Automobilbau sein.

Quelle: n-tv.de

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