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Die futuristische Studie concept-i von Toyota macht nicht nur optisch etwas her. In ihr wohnt auch Yui.
Die futuristische Studie concept-i von Toyota macht nicht nur optisch etwas her. In ihr wohnt auch Yui.(Foto: Holger Preiss)
Samstag, 07. Januar 2017

CES 2017 - Alexa, Yui und SAM: Im Auto der Zukunft wird es persönlich

Von Holger Preiss, Las Vegas

Das alles bestimmende Thema der Autohersteller auf der CES ist das autonome Fahren. Aber längst steht das nicht mehr allein, sondern verbindet sich mit einer Art globaler Vernetzung und dem allgemeinen Wohlbefinden.

Im Nissan lernt SAM sogar auf menschliche Gesten zu reagieren.
Im Nissan lernt SAM sogar auf menschliche Gesten zu reagieren.(Foto: Holger Preiss)

Ob man es will oder nicht, die Welt vernetzt sich. Wer das bestreitet, hat bestimmt auch kein Smartphone in der Tasche. Auf der CES in Las Vegas werden die verwegensten Konzepte vorgestellt, denen sich natürlich auch die Autoindustrie nicht entziehen will. So kann der VW der Zukunft dank seines neuen Kooperationspartners Amazon, in Zukunft zum Beispiel mit der heimischen Wohnung und den dort stationierten Endgeräten kommunizieren. Zu denen gehört der Kühlschrank in Bälde ebenso wie die Waschmaschine.

Wenn Kühlschrank und Auto sich unterhalten

Nicht neu, sagt der aufmerksame Leser und hat Recht, denn Samsung hat ähnliche Konzepte schon vor Jahren vorgestellt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Haushaltsgeräte die Sprache von "Alexa", dem Sprachassistenten von Amazon verstehen müssen. Die funktioniert im Übrigen genauso wie "Siri" von Apple oder "Cortana" in Windows 10. Wer allerdings die Ausfälle bei Siri bezüglich Anfragen kennt, darf gerne Zweifel an dieser schönen neuen Netzwelt hegen.

Hondas NeuV ist klein, weiß aber alles über seinen Fahrer.
Hondas NeuV ist klein, weiß aber alles über seinen Fahrer.(Foto: Holger Preiss)

Dennoch können Haushaltsgeräte ohne Probleme ferngesteuert werden, dazu bedarf es keiner großen Fähigkeiten des Sprachprogramms. Und auch der Hinweis vom Kühlschrank auf das Smartphone, dass er befüllt werden muss, überrascht heutzutage niemanden mehr. Diskussionen wird es wieder geben, wenn das Haushaltsgerät den Laden mit der preiswertesten Milch empfiehlt. Aufzuhalten sind diese Prozesse aber nicht. Denn schließlich gibt es auf der CES auch schon eine "intelligente" Haarbürste von Withings zu sehen, die mit Hilfe einer App-Anbindung den Kämmvorgang analysiert. Zudem werden Informationen zur Haargesundheit gesammelt und verarbeitet. Auch vor zu festem Druck auf den Schopf warnt die Bürste.

Bleiben Sie gesund

Ein immer wiederkehrender Gedanke ist auf der CES in den Autos der Zukunft der Gedanke an die persönliche Gesundheit. Honda zeigt auf der Messe zum Beispiel die Elektro-Kleinwagen-Studie NeuV. Der Winzling erfasst über den automatischen Netzwerkassistenten (HANA) die Stimmungslage des Fahrers, bietet entsprechende Musik an und passt selbst die Fahrrute der seelischen Verfassung an. Aber NeuV soll nicht nur einem Fahrer gehören. Vielmehr kann es in Fahrgemeinschaften eingebunden werden und verkürzt so die Stehzeit, die für Privatfahrzeuge statistisch bei 97 Prozent liegt. NeuV ist aber auch ein Sparfuchs. Das Fahrzeug fährt nämlich nur dann an die Dose, wenn der Strom gerade besonders billig ist.

So oder ähnlich könnte das Cockpit in einem Hyundai in Zukunft aussehen.
So oder ähnlich könnte das Cockpit in einem Hyundai in Zukunft aussehen.(Foto: Holger Preiss)

Natürlich versucht auch Mercedes den Insassen eines Benz die Fahrt in Zukunft noch angenehmer zu machen. Auch wenn die in Las Vegas ausgestellte C-Klasse nicht autonom fährt, unterbreitet sie dem Fahrer bereits beim einsteigen Routenvorschläge und versucht zu erahnen, wen der Pilot als nächsten anrufen möchte. Die Grundlage dafür sind natürlich Datensammlungen, aus denen der Computer lernt, Gewohnheiten zu interpretieren und die Wahrscheinlichkeit der Wiederholung errechnet.

Warum noch selber fahren?

Ähnliche Konzepte präsentiert in Las Vegas Hyundai Mobis. Das Unternehmen war ursprünglich ein schnöder Zulieferer, hat sich aber über die Jahre zum Technologie-Zentrum der Koreaner entwickelt. Die Zukunftsvision sieht hier so aus, dass der Wagen bereits durch einen Tipp auf die App selbständig den Parkplatz verlässt und seinen Fahrer zum Beispiel vom Flughafen-Terminal abholt. Auch hier wird beim Einsteigen die Stimmungslage überprüft und alle Gegebenheiten dem analysierten Zustand angepasst.

Hier ist Yui zu Hause.
Hier ist Yui zu Hause.(Foto: Holger Preiss)

Nun fährt der Wagen auf Wunsch auch völlig autonom an das bereits vorgegebene Ziel. Dabei soll sich das Fahrzeug tatsächlich problemlos allen, aber auch wirklich allen Gegebenheiten des Straßenverkehrs anpassen können. Weder ausscherende Verkehrsteilnehmer noch verlorenes Ladegut, sollen dank blitzschneller Reaktion den Lauf des Hyundai aufhalten. Das jedenfalls suggeriert die Präsentation auf dem Messestand. So unterwegs, steigt der "Fahrer" am Zielort völlig entspannt aus. Dort sucht sich das Auto allein seinen Parkplatz und vermeldet via App-Eintrag seinen Standort. Warum allerdings der Motor per Ansage von der Couch gestartet werden kann erschließt sich mit Blick auf das hier gezeichnete Gesamtbild nicht wirklich.

Spaß mit Yui

Natürlich hat auch Toyota ein Auto auf der CES am Start, dass die oben beschriebenen Ideen auf seine ganz eigene Art und Weise umsetzt. Damit es persönlicher wird, hat die verantwortliche Hard- und Software im Concept-i einen Namen bekommen. Der Assistent heißt dort Yui und wohnt laut Aussage der Japaner im Armaturenbrett. Auch sein Ziel ist es die Emotionslage des Fahrers zu erkennen, seine Bedürfnisse zu erahnen und im Zusammenspiel aller Komponenten sogar "seine Vorstellungen zu inspirieren". Wie auch immer das aussehen könnte. Dabei lernt Yui wie die anderen Systeme von den Gewohnheiten seines Besitzers.

Yui redet auch mit den anderen Verkehrsteilnehmern.
Yui redet auch mit den anderen Verkehrsteilnehmern.(Foto: Holger Preiss)

Selbstredend ist auch Yui in der Lage den Wagen völlig autonom durch den strömenden Verkehr zu lenken und klar, auch hier kann der Pilot selbst Hand anlegen. Wenn es denn so ist, werden zur besseren Wahrnehmung Außenbilder auf Projektionsflächen im Innenraum übertragen. Das wiederum verhindert den Totwinkel und das Head-up-Display projiziert seine Informationen weitläufig auf die Frontscheibe, um zum einen die Augen des Fahrers auf der Straße zu halten und sie zum anderen zu entlasten. Damit die Atmosphäre im Innenraum als Ganzes stimmig ist, können sich die Passagiere auf vier weißen Einzelsitzen rekeln. Auch das ein Umstand, so Toyota, der das Wohlbefinden steigern soll.

Aber Yui kommuniziert nicht nur mit den Insassen, sondern auch mit den anderen Verkehrsteilnehmern. Über Botschaften am Heck informiert er den nachfolgenden Verkehr nicht nur über seine eigenen Manöver, sondern warnt auch vor scharfen Kurven oder unübersichtlichen Kreuzungen. Toyota selbst sieht in Yui "die Philosophie der kinetischen Wärme und Herzlichkeit" umgesetzt. Tatsächlich sind die Japaner an dieser Stelle die Einzigen, die betonen, dass das System auch "spaßig" sein soll und nicht nur als bierernste Technologie-Wolke daherkommt.

SAM muss lernen

Als letztes Unternehmen sei an dieser Stelle Nissan erwähnt. Die Japaner haben ihren Fokus auf der CES streng auf das autonome Fahren gelegt. Auch sie haben ihrem System einen Namen gegeben. Allerdings steht "SAM" hier sehr nüchtern für "Seamless Autonomous Mobility", also für nahtlose autonome Mobilität. Nahtlos soll die sein, weil Nissan nicht ganz unbegründet davon ausgeht, dass sich die autonom fahrenden Autos in der Zukunft die Straßen noch sehr lange mit pilotierten Fahrzeugen und natürlich Fußgängern teilen müssen. Das heißt, SAM soll in erster Linie beim Fahren künstliche Intelligenz mit menschlicher Reaktion und Emotion verknüpfen.

Wie ein Fahrschüler lernt SAM durch die Interaktion und soll so in die Lage versetzt werden, auch unvorhergesehene Situationen zu meistern. Die höchsten Anforderungen stellen hier die Situationen im Stadtverkehr, wo nicht nur Autos, sondern auch Fußgänger und Fahrradfahrer unterwegs sind. Das bedeutet, dass die Maschine in die Lage versetzt werden muss selbst Blickkontakt und Gesten zu verstehen. Hinzu kommen Länderspezifische Unterschiede, die nicht selten kulturell bestimmt sind. Wie lange es dauern wird bis SAM und seine Freunde Eingang in die Serienautos finden, kann keiner so recht sagen. Aber die Zeit ist schnelllebiger geworden und die Entwicklung nimmt einen rasanten Lauf. Ewig wird es mit Sicherheit nicht mehr dauern.

Quelle: n-tv.de

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