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Lehrvorführung: DTM-Pilot Martin Tomczyk demonstiert die hohe Schule des Driftens.
Lehrvorführung: DTM-Pilot Martin Tomczyk demonstiert die hohe Schule des Driftens.(Foto: Textfabrik/Busse)

25 Jahre BMW-Driving-Experience: Im Power-Slide auf Ötzis Spuren

Von Axel F. Busse

Wer einmal richtig hoch hinaus möchte, der ist bei der "BMW Mini Driving Experience" an der richtigen Adresse. Besonders im Winter. Sicheres Fahren auf Eis und Schnee wird auf dem höchstgelegenen Trainingsgelände der Welt groß geschrieben.

Hier geht's rund: Das subtile Wechselspiel zwischen Gas- und Lenkbewegungen will gelernt sein.
Hier geht's rund: Das subtile Wechselspiel zwischen Gas- und Lenkbewegungen will gelernt sein.(Foto: Textfabrik/Busse)

Genau 25 Jahre ist es her, dass ein Handschlag die Zusammenarbeit des Münchner Konzerns und eines Söldener Hoteliers besiegelte. Stolze 2800 Meter über dem Meeresspiegel liegt das rund drei Hektar große Gelände, dessen spektakuläre Auffahrt unlängst die Kulisse für eine atemberaubende James-Bond-Verfolgungsjagd abgab. Die damalige BMW-Fahrerschule hatte aber keine halsbrecherischen Stunts zum Ziel, sondern das sichere Beherrschen des eigenen Fahrzeugs inklusive wetterbedingter Vorbereitungen wie zum Beispiel das korrekte Aufziehen von Schneeketten.

Bis zur Einrichtung der Übungsplätze an Tiefenbach- und Rettenbachgletscher gab eine präparierte Wiese im Zillertal den Schauplatz der Fahrübungen ab. Josef Bücherl war damals Leiter der Fahrerschule von BMW, jener Einrichtung, die er 1977 mit aus der Taufe gehoben hatte und die mittlerweile als "BMW Mini Driving Experience" firmiert. Zu den zahlreichen Schulungsangeboten um die Optimierung fahrerischen Könnens sind inzwischen Motorradkurse, touristische Expeditionen und Lehrgänge für das sichere Chauffieren von VIPs aus möglichen Gefahrenzonen gekommen.

Querverkehr: An der Bergstation habe die Skifahrer Vorfahrt, die Allradler müssen warten.
Querverkehr: An der Bergstation habe die Skifahrer Vorfahrt, die Allradler müssen warten.(Foto: Textfabrik/Busse)

Der ehemalige Polizist Bücherl ist das Urgestein der Driving-Experience. Seine fast 85 Jahre hindern ihn nicht, auch diesen Winter wieder in Sölden dabei zu sein. Die Verlegung des Übungsgeländes vom Zillertal um rund zwei Kilometer in der Vertikalen versprach nicht nur mehr Schnee- und Frostsicherheit, die Instruktoren und Teilnehmer mussten sich auch auf technische Veränderungen einstellen. Die 3er-BMW, seinerzeit das Standardfahrzeug für die Brems-, Slalom- und Steigungsexerzitien, hatten aufgrund des geringeren Luftdrucks in der Höhe plötzlich deutlich weniger Leistung. "Die Minderung kann durchaus 20 Prozent betragen", sagt Karl-Heinz Müller, der in diesem Winter der Einsatzleiter der Driving-Experience in Sölden ist. Dem Modell M3 der Baureihe E30 zum Beispiel, ab Werk mit 195 PS versehen, standen auf der Gletscherhöhe plötzlich weniger als 160 PS zur Verfügung.

"Kontrolliertes Übersteuern" als Lernziel

Der Freude am quer Fahren tat dies keinen Abbruch, denn der Hinterradantrieb machte es leicht, das Auto ins Übersteuern zu bringen und durch geschickte Gegenlenkbewegungen auf Kurs zu halten. Wie das in Perfektion aussieht, zeigte zur Jubiläumsveranstaltung DTM-Pilot Martin Tomczyk im BMW M6. Aber auch Nicht-Profis erlernen unter der fachkundigen Anleitung der Instruktoren schnell, das richtige Gefühl für das Zusammenspiel von Gaspedal und Lenkbewegungen aufzubringen. "Driften ist nicht mehr als kontrolliertes Übersteuern", gibt Instruktor Florian Wimmer den Teilnehmern mit auf den rutschigen Weg. Während die Piloten sich angestrengt am Lenkrad warm kurbeln, gibt er über Funk Anweisungen, verteilt Lob und tröstet, wenn der Wagen nicht in die Richtung läuft, die er soll.

Verschiedene Hinterradantriebs- und Allradfahrzeuge können die Teilnehmer ausprobieren.
Verschiedene Hinterradantriebs- und Allradfahrzeuge können die Teilnehmer ausprobieren.(Foto: Textfabrik/Busse)

Heute ist Leistungsverlust in der Höhe kein Thema mehr, da die durchweg per Turbolader zwangsbeatmeten Motoren stets ausreichend Sauerstoff für eine perfekte Verbrennung bekommen. Während die aktuellen Inhalte des Trainings ganz auf die Grundlagen der Fahrphysik und die Beherrschung des Autos konzentriert sind, bestand das Programm in den ersten Jahren noch zu einem wesentlichen Teil aus Wintersport. "Drive and Ski" lautete der Slogan, unter dem die teils einwöchigen Reisen offeriert wurden. Drei Tage lang schlitterten M3 und später 325ix um die Pylonen, drei weitere Tage waren fürs Pistenvergnügen auf den "Brettln" reserviert. Heute folgt auf ein kurzes technisches Briefing nur noch Praxis am Steuer. Dass es dabei nicht gar so bierernst zugeht, dafür sorgen Müller und seine Kollegen. "Ohne Spaß nutzt die ganze Veranstaltung nichts", weiß der Instruktor aus Erfahrung.

Weltweite Vier- und Zweirad-Angebote

Dem Himmel so nah: Auf 2800 Meter umkurven die Testfahrzeuge die Pylonen.
Dem Himmel so nah: Auf 2800 Meter umkurven die Testfahrzeuge die Pylonen.(Foto: Textfabrik/Busse)

Außer den 3er- und 5er-Modellen mit Hinterradantrieb kommen auch Fahrzeuge der X-Baureihen zum Einsatz, die konzeptbedingt ein differenzierteres Handling verlangen. Die Wirkungsweise des elektronisch geregelten Allradantriebs kann auf Steigungs- und Gefällestrecken sowie auf abgestecktem Parcours in sicherer Umgebung ausprobiert werden. Die beiden planierten und aufbereiteten Areale sind durch den Rosi-Mittermaier-Tunnel verbunden, der ebenso wie die Ötztaler Gletscherstraße für den James-Bond-Film "Spectre" eine Kulisse abgab.

Zwar sichern langfristige Vereinbarungen mit den zuständigen Behörden sowie der Bergbahn-Gesellschaft - wo ebenfalls die Familie Falkner das Sagen hat – den Bestand der Driving-Experience in Tirol, jedoch bleibt der Wandel der natürlichen Voraussetzungen dem Auge nicht verborgen: "Als wir anfingen", sagt Karl-Heinz Müller und blickt nachdenklich gen Süden in Richtung Schwarze Schneid, "waren die beiden Bergspitzen dort drüben noch nicht zu sehen". Das Gletschereis hat – wie anderswo auch - über die Jahre an Substanz eingebüsst, das ist unübersehbar.

Wintertraining kann man mit der BMW Driving Experience nicht nur in Sölden erleben. Auch im nordschwedischen Arjeplog, nahe dem Polarkreis, werden Fahrerkurse angeboten. Das Publikum ist ebenso international wie die Instruktorenriege, zu der beispielsweise "Rallye-Professor" Rauno Altonen gehört. Wer es lieber etwas wärmer hat, findet ohne Probleme passende Ziele. Namibia zum Beispiel. Eine russische Gästegruppe hat die Tour im Südwesten des afrikanischen Kontinents schon zehnmal hintereinander gebucht. Die Pkw- und Motorradveranstaltungen sind mittlerweile zum "big business" geworden: Rund 26.000 Teilnehmer stiegen 2015 weltweit mit den unterschiedlichsten Absichten in ein BMW-Übungsfahrzeug.

Ein Dauerrenner sind die Kurse auf Rennstrecken, wobei sich die Nordschleife des Nürburgrings besonderer Beliebtheit erfreut. Manchmal sind die Termine schneller ausgebucht als ein Stadionkonzert von Helene Fischer. Nur neun Minuten dauerte es einmal von Freischaltung eines Online-Angebots, bis der letzte Platz ausgebucht war.

Quelle: n-tv.de

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