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98 Pozent der Jaguar XF-Käufer bevorzugen in Deutschland Dieselmotoren.
98 Pozent der Jaguar XF-Käufer bevorzugen in Deutschland Dieselmotoren.(Foto: Axel F. Busse)

Raubkatzen werden schneesicher: Jaguar jetzt auch mit Allrad

Von Axel F. Busse

Sicheren Grip auch bei Schnee und Reifglätte verspricht das neue Allradsystem von Jaguar. Die Limousinen XF und XJ sind ab sofort mit 4x4-Antrieb zu haben. Kleiner Schönheitsfehler: Mit dem für Deutschland passenden Motor ist die Traktionshilfe leider nicht erhältlich.

Trotz seines Formats ist der XJ mit Allradantrieb handlich zu dirigieren.
Trotz seines Formats ist der XJ mit Allradantrieb handlich zu dirigieren.(Foto: Axel F. Busse)

Kein Zweifel: Erfahrung und Kompetenz in Sachen Allradantrieb ist bei dem Unternehmen, das die Marken Jaguar und Land Rover ("JLR") vereinigt, reichlich vorhanden. Deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis der britische Traditionshersteller einen Teil seiner Limousinen-Modelle auch mit 4x4-Antrieb ausstatten würde. In der oberen Mittelklasse und der Oberklasse, also bei den Modellen XF und XJ, kann Jaguar seinen Kunden jetzt auch das anbieten, was die noblen Viertürer von Audi, BMW oder Mercedes schon lange haben – eine zusätzliche angetriebene Achse.

Mit dem finanzstarken indischen Tata-Konzern im Rücken fährt Jaguar derzeit einen Expansionskurs, der in der Firmengeschichte ohne Beispiel ist. Investiert wird an allen Fronten, bei der Modellvielfalt, der Qualitätssicherung und beim Händlernetz. Der globale Absatz konnte im vergangenen Jahr um sechs Prozent gesteigert werden, wobei Deutschland mit drei Prozent sogar noch den Heimatmarkt Großbritannien übertrumpfen konnte. Wenig überraschend liegt das Wachstum in China mit 20 Prozent an der Spitze.

US-Kunden bestimmen das Angebot

Nur der nordamerikanische Markt schwächelt leicht. Um 2,2 Prozent ging der Jaguar-Verkauf dort zurück. Höchste Zeit also, mit einem neuen Angebot gegenzusteuern. Das richtige Mittel schien ein Allradantrieb zu sein, denn obwohl man in den wilden westlichen Weiten Schnee und Eis eher selten antrifft, sind die sicherheitsbewussten Amerikaner ganz scharf auf 4x4-Autos. Leider mögen sie keine Diesel-Motoren.

Der XJ mit Allradantrieb ist ab 91.160 Euro zu haben.
Der XJ mit Allradantrieb ist ab 91.160 Euro zu haben.(Foto: Axel F. Busse)

"Wir hatten nur die Wahl, die Autos so zu nehmen, wie sie sind", räumt Jaguar-Geschäftsführer Peter Modelhart freimütig ein, "oder für unsere Märkte darauf zu verzichten". Der Österreicher verantwortet außerdem die Geschicke der JLR-Dependance seines Heimatlandes. Deshalb weiß er natürlich, dass die Deutschen beim XF bisher zu fast 98 Prozent und beim XJ zu immerhin 84 Prozent Modelle mit Dieselmotor kauften, und daher für einem Allrad-Pkw mit Ottomotor nicht die allergrößten Chancen auszurechnen sind. Amerika, wo immerhin ein gutes Fünftel der Jaguar-Fahrzeuge verkauft werden, gab also die Richtung vor. Die weiterhin auf Zuwachs programmierte Nachfrage in China, wo ebenfalls bevorzugt Benzinmotoren laufen, dürfte ein Übriges getan haben.

So werden denn die Allrad-Varianten von XF und XJ künftig mit einem drei Liter großen Sechszylindermotor ausgestattet sein, der mit Hilfe eines Kompressors 340 PS locker macht. Er ersetzt den Fünfliter-Saugmotor mit acht Zylindern, der 375 PS leistete. Das Drehmoment von 450 Newtonmetern verspricht einen strengen Zug nach vorn. Kombiniert mit der ausgezeichneten Achtstufen-Automatik von ZF und einem Stopp-Start-System sollen die Motoren im Mittel bei beiden Modellen knapp unter zehn Litern je 100 Kilometer verbrauchen.

Auf dem Rollenprüfstand mag das funktionieren, soll der Allradantrieb aber auf der präparierten Schneepiste auf seine Tauglichkeit getestet werden, stehen schnell mal 15 Liter auf der Uhr. Das 4x4-System ist im Prinzip aufgebaut wie die in den großen Land- und Range-Rover-Modellen verwendete Technik. Mit dem Unterschied, dass die Geländewagen mit einem permanenten Allradantrieb versehen sind, während bei Jaguar die vordere Achse nur beim Anfahren oder bei Verlust der Haftung an der Hinterachse zum Einsatz kommt.

Heckbetonung bleibt erhalten

Im Extremfall können beim Jaguar 50 Prozent der Motorkraft nach vorn geleitet werden. An jedem Rad sind Geschwindigkeitssensoren angebracht, die schon im Ansatz registrieren, wenn ein Rad durchzudrehen beginnt. Das Verteilergetriebe, das etwa in Höhe der Vordersitze montiert ist, leitet dann einen Teil der Kraft auf die zusätzliche Antriebswelle, die die Vorderräder versorgt. An Vorder- und Hinterachse ist jeweils noch ein Differenzial für die optimale Kraftverteilung vorhanden. Der Hersteller verspricht, dass dies "keine Einschränkung" des heckbetonten "jaguar-typischen Fahrerlebnisses" bedeute.

Andererseits kann es aber eine erhebliche Erweiterung für den Fahrspaß bedeuten, wenn man sich in der Sicherheit eines abgesperrten Parcours mit der Wirkungsweise des 4x4-Systems vertraut machen kann. Was man während der Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr tunlichst unterlassen sollte, ist hier sozusagen erste Fahrerpflicht: Abschalten der Assistenzsysteme, insbesondere der Stabilitäts- und Traktionskontrolle, die im Normalfall nicht nur einzelne Räder bremsen, sondern auch die Motorkraft durch Minderung der Benzinzufuhr abschnüren kann.

Provozierte Ausweichmanöver mit aktivem Systemen demonstrieren überzeugend Spurtreue und Kontrollierbarkeit der Limousinen, bringen einen aber um das Vergnügen, das Fünfmeter-Schiff quer um die Kehre zu zirkeln. Die feinfühlige Lenkung erleichtert das Manöver, wenn man nicht bei all der Kurbelei einmal übersieht, dass die Vorderräder gerade eingeschlagen sind. Vergnügt mit dem Heck wedelnd zeigen die sonst so nüchtern daher kommenden Business-Schlitten plötzlich erstaunlichen Unterhaltungswert.

Schon als Hecktriebler mit allerlei modischem Schick ausgestattet, taugen die Allradmodelle natürlich nicht zum Schnäppchen. Für die Preispositionierung ging Jaguar von einem prozentualen Aufschlag auf den Grundpreis aus, so dass die Allradtechnik selbst nicht als identifizierbarer Kostenfaktor erkennbar ist. Der XF "All-Wheel-Drive" (AWD) kostet 55.900 Euro, der vierradgetriebene XJ 91.160 Euro. Wem das zu günstig erscheint, kann sich vielleicht für die neu geschaffene "Ultimate"-Ausstattungslinie erwärmen. Zwar gibt es die nur ohne Allradantrieb, dafür zahlt man aber mindestens 144.150 Euro.

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Quelle: n-tv.de

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