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Der Jeep Compass soll auch die mäßige Nachfrage nach dem größeren Cherokee puffern.
Der Jeep Compass soll auch die mäßige Nachfrage nach dem größeren Cherokee puffern.(Foto: Jeep)
Donnerstag, 15. Juni 2017

Der Zweite nach elf Jahren: Jeep Compass - Orientierung im Dschungel?

Von Axel F. Busse

Um sich in der Wildnis nicht zu verlieren, ist der Kompass ein nützliches Gerät. Die Assoziation des hilfreichen Begleiters ist Jeep sehr willkommen, wenn der Geländewagen-Spezialist sein neuestes Produkt anpreist. Es ist der zweite Compass in elf Jahren.

Dass Jeep als die wohl amerikanischste aller Automarken angesehen wird, hat sie nicht zuletzt den GIs zu verdanken, die 1944 nach Europa kamen und die Willys-Geländewagen zu tausenden mitbrachten. Nach einigen mageren Jahren ist Jeep derzeit so angesagt wie selten zuvor. Die Marke profitiert vom globalen SUV-Boom, denn schon immer haben sie sich nicht nur auf Hardcore-Geländewagen verstanden, sondern auch auf komfortablen Innenausbau ihrer Fahrzeuge. Der "Grand Wagoneer" von 1963 wird als erstes Luxus-SUV überhaupt angesehen.

Für den ernstzunehmenden Waldlauf eignet sich nur die Ausführung des Compass als Trailhawk.
Für den ernstzunehmenden Waldlauf eignet sich nur die Ausführung des Compass als Trailhawk.(Foto: Jeep)

Die Marke, deren Name als Synonym für eine ganze Fahrzeug-Kategorie gilt, schwimmt auf einer Erfolgswelle und konnte im vergangenen Jahr weltweit mehr als 1,4 Millionen Einheiten absetzen. In Deutschland ist das Bild ähnlich erfolgreich, wenngleich das kleine Modell Renegade die eher mäßige Nachfrage nach dem größeren Cherokee ausgleichen muss. Das Interesse an dem ebenfalls relativ neuen Stadt-Indianer ging – gemessen an den Zulassungszahlen - binnen eines Jahres um rund 20 Prozent zurück. Umso größer sind die Erwartungen in den neuen Compass. Mit seiner Hilfe will Jeep im nächsten Jahr hierzulande auf ein Prozent Marktanteil kommen, was nicht weniger als die Verdoppelung der Neuanmeldungen bedeuten würde.

Noch mehr SUV im Anmarsch

Das Segment der Kompakt-SUV ist mittlerweile zu einem kaum noch durchschaubaren Dschungel geworden. Orientierung können die Kunden beim Compass suchen, wenn sie die Kompetenz einer bewährten Allradmarke mit den Annehmlichkeiten moderner Vielzweck-Kombis verbinden wollen. Wem der alte Compass zu kalt und kantig war, der aktuelle Cherokee zu avantgardistisch und zu wenig Jeep, der könnte in dem 4,40 Meter langen Fünftürer sein Heil finden. Prognosen gehen davon aus, dass der jährliche Anteil von Kompakt-SUV am Gesamtmarkt in Deutschland weiter nach oben geht, und zwar von zuletzt etwas mehr als 300.000 auf 420.000 Einheiten im nächsten Jahr.

Der Lenkradkranz im Jeep Compass ist etwas wulstig.
Der Lenkradkranz im Jeep Compass ist etwas wulstig.(Foto: Jeep)

Ungeachtet der gegenwärtigen Diskussionen um den Dieselmotor bietet Jeep für den Compass zwei Benzin- und fünf Selbstzünder-Varianten an. Die Leistung reicht von 120 PS im 1,6 Liter großen Diesel, es folgt der Ottomotor mit 140 und 170 PS, und auch der kräftigste Diesel hat 170 PS als maximal verfügbare Leistung. Zur Kraftübertragung dient entweder eine Sechsgang-Handschaltung (die für die per Vorderradantrieb bewegten Compasse verwendet wird) oder eine Neungang-Automatik. Den Erwartungen des Herstellers zufolge werden etwas mehr als die Hälfte der Käufer Dieselmotoren und Allradantrieb wählen.

Waren die für die Frontpartie eines Jeeps charakteristischen sieben Kühler-Schlitze über die Jahrzehnte allerlei stilistischen Veränderungen unterworfen, kann man sich in der Seitenansicht nach wie vor auf eines verlassen: Die trapezförmigen Radausschnitte zieren auch den Compass, eine leicht ansteigende Fensterlinie und eine an Haifischflossen erinnernde C-Säule sind prägende Elemente des Design. Die Versionen mit Allradantrieb unterschieden zwei Merkmale: Außer im Automatik-Modus kann das 4x4-System in vier verschiedenen Einstellungen betrieben werden, die für maximale Traktion auf Sand, Schnee oder Schlamm sorgen sollen. Per Tastendruck ist eine starre 50:50-Kraftverteilung zwischen den Achsen möglich. Für Jeep ist es unverzichtbar, dass wenigstens eine Modellvariante als Hardcore-Offroader gelten kann, weshalb die Version "Trailhawk" noch mit einer Einstellung für Felsenfahrt, Getriebe-Untersetzung und Bergabfahrhilfe versehen ist.

Die Sitze im Jeep Compass könnten etwas mehr Seitenhalt bieten.
Die Sitze im Jeep Compass könnten etwas mehr Seitenhalt bieten.(Foto: Jeep)

Je nach Motor-, Antriebs- und Getriebe-Version wiegt das Auto zwischen 1500 und 1800 Kilogramm. Mäßiges Gewicht kann für den Verbrauch positiv sein, begrenzt aber auch die mögliche Anhängelast. Sie beträgt zwischen 1000 und 1900 Kilogramm. Auf der Testfahrt über Landstraßen und mittelschwere Geländepisten überzeugte die Zweiliter-Dieselversion mit Automatik und 4x4-Antrieb als ausgewogenes und hinreichend komfortables Vielzweck-Auto.

Strammer Anzug und wenig Seitenneigung

Der Fahrer manövriert mittels eines wulstiges Lenkradkranzes, an den Speichen sitzen die Tasten zur Aktivierung zahlreicher Informations- und Entertainment-Funktionen. So, wie man sich die Lenkung eine Spur direkter und mit mehr Rückmeldung versehen wünschte, so sehr bräuchten die Sitze etwas mehr Stabilität in den Flanken. Wer rasant in die Kurve geht oder das Auto im Gelände in Seitenneigung bringt, merkt sofort, warum das nötig wäre. Natürlich weiß man auch bei Jeep, dass nur die wenigstens Kunden ihren Compass tatsächlich auf die Pirsch schicken, und so erscheint die Entscheidung zugunsten einer komfortablen Auslegung des Gestühls nachvollziehbar.

Dem Fahrwerk bereiten Schwellen, Fugen und plötzliche Vertiefungen keine spürbaren Probleme, da gibt sich der Compass ganz souverän als Meister des Unebenen. Unangemessene Seitenneigung der Karosserie war während einer ersten Testfahrt ebenfalls nicht spürbar. Nervosität bei der Gasannahme kann man dem Zweiliter-Diesel ebenfalls nicht vorwerfen, verhalten aber druckvoll geht er zu Werke und spielt als Trailhawk den satten Schub von 380 Newtonmetern aus. Ausflüge ins Gelände, zumal mit aktivierter Getriebe-Untersetzung, fordern ihren Tribut, so dass ein errechneter Verbrauchswert von 8,8 Litern (gegenüber 5,7 l/100km aus dem Datenblatt) zwar nicht erfreulich, aber doch zumindest erklärbar scheint.

Dass der Compass seinen Mitbewerbern mit einem konkurrenzfähigen Angebot an Sicherheits- und Assistenzsystemen gegenüber tritt, ist selbstverständlich. Spurhalte- und Notbremssystem sind serienmäßig an Bord, andere als Option und als Teil von Paketen erhältlich. Ebenfalls zur Grundausstattung gehören Klimaanlage, Funk-Zentralverriegelung, LED-Rückleuchten und Tempomat. Die nächsthöhere Ausstattungslinie bietet bereits Alu-Räder, Dachreling, Einparkhilfe und elektrische Außenspiegel.

Den günstigsten Jeep Compass gibt es ab 7. Juli in Deutschland für 24.900 Euro. Dafür wird ein 120-PS-Benziner mit Frontantrieb und Handschaltung geliefert. Der günstigste Allradler ist der 140-PS-Diesel, für den 31.200 Euro berechnet werden. Größte Bodenfreiheit, komplette Offroad-Ausstattung und gehobenen Komfort im Innenraum bietet der nur als Diesel erhältliche Trailhawk, für den stolzen Preis von 38.500 Euro.

Quelle: n-tv.de

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