Auto
Seit 2010 ist Jürgen Klinsmann Markenbotschafter von Hyundai Deutschland.
Seit 2010 ist Jürgen Klinsmann Markenbotschafter von Hyundai Deutschland.(Foto: Annegret Hilse)

"Jogi hat die Punkte gesammelt": Jürgen Klinsmann und die Autos

Von Holger Preiss

Das erste Auto von Jürgen Klinsmann war ein alter Toyota mit springender Kupplung. Bei den Stuttgarter Kickers gab es den ersten Dienstwagen. Heute ist der Trainer der Fußballnationalmannschaft der USA Markenbotschafter von Hyundai. Aber ein Raser war er nie. Das Schnellfahren haben andere übernommen.

Bei den Stuttgarter Kickers bekam Klinsmann seinen ersten "Dienstwagen".
Bei den Stuttgarter Kickers bekam Klinsmann seinen ersten "Dienstwagen".

Gehören Fußball und Autos zusammen? Wer Jürgen Klinsmann diese Frage stellt hofft, dass der Markenbotschafter von Hyundai Deutschland etwas von PS-Raserei, teuren Schlitten und exzessiven Autokäufen erzählt. Doch Pustekuchen. Nach kurzem Zögern sagt er: "Ich glaube, da ist schon eine gute Verbindung da. So ein Auto kann schnell und sportlich sein und auch als Fußballer sitzt du täglich im Auto." Alles klar. Schnell und sportlich. Da muss doch was zu machen sein.

Seinerzeit hat sich Günther Netzer einen Ferrari gekauft. Als er den nicht mehr wollte, wurde er an Franz Beckenbauer verkauft. So etwas muss es doch heute auch noch geben? "Natürlich gibt es das noch. Und das ist auch völlig in Ordnung. Die Jungs, wenn sie dann in den Profifußball einsteigen, verdienen plötzlich sagenhaft viel Geld. Dann wollen sie es ausgeben und richtig viel Spaß haben. Aber wenn du älter bist und eine Familie hast, dann wirst du einfach ruhiger und fängst an praktisch zu denken."

Aber irgendwo muss es doch auch bei Jürgen Klinsmann mit den Autos begonnen haben? "Ich bin keiner der auf der Straße nach Autos starrt." Sein erstes Auto bekam er von seinem großen Bruder. Einen alten orangefarbenen Toyota, von allen Seiten gespachtelt, bei dem auch noch die Kupplung völlig im Eimer war. "Die musste man immer so rausfatzen lassen und dann richtig viel Gas geben." Ein halbes Jahr später bekam er als Spieler der Stuttgarter Kickers ein Vereinsfahrzeug. "Da musste ich das erste Mal wieder mit einer normalen Kupplung umgehen. Da ich mir das mit der springenden Kupplung so angewöhnt hatte, brauchte ich Wochen, um mich umzustellen. Das war schon sehr lustig. Vor allem für die Umstehenden."

Jogi hat die Punkte gesammelt

Jürgen Klinsmann spielt lieber mit dem Ball als mit Autos.
Jürgen Klinsmann spielt lieber mit dem Ball als mit Autos.

Bei derart ungewollten fahrtechnischen Kapriolen drängt sich die Frage auf, ob Jürgen Klinsmann ein gut gefülltes Punktekonto in Flensburg aufzuweisen hat? Nein, hat er natürlich nicht: "Also ich habe es während der Vorbereitung auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 immer so gemacht, dass ich mich neben Joachim Löw gesetzt habe beim Autofahren. Jogi hat dann die Punkte gesammelt", frotzelt Klinsmann. Einmal ist Jogi dermaßen schnell in einen Blitzer gekracht, dass Klinsmann dem Polizisten anbot, als Sündenbock herzuhalten. "Ging aber nicht. Jogi war auf dem Kamerabild so deutlich zu erkennen, dass er den Führerschein abgeben musste", sagt er lachend. Lenkt dann aber ein: "Klar fährst du mal zu schnell, aber anscheinend habe ich da immer Glück gehabt. Vielleicht hatte ich mal ein oder zwei Punkte in Flensburg." Allerdings fügt er an, dass er auch schon mit 280 km/h über die Autobahn gebrettert ist, "aber nur da, wo es erlaubt war".

Angesichts der 280 km/h stellt sich die Frage nach Klinsmanns Traumauto. Eins mit möglichst viel PS. Ferrari, Lamborghini, Bugatti? Klinsmann ist schließlich Botschafter einer Automarke, die inzwischen nicht mehr nur kleine scheppernde Blechkästen produziert, sondern auch Straßen-Boliden wie den Veloster oder Genesis im Programm hat. "Ich würde mir mein Traumauto lieber selber zusammenbasteln", meint Klinsmann. Heraus käme dann ein Auto, in dem die praktischen Werte das Übergewicht haben. Zum Beispiel sollte die Rücksitzbank viel weiter nach hinten verschoben werden können. Und dabei denkt Klinsmann nicht an die großen Luxusschlitten, wo derartige Features eh schon zu haben sind, sondern an die kleinen Autos, die so noch praktischer werden könnten.

Privat fährt Klinsmann – wie könnte es anders sein – einen Hyundai ix55. In den USA, seiner Wahlheimat, heißt der Veracruz. Unter dessen Haube hämmert aber immerhin ein 3,6-Liter V6 mit 260 PS.  Selbst das verleitet den Vater von zwei Kindern nicht zum Rasen. Klinsmann hat bereits durch seine frühen Aufenthalte in den USA gelernt, mit dem Strom zu fahren, gelassen zu werden. "Du machst Dir nicht den Stress 10, 20 oder 30 km/h schneller zu fahren, um dann zehn Minuten früher am nächsten Ort zu sein. Da überlegst du dir eher, welche Musik du hörst oder welches Gespräch du als nächstes führst. Und das habe ich auch nach Deutschland mitgebracht." Egal wie man also bei Klinsmann an die Frage herangeht, der Mann lässt sich nicht zum PS-Junkie machen.

"Hyundai braucht mich nicht um Autos zu verkaufen"

Bereits seit 1995 engagiert sich Jürgen Klinsmann in sozialen Projekten.
Bereits seit 1995 engagiert sich Jürgen Klinsmann in sozialen Projekten.

Die Ansprüche, die Klinsmann an die Rolle eines Markenbotschafters stellt sind hoch. Bereits während seiner aktiven Zeit als Fußball-Profi hat Klinsmann sich sozial engagiert. Im Jahr 1995 gründet er die Organisation Agapedia, die sich weltweit um hilfsbedürftige und Not leidende Kinder kümmert. Außerdem gehört er dem Kuratorium der Stiftung Jugendfußball an und setzt sich seit über zehn Jahren dafür ein, Kinder fürs Kicken und das soziale Miteinander zu begeistern. All das lässt er auch in die Zusammenarbeit mit Hyundai einfließen. 

Und das funktioniert gut, weil die Chemie einfach stimmt. "Es muss Dinge geben, die beide gerne tun. Ob das mit meinem Kinderprojekt zu tun hat oder generell mit meinem Interesse für Fußball. Hyundai braucht mich nicht, um mehr Autos zu verkaufen. Ich bin kein Markenbotschafter, der jemanden anspornt, dieses oder jenes Auto zu kaufen. Es geht darum Werte zu kommunizieren. Und da passen wir gut zusammen. Was mir an Hyundai gefällt, ist, dass da nicht gesponnen wird. Das ist eine Partnerschaft die lebt und nicht einfach auf irgendeinem Plakat hängt."

Natürlich würde Jürgen Klinsmann auch wie Jürgen Klopp für Opel oder Mehmet Scholl für Dacia sich in einen Hyundai setzen und in einem Werbespot durchs Bild rasen, aber auch hier müssten "sich beide Seiten wiederfinden". Und tatsächlich gibt es ja kleine Filmchen, die Klinsmann für Hyundai gedreht hat. Das die es nicht ins Fernsehen geschafft haben, ist fast schade, denn sie sind, wie Klinsmann selber sagt, "mit einer gehörigen Portion Flaxerei verbunden." Auch das ist ein ausgesprochen angenehmer Zug am Trainer der Fußballnationalmannschaft der USA. Er nimmt sich nicht so bierernst. Und letztlich ist es wie es ist. Jürgen Klinsmann ist ein Praktiker. Seine Emotionen lebt er auf dem Fußballplatz und in seinen sozialen Projekten, nicht aber im Auto aus.

Quelle: n-tv.de

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