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Neues Getriebe für Alfa GiuliettaJulchen läuft ganz automatisch

02.02.2012, 13:27 Uhr
imagevon Axel F. Busse
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Der Alfa Romeo Giulietta ist seit knapp zwei Jahren in Deutschland am Markt und hatte mehr als 6300 Neuzulassungen hierzulande. (Foto: Alfa Romeo)

Schaltfaule Fahrer finden jetzt auch beim Alfa Romeo Giulietta eine Kraftübertragung nach ihrem Geschmack: Ab sofort wird das "Julchen" mit einem sechsstufigen Doppelkupplungsgetriebe angeboten. Allerdings muss man dann einen 170-PS-Motor dazu nehmen.

Auch wenn es jetzt mit Stolz geschwellter Brust der Fachpresse vorgestellt wurde, so ganz neu ist das TCT-Getriebe nicht. Es wurde schon voriges Jahr für den Alfa Mito angeboten, doch der Hersteller mochte es nicht an die große Glocke hängen. Dafür wird jetzt um so mehr die Werbetrommel gerührt. Die drei Buchstaben des Kürzels stehen nicht für die italienische Bezeichnung eines Doppelkupplungsgetriebes, sondern für die englische: "Twin Clutch Transmision".

Immer mehr Hersteller ergänzen ihre Baureihen mit diesen modernen Schaltboxen, die gegenüber anderen Selbstwahl-Übersetzungen eine Reihe von Vorteilen bieten. In der Regel schalten sie schneller als eine Wandlerautomatik, bringen weniger Gewicht mit und reduzieren auch noch den Spritverbrauch im EU-Normtest. In den meisten Fällen können sie auch mit einem Start-Stopp-System kombiniert werden, was den Effizienzvorteil noch vergrößert.

All diese positiven Eigenschaften schriebt die italienische Traditionsmarke auch ihrer neuen Sechsgang-Automatik zu, die mit 81 Kilogramm etwa 10 Kilo weniger auf die Waage bringt, als eine herkömmliche Automatik. Sie arbeitet mit zwei trocken laufenden Kupplungsscheiben und bietet die technische Voraussetzungen für eine spätere Erweiterung auf sieben Schaltstufen, falls das für den Einbau in anderen Modellen sinnvoll erscheinen sollte.

Nur für 170-PS-Modelle

Das Modell Giulietta ist seit knapp zwei Jahren in Deutschland auf dem Markt und erzielte laut Kraftfahrtbundesamt in 2011 mehr als 6300 Neuzulassungen hierzulande. Das ist etwa ein Drittel weniger als Kia vom C’eed absetzte und ein Zehntel dessen, was Ford vom Focus in Deutschland an Neuzulassungen registrieren konnte. Mit beiden Autos sieht Alfa Romeo die kleine Jule in einem Wettbewerbsumfeld. Europaweit seien es rund 80.000 Verkäufe gewesen. Die Marke wertet die Akzeptanz der Giulietta als "sehr erfolgreich". Beliebteste Motorisierung ist mit 35 Prozent Anteil der 1,6 Liter große und 105 PS starke Diesel. Ebenso viele Kunden wählen übrigens weißen Lack.

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Wer sich für ein herkömmliches Schaltgetriebe entscheidet, spart Geld. (Foto: Alfa Romeo)

Wer sich für diese Motorvariante interessiert, wird auch in Zukunft keine Freude am TCT-Getriebe haben. Bis auf weiteres wird nur der zwei Liter große Diesel mit 170 PS damit ausgerüstet, und zwar zu einem Preis von 28.900 Euro. Das sind 1800 Euro mehr, als die Version mit Handschaltung kostet. 170 PS hat auch der 1,4 Liter große Multiair-Benzinmotor, der mit Doppelkupplungs-Schaltbox 26.000 Euro kostet. Beide Fahrzeuge sind ausschließlich in der Ausstattungslinie Turismo bestellbar. Ob später weitere Varianten mit dem neuen Getriebe ausgerüstet werden, ist derzeit nicht entschieden und soll sich nach der Nachfrage richten.

Die ersten Testfahrten mit dem TCT-Getriebe verdeutlichten vor allem die große Herausforderung für die Techniker, eine ebenso dynamische wie praxisgerechte Abstimmung für die Schaltbefehle zu finden. Wie in anderen Alfas auch, kann mit dem so genannten DNA-Schalter die Charakteristik von Gasannahme, Fahrwerk und Getriebeaktivität beeinflusst werden. Um optimale Effizienz zu erreichen, ist es beispielsweise unabdingbar, dass die Schaltstufe unmittelbar mit der Gashebelstellung korrespondiert. In der Praxis bedeutet das: Sobald der Fahrer durch nachlassenden Druck aufs Pedal signalisiert, dass er keine weitere Beschleunigung mehr wünscht, sollte die Steuerungselektronik des Getriebes dies erkennen und die nächsthöhere Fahrstufe einlegen. Je länger die Drehzahl ungewollt hoch bleibt, desto negativer für den Spritverbrauch.

Option auf einen siebten Gang

Genau dieser Effekt, nämlich verspätetes Hochschalten war bei TCT-Getriebe sowohl in der Normal- als auch in der Dynamik-Abstimmung zu beobachten. Umgehen kann man dies zwar, indem man per Schaltpaddel selbst bestimmt, wann der Gangwechsel erfolgen soll, doch das ist ja nicht der eigentliche Sinn einer Automatik. Auch beim Herunterschalten fand das TCT nicht immer die optimale Übersetzung. Bei dynamischer Fahrweise ist diese Schwäche besonders auffällig, bei gemäßigtem Tempo weiß das neue Getriebe durch harmonische und geschmeidige Gangwechsel zu gefallen.

Abgesehen von zeitweise unnötigem Hochdrehen ist der Geräuschkomfort ordentlich und der leichtgängig zu bedienende Wählhebel ist geeignet, den Frauenanteil unter den Kunden von derzeit 20 Prozent noch zu erhöhen. Die Start-Stopp-Automatik funktionierte im Test tadellos, ohne Murren und Ruckeln setzte sie den Motor nach dem Ampelstopp wieder zuverlässig in Betrieb. Für die Verwendung in weiteren Modellreihen hält die Technik des Getriebes die Option offen, noch eine weitere Fahrstufe hinzuzufügen.

Wer sich künftig für die TCT-Kraftübertragung entscheidet, soll als Ausgleich für den Mehrpreis mit Verbrauchsvorteilen rechnen können. Für den Benzinmotor gibt der Hersteller des Minderverbrauch mit 0,6 Litern an (jetzt 5,2 nach EU-Norm) für den Diesel mit 0,2 Litern. Angesichts dieser Werte sind dann schon etliche Langstreckenfahrten nötig, um die höheren Anschaffungskosten wieder rauszuholen.