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Was den GTI über alle Generationen auszeichnet, ist der Fahrspaß, den er verbreitet.
Was den GTI über alle Generationen auszeichnet, ist der Fahrspaß, den er verbreitet.

Golf II GTI 16V vs. Golf VII GTI: Kampf der GTI-Generationen

Der bisher wohl haltbarste Golf war der der zweiten Generation. Seit 2016 darf auch die heißgemachte 16V-Version das H-Kennzeichen tragen. Grund genug für eine Begegnung mit dem aktuellen Performance-GTI.

Der Golf VII GTI ist 500 Kilogramm schwerer als sein 30 Jahre alter Namensvetter.
Der Golf VII GTI ist 500 Kilogramm schwerer als sein 30 Jahre alter Namensvetter.

Als vor gut dreißig Jahren die Katalysatoren den Motoren zusetzten, war das Gejammer unter den Golf GTI-Fans groß. Plötzlich reduzierte sich die Leistungsausbeute beim taufrischen Sechzehnventiler von 139 auf 129 PS. Regelrecht zugeschnürt wirkten die KAT-GTI 16V, und auch heute sind sie nicht sonderlich beliebt bei den Old- und Youngtimer-Golfern. Und jetzt, da die ersten 16V das H-Kennzeichen erhalten, kann man die katlosen Ausgaben angesichts 192 Euro Steuern im Jahr ohne Reue anmelden.

Fahrspaß ist das Hauptmotiv

Mit solchen Problemen braucht sich kein heutiger GTI-Neuwagenkunde herumzuschlagen. Nicht einmal Downsizing muss er hinnehmen, schließlich hat der erste Golf mit vier Ventilen pro Zylinder in der Geschichte nur 1,8 Liter Hubraum, während es in diesen Tagen zwei Liter gibt. Und in den Verdacht der Umweltverschmutzung geraten derzeit vorwiegend Diesel – wenngleich auch Benzin-Direkteinspritzer ihr kleines Rußproblem mit sich herumschleppen. Schwamm drüber, hier zählt der Fahrspaß. Und es war immer schon der Fahrspaß, der das Hauptmotiv für den GTI lieferte. In zweiter Linie hat man immer noch einen Golf mit all seinen Vorteilen: Klassenlosigkeit, Alltagstauglichkeit und im Falle der älteren Generation eine konstant vorbildliche Ersatzteilversorgung.

Der Golf II zählt zu den zuverlässigsten seiner Zunft.
Der Golf II zählt zu den zuverlässigsten seiner Zunft.

Ein bisschen exotisch ist der GTI allerdings schon – der Golf II als 16V sowieso, und selbst dem aktuellen Wolfsburger Kompaktflitzer begegnet man nicht allzu häufig. Wenn aber doch, dann erkennt man die GTI-Fraktion, dafür haben die Väter der beiden Autos schon gesorgt: So prangt ein fettes "GTI"-Emblem auf dem Kühlergrill des rasanten Golf, und auf dem Heckdeckel gibt es den "16V-Schriftzug" gleich mit dazu. Falls der Kunde von damals auf Embleme verzichten wollte, helfen noch immer der kleine Dachspoiler, das potent wirkende Doppelrohr sowie die Tachoskala bis 260 km/h bei der Identifikation des vor dreißig Jahren stärksten Golf.

500 Kilo liegen zwischen den Modellen

Heute steht der GTI auf speziellen Alufelgen, verfügt über spezifische Front- wie Heckschürzen und baggert mit einer schicken Auspuffanlage (ein Rohr rechts, eines links). Auch den Dachspoiler gibt es noch immer, Gleiches gilt für die Sportsitze mit Sonderstoff. Früher waren es Streifen, heute Karomuster. Stehen beide Autos nebeneinander, fällt das Wachstum von drei Jahrzehnten auf. Der II war mit seinen 3,99 Längenmetern und 1,68 m Breite tatsächlich noch ein Kompakter, während ein Golf VII gut 25 Zentimeter in der Länge und 12 Zentimeter in der Breite zugelegt hat.

Eigenständig ist der Sitzbezug eines jeden GTI.
Eigenständig ist der Sitzbezug eines jeden GTI.

Und an Gewicht erst. Fast eine halbe Tonne liegen zwischen den beiden GTI-Kandidaten – das macht sich bemerkbar im Handling, in den Geräuschen und ohnehin im allgemeinen Eindruck. Eigentlich ist das Leistungsgewicht der beiden scharfen Gölfe recht ähnlich: Während jedes Pferd des Ur-16V etwa sechseinhalb Kilogramm Masse bewegen muss, sind es beim heutigen Performance mit 230 PS rund 6,1 kg.

Im Vergleich sieht der Alte etwas älter aus

In der Praxis sieht der alte Doppelscheinwerfer-Wolfsburger kein Land, wenn das aktuelle Pendant losgeht. Aber das hindert den Jubilar keineswegs daran, sich als Fahrmaschine pur zu verkaufen. So wirkt er noch weitgehend ungefiltert, hoppelt über Bodenwellen, dröhnt und ächzt, wenn das Benzin durch die unverwüstliche K-Jetronic strömt. Nach achteinhalb Sekunden soll der alte Power-IIer Landstraßentempo erreichen und rennt deutlich über 200 Sachen, wenn man ihm nur ein bisschen Anlauf lässt. Doch viel mehr Spaß macht es, das 0,9-Tonnen-Leichtgwicht um die Ecken zu zirkeln. Vor der Kurve herunterbremsen, zweiter Gang, dritter Gang – der Schalthebel marschiert flink. Bis zum Dritten hat der junge Oldie richtig Biss und lässt den Fahrer mit ein wenig Lenkeinschlag gerne die Traktionsgrenze spüren.

Auch der neue hat Biss, viel Biss sogar, wie man rasch feststellen wird. Aber man könnte mit dem geräumigen Allrounder sofort eine Europa-Tour unternehmen, ohne jegliche Ermüdungserscheinungen zu zeigen. Das Fahrwerk ist straff, und wenn die Drehzahlmesser-Nadel süffig über die Skala witscht, posaunt es artgerecht und wohldurchdacht komponiert aus der Sound-Retorte. Das ist fein, aber der siebente GTI braucht einfach noch etwas Zeit, um zu reifen, damit aus dem alltagstauglichen Express-Golf ein Charakter-Typ wird.

Der IIer war früher auch alltagstauglich. Nicht weniger jedenfalls als ein normaler 55 PS-Basisgolf. Die fahren heute übrigens noch immer herum, um Liebhabern oder Menschen mit wenig Budget den Alltag zu erleichtern. Um einen originalen und gut erhaltenen GTI 16V ohne Kat zu erwerben, sollte dagegen schon ordentlich Budget vorhanden sein. Da können durchaus 15.000 Euro über die Ladentheke gehen. Der neue Performance-GTI erfordert mindestens das Doppelte, ist aber dafür auch ein patenter Wegbegleiter für alle Fälle. Das alte Modell sollte man viel lieber schonen und nur an witterungsfreundlichen Tagen genießen. So viel Respekt vor automobilem Kulturgut ist geboten. Denn rar sind sie geworden, die Spaßmacher-Gölfe von einst.

Quelle: n-tv.de

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