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Die Luft brennt für die Tuner noch lange nicht. Dafür löst sich in Essen schon mal der eine oder andere Reifen beim "Burn out" in Rauch auf.
Die Luft brennt für die Tuner noch lange nicht. Dafür löst sich in Essen schon mal der eine oder andere Reifen beim "Burn out" in Rauch auf.

Keine Krise bei scharfen Kurven: Tuner bleiben zuversichtlich

Trotz immer neuer Hiobsbotschaften aus der Tuner-Szene sieht sich die Branche im Aufwind. Grund dafür ist, dass selbst die Leistungssteigerungen ab Werk für die Tuning-Fans wie von der Stange daherkommen. Der Bedarf an individuellen Fahrzeugen ist groß. Aber wird das Geschäft so auf Dauer beflügelt?

Die Suche nach Individualität treibt Autobesitzer auch weiterhin zu den Tunern.
Die Suche nach Individualität treibt Autobesitzer auch weiterhin zu den Tunern.

Die Ankündigung von Opel-Tuner Irmscher hat letzte Woche für Aufsehen gesorgt. Ende Mai nächsten Jahres soll der Stammsitz des Unternehmens in Remshalden bei Stuttgart geschlossen werden. Irmscher werde zwar weiter bestehen, den Markt jedoch von den anderen europäischen Standorten aus bedienen. Die Meldung von Irmscher kam unmittelbar vor Beginn der Essen Motor Show, die als führende Messe für Motorsport und Tuning gilt. Und die in diesem Jahr, so hoffen die Veranstalter, die besucherstärkste Automobil-Messe in Deutschland sein wird. Ist also die Situation bei Irmscher ein Einzelfall? Oder ist sie repräsentativ für die gesamte Branche?

Als Gründe für die Schließung der Zentrale nennt Irmscher die Veränderungen im Markt und die schwache Konjunktur des Automarktes in Europa. Dabei stellt sich die Frage, ob die Entscheidung lediglich damit zusammenhängt, dass die Stammmarke Opel ebenfalls Absatzprobleme hat und diese sich entsprechend auch auf Irmscher auswirken. Oder ob stattdessen das zunehmende Individualisierungsangebot der Hersteller selbst der Grund ist, dass Kunden sich beim Kauf des Fahrzeugs ein optisches oder technisches Tuning gleich mitbestellen und deshalb keinen Bedarf mehr am Angebot der Tuningfirmen haben.

Bedarf an individuellen Fahrzeugen bleibt bestehen

Räder und Reifen haben immer noch den höchsten Anteil im Tuning-Geschäft.
Räder und Reifen haben immer noch den höchsten Anteil im Tuning-Geschäft.

Harald Schmidtke, Geschäftsführer des Verbands der Automobil-Tuner (VDAT), bestätigt, dass mittlerweile etwa 60 Prozent des Marktes von den Automobilherstellern selbst abgedeckt werden. Weltweit liege das Marktpotenzial für Tuningfirmen bei rund 4,6 Milliarden Euro. Die sie sich nun aber immer mehr mit den Herstellern teilen müssen. Marc Herdtle vom Porsche-Tuner TechArt ist sich sicher, dass der Bedarf an individuellen Fahrzeugen weiterhin bestehen bleibt. Trotz und vermutlich sogar wegen des zunehmenden Angebots der Hersteller selbst wollten die Kunden "nichts von der Stange" haben, sondern ein Fahrzeug, das vielleicht sogar einzigartig ist. Entscheidend sei, dass die Tuner sich weiterhin deutlich vom Angebot der Hersteller abheben. "Für gutes Tuning geben die Kunden gerne mehr Geld aus", erklärt Harald Schmidtke. Der Trend für nächstes Jahr geht zur Beleuchtungstechnik. Hier erwarten Experten mehr LED-Zubehör, auch für ältere Modelle. Weiterhin aktuell bleiben immer noch Rad/Reifen Kombinationen.

Der Export Anteil der Branche liegt bei rund 60 Prozent. Bestätigen kann dies der Erfolg des Felgenhersteller Diewe. Das aus dem Mutterkonzern Diewe Diamantwerkzeug entstandene Unternehmen, hat sich erst vor zwei Jahren auf den Verkauf von Alufelgen spezialisiert. Der Mitbegründer Andreas Riedlberger erwartet für das kommende Jahr bereits eine Verdoppelung der verkauften Stückzahlen, umgerechnet also 65.000 Einheiten.

Nicht nur auf Europa konzentrieren

Evangelos Hatzikoitsis vom Mercedes-Tuner Lorinser betont, dass der zunehmende Einfluss der Hersteller nicht von jetzt auf nachher kam. Dies sei eine Entwicklung, die bereits vor einigen Jahren begonnen hat und die sich nach seiner Meinung auch weiter fortsetzen wird. Entscheidend für den weiteren Erfolg sei es, sich und der Marke treu zu bleiben. Und: Sich nicht nur auf Europa zu konzentrieren, sondern in zusätzliche Märkte zu gehen. Auch Bodo Buschmann, Vorstandsvorsitzender des VDAT und Geschäftsführer von Brabus, hält den Export für mit entscheidend: "Wenn ich in China nicht mitspiele, muss ich mich nicht wundern, wenn meine Absatzzahlen zurückgehen."

Buschmann betont weiter, dass 56 Prozent der VDAT Mitglieder ihren Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres halten konnten. Die restlichen 44 Prozent hätten ihn sogar weiter steigern können. Ebenso erfreulich sei es, dass 20 Prozent der Mitgliedsfirmen im vergangenen Jahr zusätzlich Stellen geschaffen und weitere Mitarbeiter eingestellt haben. Was nun die Prognosen für das kommende Jahr angeht, ist Buschmann ebenfalls optimistisch: 79 Prozent der VDAT Mitglieder erwarten auch für 2013 einen Umsatz auf demselben Niveau wie in diesem Jahr oder sogar eine weitere Steigerung. Dafür spricht laut Buschmann, dass 82 Prozent der Tuningfirmen im VDAT sogenannte Global Player sind. Durch die Präsenz auf den internationalen Märkten, die teilweise sehr stark wachsen, könne ein eventueller Rückgang auf anderen Märkten entsprechend ausgeglichen werden.

Die Branche könne laut Buschmann deshalb optimistisch in die Zukunft blicken. Und er verweist dabei auf sein eigenes Unternehmen: Brabus werde nun sein mittlerweile drittes Werk bauen und denke sogar bereits über den Bau eines vierten nach. Auch das Interesse der Aussteller ist auf der diesjährigen Messe gleich geblieben. Wie schon im letzten Jahr zeigen über 500 Aussteller auf 110.000 qm alles rund ums Auto. Neben Tuningfahrzeugen und Zubehör werden Oldtimer, Motorräder sowie Sportwagen ausgestellt und verkauft.

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Quelle: n-tv.de

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